Wasserstoff-Tankstellen in der Schweiz: Wo wir stehen und was geplant ist

Wird Wasserstoff mit erneuerbarer Energie hergestellt, treibt er Fahrzeuge mit Brennstoffzellen-Technologie umweltfreundlich an. Dieser Antrieb soll dank einem Netz von Wasserstoff-Tankstellen in der Schweiz Aufwind erhalten. 

Wasserstofftankstellen in der Schweiz: Flächendeckender Ausbau
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Bisher 2 Wasserstoff-Tankstellen in der Schweiz

Wer im Netz Wasserstoff-Tankstellen in der Schweiz sucht, wird bisher kaum fündig. Bis dato existieren lediglich zwei Wasserstofftank-Tankstellen in der Schweiz, in denen der Kunde Wasserstoff, also H2, tanken kann.

Eine öffentlich zugängliche Wasserstoff-Tankstelle befindet sich in Hunzenschwil AG. Sie war die erste Tankstelle ihrer Art, die im Jahre 2016 eröffnet wurde.

Eine weitere Wasserstoff-Tankstelle gibt es in Dübendorf ZH bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Für die Nutzung dieser Wasserstoff-Tankstelle müssen sich Tankkunden zuvor allerdings bei der Empa registrieren.

Die unbefriedigende Situation mit nur zwei Wasserstoff-Tankstellen in der Schweiz will der Förderverein «H2energy» nun ändern. Der Verein wurde im Mai 2018 gegründet und besteht aus mehreren Schweizer Unternehmen.

Flächendeckendes Wasserstoff-Tankstellennetz bis 2023

Sieben Schweizer Unternehmen, die Agrola AG, AVIA Vereinigung, Coop, Coop Mineraloel AG, fenaco Genossenschaft, Migrol AG und der Migros-Genossenschafts-Bund gründeten im Mai 2018 einen Förderverein, der sich zum Ziel setzt, bis zum Jahr 2023 ein flächendeckendes Netz an Tankstellen für Wasserstoff-Fahrzeuge zu errichten. «Sie leisten damit die Voraussetzung, dass dereinst Fahrzeuge emissionsfrei betrieben werden können – ein wegweisender Schritt hin zu einer nachhaltigen Mobilität in der Schweiz», heisst es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Mitglieder.

Die Gründer wollen zunächst auf ihr eigenes Tankstellennetz setzen, dass mehr 1500 Tankstellen ausmacht. Mit mehr als 1700 schweren Nutzfahrzeugen, die für den Transport des Wasserstoffs genutzt werden könnten, ist die Basis gelegt, um eine Tankstellen-Infrastruktur aufzubauen.

Wenn das Wasserstoff-Tankstellennetz ausgebaut ist, dann rollen sicher bald mehr umweltfreundliche Brennstoffzellen-Autos auf Schweizer Strassen, wie etwa der Toyota Mirai. Der Hyundai ix35 Fuel Cell und sein für 2018 geplantes Bruderauto, der Hyundai Nexo, auf Schweizer Strassen.

Wasserstoff: So funktioniert die Technik

Wasserstoff, der mittels Elektrolyse aus Wasser gewonnen wird, wird komprimiert und kann so gelagert oder transportiert werden.

Für die Herstellung von Wasserstoff wird zwar eine Menge Strom benötigt, doch greift man hier auf Strom aus erneuerbaren Energien zurück, dann ist der Antrieb eine nachhaltige Sache. Bei der Empa beispielsweise wird der notwendige Strom aus Photovoltaikzellen gewonnen.

Wasserstoff-Antrieb im Elektroauto

Wasserstoff-Elektroautos haben einen speziellen und besonders stabilen Tank, in den der komprimierte Wasserstoff eingefüllt wird. Dieser Wasserstoff wird in Brennstoffzellen zu elektrischer Energie gewandelt. Bei der Wandlung reagieren Wasserstoff und Sauerstoff. Das einzige «Abfallprodukt» der Stromproduktion ist Wasser.

Wasserstoff ist schnell getankt

Die schnelle Betankung ist einer der vielen Vorteile gegenüber dem Laden von Elektroautos. Denn in nur wenigen Minuten ist der leere Tank befüllt.

Bis zu 600 Kilometer Reichweite mit Wasserstoff

Bereits seit 2013 produziert «Hyundai Motor» das SUV-Modell, den Hyundai ix35 Fuel Cell, das erste serienproduzierte Fahrzeug mit Wasserstoff-Elektroantrieb. Mit einer einzigen Tankfüllung schafft das Brenstoffzellenauto eine Reichweite von 600 Kilometern.

Ein weiteres Hyundai-Modell soll mit dem Nexo folgen und auch Toyota baut mit dem schnittigen Mirai ein Elektroauto mit Brennstoffzellen-Technologie.

Kosten eines Wasserstoff-Elektroautos

Wasserstoff-Elektoautos haben derzeit noch stolze Preise. Das Hyundai-Brennstoffzellenauto gibt's für 66‘900 Franken. Den schicken Toyota Mirai ist für 89‘990 Franken erhältlich.

Experten gehen allerdings davon aus, dass die Preise bei grosser Stückzahl deutlich purzeln werden und dann ein Brennstoffzellen-Auto auf dem Preisniveau eines Hybrids liegen wird. Die Tatsache, dass das Wasserstoff-Tankstellennetz in der Schweiz ausgebaut wird, dürfte ebenso dazu beitragen, dass Wasserstoff-Fahrzeuge auf Schweizer Strassen künftig öfters zu sehen sind.

Jedenfalls kann Hyundai schon heute in ihrem südkoreanischen Werk bis zu 30‘000 Antriebsaggregate fertigen. Ein Umstand, an dem beispielsweise Audi und Kia interessiert sind. Im Sommer 2018 wurden entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet.

Saubere LKWs auf Schweizer Strassen

Zumindest ein Teil der stinkigen LKWs wird in der Schweiz bald Geschichte sein. Denn, so heisst es in einer Meldung, bereits ab 2019 sollen die ersten Elektro-LKWs mit Brennstoffzellen-Technologie auf Schweizer Strassen rollen.

China, Deutschland und jetzt die Schweiz?

Bis dato ist Deutschland mit 51 Wasserstoff-Tankstellen nach Japan mit 91 Stück weltweit führend in der Anzahl der Füllstationen für den umweltfreundlichen Sprit. Das wird sich wohl sehr schnell ändern und die Schweiz könnte alsbald die Vorreiterrolle für die heute nachhaltigste Fortbewegungsart im Individual- und Schwerlastverkehr einnehmen.

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann, September 2018