«Glück darf kein Egotrip sein»

Glück hat viele Formen und Gesichter. Was kann man als einzelne Person zum globalen Glück beitragen und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit dabei? Die Ausstellung GLOBAL HAPPINESS, die noch bis Ende April in der Umwelt Arena gezeigt wird, geht genau diesen Fragen nach. Wir wollten von Nadja Buser, Verantwortliche der Ausstellung, wissen, wie man in diesen turbulenten Zeiten glücklich sein kann.

Zwei Hände halten eine leuchtende Weltkugel. Auf der Kugel steht «Good News auf dem Weg zu Global Happiness»
Die Ausstellung GLOBAL HAPPINESS in der Umwelt Arena Spreitenbach geht noch bis Ende April der Frage nach, wie Menschen auf der ganzen Welt Glück definieren. © Helvetas (Adrian Zwyssig)
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Die Schweiz zählt gemäss dem World Happiness Report zu den zehn Ländern mit der grössten Lebenszufriedenheit. Dass es uns in der Schweiz so gut geht, zieht aber auch Verantwortung mit sich. Denn unser individuelles Wohlbefinden beeinflusst das globale Glück, also jenes jeder einzelnen Person auf unserer Erde.

Doch wie kann ich als Einzelperson das globale Glück beeinflussen? Ein nachhaltiger Lebensstil kann schon viel dazu beitragen, verrät uns die Ethnologin Nadja Buser im Gespräch. Sie leitet die Ausstellung GLOBAL HAPPINESS, bei der die Besuchenden in der Umwelt Arena noch bis 30. April 2023 mehr über die Bedeutung von Glück auf der ganzen Welt erfahren können. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich mit dem eigenen Glück auseinandersetzen und unterschiedliche Definitionen von Glück kennenzulernen.

Zur Person:

Nadja Buser
© Helvetas (Andy Brunner)

Nadja Buser ist Ausstellungsverantwortliche bei Helvetas. Nach ihrem Studium der Ethnologie, Kunstgeschichte und nachhaltigen Entwicklung engagierte sie sich in Entwicklungsorganisationen in den Philippinen, Uganda und Kolumbien.

Ein Wasserkrug aus Guatemala und Tomatensamen von einem Schweizer visualisieren an der Ausstellung das Glück zweier Personen. Was ist Ihr persönliches Objekt zum Glück?

Das ist ein Ohrring aus Sawarak in Malaysia, den ich auf einer Reise bei den Orang Ulu gekauft habe. Er ist aus Messing gefertigt und wiegt schwer, weshalb ich den Ohrring gar nicht unbedingt tragen möchte. Mir gefällt besonders das grossartige Kunsthandwerk. Am Ende der Creole ist ein Kopf zu erkennen, der wie eine Mischung aus einem Vogel und kleinen Teufel aussieht, was mich an Fabelwesen erinnert. Die Creole symbolisiert viele Themen, die mir persönlich wichtig sind: Reisen, Kunsthandwerk und all die unterschiedlichen Menschen auf der ganzen Welt.

Definieren diese Themen für Sie persönlich Glück?

Für mich ist vieles Glück. Meinen Beruf mit den verschiedenen Facetten an Tätigkeiten auszuüben, macht mich glücklich. Aber auch, dass ich hier in der Schweiz in einem Land lebe, wo kein Krieg herrscht, ich nicht unter Armut leide und gesund bin. Das sind die äusseren Faktoren.

Persönlich bin ich glücklich, wenn ich Zeit für meine Hobbies habe. Ich male sehr gerne. Es ist nicht immer einfach, mir an arbeitsintensiven Tagen Zeit zu nehmen, aber jedes Mal zufriedenstellend, wenn ich es doch schaffe. In der Psychologie werden solche Situationen als Flow Moment bezeichnet. Das sind die Momente, in denen Menschen ihr Leben zufriedenstellend gestalten und etwas tun, wobei sie keine Anstrengung verspüren, wo alles fliessen kann. 

Leider können nicht alle ihr Leben so frei gestalten wie wir in der Schweiz. Können wir als Gesellschaft in der heutigen Zeit von Kriegen, Pandemien und der Klimakrise überhaupt glücklich sein?

Es entsteht schnell das Gefühl, dass wir machtlos gegenüber den grossen Krisen sind. Das sollte aber nicht dazu führen, dass wir resignieren oder im Unglück versinken. Wir müssen unsere Chancen erkennen und Herausforderungen annehmen. Wir können die Welt verändern, sie glücklicher machen, wenn jede einzelne Person etwas dafür unternimmt. 

Das persönliche Glück prägt also das globale?

Eher umgekehrt: Die kanadische Professorin für Bildungswissenschaften Catherine O’Brien hat sich intensiv mit der Bedeutung von globalem Glück auseinandergesetzt. Ihre Definition prägt auch unsere Ausstellung. Sie sagt, dass nachhaltiges Glück solches ist, das zu persönlicher, gemeinschaftlicher und globaler Zufriedenheit und Wohlbefinden beiträgt und nicht andere Menschen, die Umwelt oder kommende Generationen schädigt. Nimmt man die Definition von O’Brien ernst, hängt das individuelle Glück vom globalen ab.

In der Ausstellung geht es auch um Nachhaltigkeit – was hat diese mit dem globalen Glück zu tun?

Nehmen wir das Thema Klimawandel: Im Globalen Süden leiden die Menschen stark unter dessen extremen Folgen, aber die Möglichkeiten, um diesem zu begegnen, sind beschränkt. Die Hauptverursacher des Klimawandels sind aber die Industrieländer, zum Beispiel die Schweiz. Als Einzelpersonen in der Schweiz können wir also einiges bewirken. Indem wir unseren ökologischen Fussabdruck verkleinern, weniger Ressourcen verbrauchen und uns solidarisch zeigen. Wir müssen verstehen, dass wir voneinander abhängig sind. Die Welt wird nicht besser oder überlebensfähiger, wenn es den einen immer besser und den anderen immer schlechter geht, im Gegenteil.

Das erinnert mich an die Yin-Yang-Philosophie. Da heisst es: «Glück hängt von Unglück ab und Unglück ist im Glück verborgen».

Diese Yin-Yang-Philosophie steht im Kontrast zu unserem Streben nach immer mehr Glück: Ständig haben wir das Gefühl, dass es noch besser sein könnte und optimieren unser Leben immer weiter. Wir sollten uns diese Philosophie mehr zu Herzen nehmen, wenn wir ausgeglichener sein möchten. Natürlich will man das eigene Glück immer steigern. Doch dabei vergessen wir schnell, dass man nicht immer nach den Sternen greifen muss.

Ein schönes Fazit ...

Nicht nach den Sternen greifen heisst auch, den materiellen Besitz nicht überzubewerten. Studien aus der positiven Psychologie zeigen, dass ab einem mittleren Einkommen die Zufriedenheit mit mehr Geld nicht mehr steigt. Vielmehr wächst sie, wenn wir uns um gute soziale Beziehungen kümmern. Wenn wir also weniger Zeit ins Erstehen teurer Dinge wie Autos, Häuser, Elektronik, Kleider und Schmuck investieren, hätten wir mehr Zeit für das, was wirklich glücklich macht. Und würden so gleichzeitig unseren ökologischen Fussabdruck senken. Somit wären Glück und Nachhaltigkeit auch kein Gegensatz mehr.

Über GLOBAL HAPPINESS

Die Ausstellung GLOBAL HAPPINESS kann noch bis zum 30. April 2023 in der Umwelt Arena Schweiz in Spreitenbach ZH besucht werden. Sie wird von der unabhängigen Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas durchgeführt. Die Frage, die sich durch die ganze Ausstellung zieht, lautet: Wie könnte Glück aussehen, dass zum persönlichen sowie zum gemeinschaftlichen und globalen Wohlbefinden beiträgt? Was macht uns nachhaltig glücklich? 

Weitere Informationen zur Ausstellung: globalhappiness.ch

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