Fracking: Riskante Gasförderung bedroht Menschen und Natur

Mittels Fracking kann man Gas selbst aus tiefsten Gesteinsschichten fördern. Dafür sind jedoch Unmengen von Chemikalien und Wasser nötig. In den USA dennoch bereits normal, könnte diese Art der Gasförderung bald auch in die Schweiz kommen. Dabei birgt Fracking nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Menschen ein unermessliches Gefahrenpotenzial.

Fracking: Schweiz sieht diese Gasförderung kritisch. Fracking Pro und Contra
Hinter Fracking, eine Methode der Gasförderung, steckt grosses Gefahrenpotenzial. Foto: © cta88 / iStock / Thinkstockphotos
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In 32 US-Bundesstaaten ist das Fracking heute schon Alltag. Doch die Methode der Gas-, aber auch Ölförderung, wird oft kritisiert. Denn dabei wird mit etwa 1000 Bar Druck ein Chemikalien-Wasser-Sand-Gemisch in tiefe und tiefste Gesteinsschichten gepresst. Der Druck löst kleine, natürliche Erdgas- oder Öleinschlüsse, die so ihren Weg an die Erdoberfläche finden und von dort aus als Rohstoffe weiter verwendet werden können. Trotz zahlreicher Entwarnungen der fördernden Unternehmen, birgt dies immense Gefahren.

Riskante Gasförderung kann ganze Landstriche verseuchen

Benzole, Quecksilber und einige radioaktive Zutaten sind nötig, um in Kombination mit Wasser und Sand in tiefen Gesteinsschichten das vorhandene Gas oder Öl zu lösen. Welche immensen Auswirkungen die unkonventionelle Gasförderung auf Natur und Menschen in der Umgebung haben kann, zeigt die US-amerikanische Dokumentation «Gasland».

In ländlichen Gegenden nahe solcher Förderanlagen können etwa viele Familien das Grundwasser aus ihren selbst gebohrten Brunnen nicht mehr nutzen, da die Reservoires mit Chemikalien verseucht sind. Ihre gesamten Trinkwasservorräte müssen sie nun aus regelmässigen Wasserlieferungen per Tank beziehen. Etwa 1.000 Trinkwasserproben waren bei Untersuchungen von solchen Verseuchungen betroffen. Und viele Menschen wurden bereits krank durch verseuchtes Wasser, wie Gasland eindrücklich dokumentiert.

Die Dokumentation zeigt zudem, dass, neben Chemikalien, auch Gas in Trinkwasserreservoirs gelangt. In mehreren Szenen wird an einen laufenden Wasserhahn ein Feuerzeug gehalten. Aufgrund austretender Gase, die sich dank Fracking einen Weg ins Grundwasser verschafften, brennt es plötzlich aus der Wasserarmatur.

Pro und Contra von Fracking

Für Fracking, gerade in Ländern, die keine konventionellen Gasvorkommen haben, spricht die Tatsache, dass verbrauchsnah Gas gewonnen werden kann. In der Schweiz gehen die Wissenschaftler etwa davon aus, dass in Gesteinsschichten vorkommende Gasreserven das Land für 20 bis 50 Jahre vom ausländischen Gasmarkt unabhängig machen würden.

Ein weiteres Pro-Argument dafür, Fracking in der Schweiz einzuführen, ist die Gasförderung als Jobmotor. In den USA, die dank Fracking bald Gasproduzent Nummer eins weltweit sein werden, entstanden dank der Gasförderung alleine 600.000 Jobs.

Contra Fracking sind nicht nur die Grünen des Kantons Bern, die sich auf Ihrer Internetseite Stopp-Fracking.ch gegen die riskante Gasförderung einsetzen. Auch viele andere sind der Meinung, dass die Gefahren durch Fracking in der Schweiz immens wären und die ersten Explorationen möglicher Bohrgebiete gestoppt werden sollten. So warnen etwa Wissenschaftler schon lange davor, dass Grundwasserreservoirs und Böden viel zu gefährdet seien durch den massiven Chemikalieneinsatz.

Dem noch nicht genug, würde durch Fracking eine nicht unerhebliche Menge Wasser verbraucht, sowie CO2 und Methan freigesetzt. Schliesslich, so befürchten Forscher weiter, könnten durch die Tiefenbohrungen kleinere Erdbeben entstehen.

Die Gasförderung in der Schweiz

Gerade im Kanton Waadt scheinen die Schiefergasformationen vielversprechend. Dennoch beschloss der Kanton dem Fracking ein Moratorium zu erteilen. Ein schweizweites Verbot von Fracking ist nicht möglich, da der Abbau von Rohstoffen kantonalen Bestimmungen unterliegt.

Bereits Ende 2012 sprach sich der Wissenschaftler Bernhard Piller in einem Interview mit der TV-Sendung «Einstein» gegen die Gasförderung aus. Als Alternative fordert er vielmehr, dass die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden. Der Experte sieht insbesondere in der Windkraft ein hohes Potenzial für die Schweiz.

 

Trailer des Films Gasland über Fracking, oder auch «Hydraulic Fracturing»

 

Quellen: SRF, Tagesanzeiger.ch, Stopp-Fracking.ch, Gasland, Blick.ch

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann

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