Schon früh von der Natur lernen in Waldkindergarten und -schule

Draussen können Kinder nicht nur frei herumtoben, sondern auch Vieles entdecken und erforschen. Aber auch weitere Vorteile machen sich Waldkindergarten oder auch Waldschule zu Nutzen. Warum es sich lohnt, den Nachwuchs im Freien unterrichten zu lassen.

Waldkindergarten und Waldschule: Schon früh von der Natur lernen
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Es ist noch gar nicht so lange her, da sprangen nahezu alle Kinder bei Wind und Wetter ständig in der Natur umher. Jede Minute draussen verbringen und im Freien Spass haben, war das grösste Abenteuer überhaupt.

Heute fängt das viele Sitzen oft bereits sehr früh an, schon alleine durch einen immer eheren Zugang zu Tablet, Smartphone oder Computer. Die freie Natur sehen, fühlen, riechen oder schmecken und sich draussen so richtig austoben wird spätestens mit Beginn der Krippe oder des Kindergartens immer weniger.

Ganz anders als auf Stühlen und an Tischen verläuft dagegen der Alltag im Waldkindsgi oder der Waldschule. Es gibt zwar so einige Pädagogen, die nicht allzu viel vom Unterricht im Freien halten. Doch eine Studie zeigt, dass das Klassenzimmer Wald den Kindern offenbar gut bekommt.

Warum der Waldkindergarten die Entwicklung fördert

Viel Bewegung fördert die Konzentrationsfähigkeit und das Lernvermögen, was die Kinder im Unterricht unter freiem Himmel bestens nutzen können. Zudem werden neben den klassischen Lernzielen für die jeweilige Altersgruppe, die auch Waldkindergarten und -schule erreichen müssen, zahlreiche Projekte mit den Kleinen umgesetzt. Da erforschen sie mal die Lebensweise der Ameisen direkt an einem Ameisenhaufen, bauen ein Sofa aus Holzresten oder üben das Bestimmen von Tieren am lebenden Insekt.

Ganz ohne Klassenzimmer kommt gerade die Waldschule meist trotzdem nicht aus. Hin und wieder zum Lernen, oder auch für Tests, wechseln die Kinder von der Natur in Räumlichkeiten, wie etwa in der Waldschule Baden. Mehr zu diesem Beispiel auf unserer Parnterseite familienleben.ch: «Waldschule: Lernen zwischen Bäumen und Sträuchern»

Der Unterricht überwiegend in freier Natur scheint unter anderem von Vorteil für die kreative Entwicklung zu sein. Eine Untersuchung des 1998 gegründeten, ersten Waldkindergartens der Schweiz, ergab: «In der wissenschaftlichen Evaluation des Brüttener Waldkindergartens zeigte sich, dass WalkindergärtlerInnen am Ende ihrer Kindergartenzeit kreativer sind als RegelkindergärtlerInnen», so Raimondo Lettieri, Schulpsychologe und Verfasser der Untersuchung. Das muss zwar nicht auf alle Waldkindergärten zutreffen, liegt anhand der Anforderungen an die Kinder im Natur-Klassenzimmer aber durchaus nahe.

Und wie gut sind die Kleinen danach in der Schule?

Raus aus der Natur, rein in die Primarklasse. Die Studie in Brütten wollte auch wissen, wie die Naturkinder anschliessend mit einem geregelten Schulalltag zurechtkommen. Das Ergebnis: In der 2. Primarklasse lagen alle Kinder im normalen Durchschnitt, in der 3. Klasse dagegen waren die Waldkinder ein wenig besser als ihre Mitschüler.

Weiterhin ergab die Untersuchung, dass die Kinder, die ständig an der frischen Luft waren, eine bessere Motorik aufwiesen. Auch beim Kreativitätstest schnitten die Waldschüler besser ab. Zwar sind die Ergebnisse aus Brütten kaum repräsentativ, sie zeigen jedoch, dass Waldkindergarten und -schule den Kleinen anscheinend zumindest nicht schaden. Dafür haben die Kleinen in der Zeit vor der 2. Primarklasse jede Menge Spass in ihrem Natur-Klassenzimmer und lernen nebenbei die Umwelt zu nutzen wie auch wertzuschätzen.

Waldschulen in der Schweiz werden immer zahlreicher

Bei den Waldschulen gibt es verschiedene Konzepte. So wird im Naturspielwald in Wettingen in den ersten beiden Schuljahren das Walderlebnis mit Unterrichtseinheiten kombiniert. Hiernach geht es in die üblichen Primarklassen, welche die Schüler in der Regel gut meistern, wie die Aargauer Zeitung im Jahr 2012 berichtete.

Vergleichbares bietet die «Waldschule 4 - 8» in Baldegg bei Baden, die von 4- bis 8-jährigen Kindern mit Begeisterung besucht wird. Hier werden zusätzlich die Eltern in das Konzept mit eingebunden. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen und regelmässig werden Mütter wie Väter als Begleitung im Bus abgestellt.

Nur an bestimmten Tagen, aber dennoch regelmässig, geht es in vielen Einrichtungen in Zürich in die Wald- oder Naturschule. Sie ergänzen hier ein ganzheitliches Bildungskonzept. Ähnliches macht die Waldschule Regio Basel, in der es ebenfalls und unter verschiedenen Motti heisst «raus in den Wald und die Natur erleben».

Quellen: raimondolettieri.ch, waldkindergarten.ch, woleg.ch, Naturspielwald.ch, stadt-zuerich.ch, waldschulebasel.ch, kiggs.de, bundesregierung.de

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann