Hitzewelle: Wird die Schweiz künftig noch viel öfter schwitzen?

Der vergangene Juli war der heissteste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und auch im August mussten wir ordentlich schwitzen. Doch ist der Klimawandel daran Schuld und müssen wir uns darauf jetzt jedes Jahr einstellen? So ordnen Experten die Hitzwelle ein.

Ist die letzte Hitzewelle in der Schweiz ein Zeichen für den Klimawandel?
Foto: © Monkey Business Images / Thinkstock
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Der Juli 2015 war auf der Alpensüdseite, im Wallis, dem Engadin und der Westschweiz der heisseste Monat seit Messbeginn im Jahr 1864. In den übrigen Gebieten der Schweiz war die Juli-Hitzewelle immerhin noch einer der drei heissesten Monate seit der ersten Wetteraufzeichnung. Bis zu vier Grad lagen in diesem Rekordmonat die Temperaturen über dem Durchschnitt.

Aber hängt diese Hitzewelle mit dem gefürchteten Klimawandel zusammen? Die Klimaforschung der ETH Zürich jedenfalls geht anhand ihrer gesammelten und ausgewerteten Daten derzeit genau davon aus.

Schweizer Klimaforscher: Hitzewellen werden häufiger auftreten

Genau vor solchen Klimaveränderungen, die sich unter anderem anhand von Hitzewellen zeigen können, warnen Spezialisten seit Jahren, so wie Forscher Christoph Schär von der ETH-Klimaforschungsabteilung. Im Tagesanzeiger-Interview prognostiziert der Fachmann zudem eine wachsende Zahl solcher Hitzewellen. Diese könnten trotz voranschreitendem Klimawandel aber auch mal von einem eher ungemütlichen und sehr regnerischen Sommer unterbrochen werden. Extreme Niederschläge liessen sich jedoch auch durch die Erderwärmung erklären, da aufgeheizte Luft wesentlich mehr Wasser speichere und sich diese in sintflutartigen Regenfällen entlädt.

Nahezu identische Ergebnisse wurden bereits 2014 in einem Forschungsbericht von Wissenschaftlern aus 15 Schweizer Forschungsinstitutionen veröffentlicht. In dem Klimabericht «CH2014-Impacts» gehen die Forscher davon aus, dass sich bis 2085 die Sommertage – Tage an denen es mindestens 25 Grad hat – verdoppeln, wie auch die Tropennächte. Das sind jene Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken. Im Tessin und Genferseebecken könnte sich deren Zahl sogar verdreifachen, wodurch es hier bis zu 50 Tropennächte pro Jahr geben könnte.

Hitzewellen in der Schweiz treffen vor allem Städte

Städte heizen sich viel schneller auf als ländliche Gegenden. Kahle Dächer, geteerte, betonierte und gepflasterte Flächen begünstigen das Aufheizen. Unzureichend vorhandene Grünflächen, welche durch die Verdunstung von Wasser die Luft abkühlen lassen, erhöhen den Effekt. Fachpersonen sprechen bei der gesteigerten Hitze in Städten vom «Wärmeinseleffekt», der sich in Zukunft sogar noch verstärken soll.

Als Nebeneffekt der häufigeren Hitze wird uns die Luftverschmutzung in den Städten mehr belasten. Insbesondere der Ozongehalt wird, neben den hohen Temperaturen, das urbane Leben erschweren.

Städte müssen sich auf die Wärme besser einstellen

Durch gut isolierte Häuser sind wir in der Schweiz bestens für kalte Winter gerüstet. Doch, erklärt Chrtistoph Schär im Interview mit dem Tagesanzeiger, die zukünftig steigenden Sommertemperaturen habe man hierbei etwas vergessen. Für die Zukunft müssen Gebäude bessere Belüftungen haben, sollte sommerlicher Hitzeschutz ein Thema sein und Grünflächen – auch am Haus – eher grösser, denn kleiner ausfallen. Zudem müssen sich Städte für die steigende Niederschlagsmenge rüsten. Jahrzehntealte Kanalisationen oder einbetonierte Bachläufe seien hierfür denkbar schlecht geeignet.

Auch die Reduktion der Treibhausgase sollte vor allem in Städten vorangetrieben werden. Denn sie sorgen zusätzlich für dicke Luft, worunter das Ozon besonders gesundheitsschädlich ist.

Was man selbst zur Anpassung an Hitzewellen tun kann

Der Klimawandel und zukünftige Hitzewellen sind nicht nur für alte Menschen und Kranke ein Problem. Auch jüngere und ansonsten fitte Menschen werden unter den Folgen der hohen Temperaturen leiden. Insbesondere wenn eine hohe Luftfeuchtigkeit – gerade in Städten wird dies der Fall sein – hinzukommt, dann werden die hohen Temperaturen zur allseitigen Belastung. Tipps des Bundesamts für Gesundheit, um der Hitzewelle zu begegnen:

  • Lüften in der Nacht oder früh morgens, sonst die Fenster geschlossen halten und, wenn möglich, Räume etwa mit Rollläden verdunkeln, auch in Büros.
  • Körperliche Anstrengungen – Arbeit im Freien oder Sport – idealer Weise auf früh morgens verlagern und mittägliche Hitze meiden. Zudem für ausreichend Sonnenschutz (Kopfbedeckung, lange Kleidung, Sonnencreme) sorgen.
  • Viel trinken, auch bevor der Durst kommt und bei etwaigen Beschwerden rechtzeitig reagieren, aus der Sonne gehen und im Zweifelsfall einen Arzt aufsuchen.
  • Öfter mal Erholungspausen einlegen.

Insbesondere das Arbeiten im Freien und schwere körperliche Tätigkeiten könnten sich bei den kommenden Hitzewellen ändern. Das Bundesamt für Gesundheit legt hier heute bereits nahe, dass Arbeitszeiten im Rahmen des Arbeitsgesetzes dann auch zu ändern.

Quellen: ethlife.ethz.ch, Tagesanzeiger.ch, meteoschweiz.admin.ch, srf.ch

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann

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