Béla Bartha: «Jeder sollte einen persönlichen Ressourcenplaner haben!»

Im Interview mit nachhaltigleben.ch spricht Béla Bartha, Geschäftsführer von ProSpecieRara, über neue nachhaltige Lebensentwürfe und darüber, wie uns ein persönlicher Ressourcenplaner helfen kann, nachhaltiger zu leben.

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Béla Bartha ist Geschäftsführer der Stiftung ProSpecieRara, Foto: privat.
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Béla Bartha arbeitet seit 1995 bei ProSpecieRara und leitet seit nunmehr 10 Jahren die Geschäfte der Stiftung, welche sich für die Erhaltung alter Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen einsetzt. Mit ihren Tierprojekten sorgt sie beispielsweise dafür, dass die Graue Bergziege nicht ausstirbt und der Zuchttierbestand weiter ausgebaut wird. Bei den Pflanzenprojekten geht es zum Beispiel darum, alte, fast vergessene Kartoffelsorten zu erhalten und zu fördern. ProSpecieRara erhält und vermittelt das Wissen über die alten Sorten und bietet Interessierten zugleich den Zugang zu Saatgut und Zuchttieren an. Zudem setzt sich die Stiftung dafür ein, dass seltene Sorten im Detailhandel zu kaufen sind.

Doch nicht nur beruflich, auch privat fördert Béla Bartha die Biodiversität und Nachhaltigkeit in der Schweiz. So baut der Biologe im eigenen Gemüsegarten gleichfalls alte heimische Obst- und Gemüsesorten an. Und dies nicht uneigennützig, denn die fast vergessenen Frucht- und Gemüsesorten sind eine Bereicherung auf dem Teller der Familie Bartha.

Herr Bartha, wer ist Ihr ökologisches Vorbild? Und was zeichnet dieses Vorbild für Sie aus?

Als Biologe muss ich Ihnen natürlich antworten: die Natur selbst! Ressourcen werden optimal genützt, es gibt keine Abfälle, Synergien und Formen von Kooperation finden sich an allen denkbaren Orten und auf allen Systemebenen.

Für mich ist der Begriff «nachhaltig» eher vorsichtig zu verwenden, da er heute meist im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Nutzung natürlicher, oft endlicher Ressourcen verwendet und damit von einem stark konsumorientierten Weltbild vereinnahmt wird. Wie beispielsweise kann man mit offensichtlich endlichen Ressourcen wie Öl oder Gas nachhaltig umgehen? Früher oder später ist Schluss damit. Aussagen wie «das Wasser gehört allen» oder «genetische Vielfalt ist Allgemeingut und damit eine Open Source», gelten als weltfremd, weil sie sich von der modernen Denkweise entfernt haben. Soziologische Fragen, wie etwa die Frage nach neuen, nachhaltigen Formen der Lebensgestaltung werden kaum mehr diskutiert. Gibt es neben dem stark ressourcenverbrauchenden Lebensentwurf, in dem die Befriedigung des Individuums durch maximalen Konsum versprochen wird, andere gesellschaftliche Lebensentwürfe? Wir müssen den Mut haben, Konzepte aufzugreifen und neu zu denken, in denen die ressourcenschonende Zusammenarbeit im Vordergrund steht. Ich finde den Begriff «Nachhaltigkeit» an und für sich nicht falsch, es braucht aber eine Neuausrichtung und eine Emanzipation dieses Begriffes von den scheinbaren ökonomischen Zwängen und den herrschenden Vorgaben.

Wie stark hat die in den letzten Jahren zunehmende Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit Ihr Leben verändert?

Ich habe mein Studium der Biologie in den 80er Jahren begonnen. Ökologie war damals das zentrale Thema. Auch die Chemiekatastrophe Schweizerhalle war für mich ein prägendes Ereignis, das mein kritisches Denken und meine Sensibilität für den umsichtigen Umgang mit der Umwelt geprägt hat. Bei ProSpecieRara habe ich das Glück, meine Berufung zu meinem Beruf machen zu können. Insofern hat die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit mein Leben nicht verändert, sondern geprägt.

Was motiviert Sie, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Wenn wir heute eine Sortensammlung mit hundert Hochstamm-Apfelbäumen errichten, dann ist dies nur sinnvoll, wenn diese Bäume in hundert Jahren immer noch dort stehen. Wenn ich einen Garten mit schönen Bäumen plane, dann kann es sehr wohl sein, dass ich den Garten niemals in seiner vollen Pracht erleben werde. Dies trotzdem zu tun und daran zu denken, wie das wohl in hundert Jahren aussehen wird, das fasziniert mich, gerade weil es so gar nicht zu unserem Zeitgeist passt.

Wie verhält sich Ihre Familie, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Gibt es diesbezüglich Diskussionen am Familientisch?

Für unsere Söhne ist es immer wieder schwierig, daran zu denken, die Haustüren im Winter zu schliessen, das Licht vor dem Verlassen eines Zimmers zu löschen oder die Stereoanlage nach Gebrauch abzudrehen, aber wir bleiben dran. Doch es gibt viele Vorfälle, die die Kinder berühren und zu Diskussionen am Familientisch führen, sei es die Katastrophe von Fukushima oder die Ölpest im Golf von Mexiko. Die Kinder reagieren emotional - es ist oft nicht einfach, die Probleme altersgerecht darzustellen, ohne die Kinder zu überfordern oder ihnen Angst einzujagen. .

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen Sie diese trotzdem?

Ich selbst reise sehr viel und komme dabei nur schwer um das Flugzeug herum. Daher fällt meine persönliche Ökobilanz sicher katastrophal aus. Bei allen Kommunikationsmitteln, die heute zur Verfügung stehen und durch die sich viele Reisen einsparen liessen, ist es mir doch ein grosses Bedürfnis, andere Länder, Sitten und vor allem Menschen persönlich zu treffen. Ein Dilemma – Lösung dafür habe ich keine.

Angenommen, eine nachhaltigere Gesellschaft wäre nur mit persönlichem Verzicht machbar. Auf was würden Sie verzichten?

Ich denke, dass ich wirklich auf einen Teil der Mobilität verzichten müsste. Konkret: Verzicht auf das eigene Auto, weniger Reisen und nur einmal pro Woche Fleisch essen.

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