Wie sehr schadet uns Mikroplastik und wo steckt es überall drin?

Mikroplastik wird Kosmetik zugegeben oder entsteht durch Plastikmüll im Meer. Durch seine starke Verbreitung ist es bereits sogar in unserem Trinkwasser nachweisbar. Aber wie gefährlich ist das?

Mikroplastik: Wie schädlich es ist und wo es überall drin steckt
Foto: © Malgorzata Biernikiewicz / iStock / Thinkstock

Mikroplastik dient als Putzkörperchern in Zahnpasta oder verschafft Cremes den Peeling-Effekt. Aber ebenso in vielen Pflegelotions, Duschgels, Shampoos, Fusspflegeprodukten und sogar in Make-up – vom Puder bis zum Lipgloss – ist Mikroplastik enthalten. Und auch ein herkömmlicher Fleecepullover sondert mit jedem Waschgang mikroskopisch kleine Fasern ab, welches, wie die anderen genannten auch, als primäres Mikroplastik bezeichnet wird.

Hinzu kommt so genanntes sekundäres Mikroplastik, welches durch Plastikabfälle wie Plastiktüten, Fischernetze oder Kunststoffpellets entsteht. Hierbei werden die Plastikprodukte im Meer immer kleiner gerieben, bis die einzelnen Partikel nur noch mikroskopisch gross sind. Die britische Walschutzorganisation WDCS hat errechnet, dass in Teilen der Nordsee  mehr Mikroplastik zu finden ist als Plankton, die Hauptnahrung vieler Meeresbewohner.

Wie sich das Mikroplastik immer weiter verbreitet

Der deutsche Fernsehsender NDR hat in einem Test nachgewiesen, dass Zahnpasten bis zu zehn Prozent Mikroplastik enthalten, ein Peeling-Duschbad fünf und eine Peelingcreme immerhin noch 1,6 Prozent. Und schliesslich sondert ein Fleecepulli bis zu 2.000 winzige Plastikfasern pro Waschgang ab.

Dieses ganze Mikroplastik aus all den Alltagsprodukten landet meist in unserem Abwasser. Da es so klein ist, werden die meisten dieser Partikel nicht in den Klärwerken herausgefiltert. Dadurch landen sie im allgemeinen Wasserkreislauf, sowie in Flüssen, Seen und auch Meeren.

Forscher der Uni Wien haben durch Zufall in der Donau eine sehr hoch konzentrierte Plastikmenge gemessen. Laut der Untersuchungen werden jeden Tag vier Tonnen Plastik von dem Fluss ins Schwarze Meer gespült. Laut der Forscher hiesse dies, dass heute schon anteilsmässig mehr Mikroplastik als Fischlarven in der Donau schwimmen. Und es sei nicht auszuschliessen, dass dort noch weitaus mehr Plastik sei als gefunden wurde. Denn die Forscher hatten zwar Netze mit kleinsten Maschen. Durch diese könne jedoch sehr wahrscheinlich noch kleineres Nanoplastik hindurch schwimmen.

Auch im Mittelmeer und den grossen Ozeanen dieser Welt wurden bereits hohe Mikroplastik-Konzentrationen gefunden. Forscher schätzen, dass jährlich über sechs Millionen Tonnen Müll in unseren Meeren landet. Davon seien etwa 75 Prozent Plastikmüll, welcher 500 und mehr Jahre brauche, bis er sich komplett auflöse. Vorher aber wird dieser zu Mikroplastik, welches in die Nahrungskette gelangen kann.

Mikroplastik im Honig, Trinkwasser, Bier und wo noch?

Der NDR hat weiterhin festgestellt, dass Honig, Trinkwasser und auch Bier bereits nacheisbare Spuren von Mikroplastik enthalten. Über den Wasserkreislauf käme Mikroplastik ins Trinkwasser, welches als Mineralwasser abgefüllt oder für den Brauvorgang von Bier verwendet würde. Bis zu 70 Mikroplastik-Teilchen wurden in dem Labortest pro Flasche Bier nachgewiesen. Durch den Nachweis in Trinkwasser kann es zudem theoretisch überall in Nahrungsmitteln enthalten sein, die aus Wasser bestehen oder mit ihm in Berührung kommen.

Dass es auch in den Honig gelangt, sei durch das Aufwirbeln der kleinsten Plastikteile in die Luft möglich. Ein Vorgang, der übrigens begründen würde, warum auch schon in Regenwasser Mikroplastik nachgewiesen werden konnte.

Auswirkungen von Mikroplastik sind bisher kaum erforscht

Es gibt noch keine aussagekräftigen Studien zu den Folgen von Mikroplastik für den Menschen. Allerdings wurde mit Muscheln getestet, eines von vielen Lebewesen, das Wasser auf der Suche nach Nahrung durchfiltert. Das Ergebnis war, dass die Muscheln Nanoplastik-Partikel im Gewebe ansetzen, was auf Dauer heftige entzündliche Prozesse auslöst. Und zwar geschieht das, wenn Mikroplastik sich so weit verkleinert, dass es zellgängig wird und sich dadurch im Körper ablagern kann. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich auf ähnliche Weise auch im menschlichen Körper ansammeln und zu Entzündungen führen könnte.

Die Initiative Saubere Meere warnt zudem davor, dass Mikroplastik aufgrund seiner Oberflächenstruktur hochgiftige Stoffe wie DDT und PCB ablagern können. Werden die verseuchten Teile dann von Meerestieren gefressen, können diese Gifte ebenfalls auf unseren Tellern landen.

Mehr zum Thema Mikroplastik

Mehr zum Thema Zahnpasta, den möglichen Folgen von Nanoplastik und dem Muschelversuch, in unserem Beitrag «Zahnpasta im Test: Manche enthalten sogar Erdöl».

Der deutsche Naturschutzbund BUND hat in einem PDF all jene Produkte aufgelistet, die wegen Mikroplastik erst kürzlich aus dem Handel genommen wurden und teils noch immer erhältlich sind. Zum Mikroplastik-Produktverzeichnis.

Einige Vorreiter schränken den Einsatz zudem bereits ein, wie der folgende Beitrag zeigt. «Gefährliche Plastikkugeln: New York will Peelings verbieten»

Quellen: Kurier.at, NDR.de, saubere-meere.de, bund.net, Text: JayRB