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Bio-Fleisch hat immer Saison - doch stösst es noch auf wenig Verbraucherinteresse. Oft entscheidet der Preis über den Kauf. Wer Bio-Rind, Bio-Geflügel und Bio-Schwein kauft, ermöglicht eine artgerechte Tierhaltung - und sich ein qualitativ hochwertiges und gesundes Stück Öko-Fleisch.
Bio-Fleisch garantiert eine artgerechte Tierhaltung und ist zudem von hoher Qualität und gesund. Foto: © Printemps - Fotolia.com
Swiss Made statt Bio: Beim Einkauf achten Schweizer Verbraucher mehr auf die Herkunft des Fleisches statt auf das Biolabel. Laut dem Ernährungspanel Schweiz kaufen nur 28 Prozent der Befragten Biofleisch ein. Das überrascht, denn zwei Dritteln liegt artgerechte Tierhaltung am Herzen, so eine Isopublic-Umfrage. Doch das spiegelt sich noch nicht auf Schweizer Tellern wider. Obwohl der Pro-Kopf-Fleischkonsum auf 53,6 Kilogramm stieg, pendelte sich der Marktanteil von Bio-Fleisch bei unter zwei Prozent ein – Tendenz nur langsam steigend.
Massentierhaltung ist in der Schweiz weitgehend unbekannt. In einer Umfrage des Schweizer Tierschutzbund STS zeigt sich, dass Nutztierarten hierzulande tierfreundlich gehalten werden – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern. Dennoch erlaubt das Tierschutzgesetz, dass man Mastschweine auf Spaltenböden hält. Trotz dieser Lücken ermöglichen Mindestnormen und Förderprogramme wie RAUS und BTS einem Großteil der Tiere regelmässigen Auslauf. Artgerechte Tierhaltung gibt es meist nur auf Bio-Höfen, die u.a. ausreichend Platz im Stall und Tageslicht bieten. Doch wächst lediglich ein Prozent der Schweine in Bio-Haltung auf, sechs Prozent des Geflügels pickt Bio-Futter und neun Prozent der Rinder grasen auf Öko-Weiden.
Zu grosse Herden verursachen unnötigen Stress. Deshalb erlauben Knospe-Richlinien für Bio-Poulet eine maximale Herdengrösse von 500 Tieren. In Schweizer Masthühnerhaltung leben hingegen durchschnittlich 6000 Hühner pro Betrieb, in Österreich 20.000 und in Deutschland sogar 50.000. Das senkt den Preis pro Ei, doch kann es dadurch zu Überdüngung, Verschlämmung und Verwurmungsgefahr kommen. Deshalb begrenzt Bio Suisse die Tierhaltung mit der Vorgabe, die Hälfte der erzeugten Gülle auf dem eigenen Hof als Dünger einzusetzen. Das führt dazu, dass durchschnittlich nur etwa 35 bis 40 Bio-Schweine in einem Knospe-Betrieb leben.
Das Fleisch von freilaufenden Tieren schmeckt besser und ist frei von schädlichen Zusatzstoffen aus dem Futter. © Jan Schuler - Fotolia.com
Um Öko-Fleisch produzieren zu dürfen, muss das Futter überwiegend im eigenen Betrieb angebaut werden. Dessen Zukauf ist von Bio Suisse weit strenger geregelt als es die Schweizer Bioverordnung vorgibt. So müssen Wiederkäuer mindestens 90 Prozent Raufutter zu sich nehmen, Geflügel und Schweine 95 Prozent. Nur für diese beiden Tierarten gilt eine Ausnahmeregel, weil man fünf Prozent nichtbiologisches Kraftfutter einsetzen darf. In allen Fällen sind jedoch Tiermehl, Hormone, gentechnisch verändertes Futter und synthetische Zusätze verboten. Das schützt nicht nur das Tierwohl, sondern auch die Qualität des Bio-Fleisches.
Schweizer essen sehr gerne Rind, obwohl es als Klimakiller Nummer eins gilt. Professor Bernhard Lehmann stellte deshalb ein Konzept für klimaneutrale Weiderinder vor. Die Lösung ist, dass man CO2-Emmisionen im landwirtschaftlichen Betrieb kompensiert. Für jedes Rind wird eine entsprechende Menge an schnell wachsenden Bäumen angepflanzt. Die Bäume speichern jahrelang Kohlendioxid und können nach dem Abholzen als Energie- oder Bauholz verwendet werden. Trotz CO2-Ausstoss gilt das Bio Weide-Beef bereits heute als eine Spezialität. Das Öko-Fleisch bekommt einen speziellen Geschmack, weil die Rinder die meiste Zeit auf der Weide verbringen.
Am besten ist es, das Bio-Fleisch direkt vom Bauern zu kaufen - so sparen Sie Geld und unterstützen regionale Produzenten. Foto: © Kzenon - Fotolia.com
KAGfreiland verglich EU- und heimische Biorichtlinien miteinander: Die Schweizer Bestimmungen sind tierfreundlicher. Hierzulande sind Käfigbatterien, Kastration ohne Betäubung, ganztägige Tiertransporte, vorbeugende Einsatz von Antibiotika und Massentierhaltungen nicht erlaubt. Traditionell steht die Schweiz für eine bäuerliche Bewirtschaftung. In Europa steigt hingegen die Zahl der Tierfabriken. Dieses Fleisch gelangt durch vermehrte Importe auf Schweizer Tellern. Jedoch schneidet das europäische Biosiegel im Vergleich mit Produkten aus konventioneller Schweizer Herstellung besser ab.
Die ETH untersuchte Schweizer Rindfleisch und kam zu dem Schluss, dass es sehr gesund ist. Aus der Weidehaltung entsteht ein Bio-Weide-Beef, das mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren aufweist, so die Lebensmittelforscher. Sie sind lebensnotwendig, können aber nicht vom menschlichen Körper produziert werden. Die Rinder nehmen die Fettsäuren über das Gras auf, weshalb ihr Bio-Fleisch einen höheren Nährwert als das vom Rind aus der Stallhaltung aufweist.
Seit vielen Generationen wird der Lindenhof als Familienbetrieb bewirtschaftet. Bereits in den achtziger Jahren stellten sie auf Bio um. Heute leben auf den Wiesen der Familie Grieder etwa 70 Rinder, Kühe, Kälber und Freilandschweine unter tierfreundlichen Bedingungen. Nachdem Martin Grieder den Hof übernahm, musste er sich erst in das Thema Bio einarbeiten. Inzwischen ist es zehn Jahre her und der Biobauer erklärt: «Wir halten den Betrieb einfach und setzen auf Weidehaltung, sprich Grünlandnutzung mit einer Tierrasse für das Rindvieh. Deshalb kommen wir automatisch ohne synthetisch hergestellte Hilfsstoffe aus. Damit funktioniert es ganz gut. Ansonsten sind die Schweizer Bio-Richtlinien schon sehr streng und mit viel Aufwand umzusetzen.» Das produzierte Biofleisch verkauft die Familie direkt im Hofladen. So können sie auf lange Transportwege und Zwischenhändler verzichten und bieten das Bio-Fleisch rund zehn Prozent günstiger als der Grossverteiler an. So kostet ein Kilo vom Weiderind-Geschnetzelten 35 Franken. Im Gegensatz zu Standard-Bio anderer Bauern findet ihr Bio-Weide-Beef grossen Absatz, da es daran zurzeit auf dem Schweizer Fleischmarkt mangelt. Das gesamte Angebot und die Kontaktdaten finden Interessierte auf der Webseite des Lindenhofs.
Der Dachverband des Schweizer Biolandbaus erhebt keine Preisvergleiche von konventionellen und Öko-Fleisch bzw. zwischen verschiedenen Bio-Labels. Aufgrund regelmässiger Storechecks ist bekannt, dass die Unterschiede eng mit dem jeweiligen Produkt zusammenhängen und somit unterschiedlich hoch ausfallen. Bei Wurstwaren sind die Preisdifferenzen größer. So kosten Bio-Cervelats fast doppelt so viel. Nur etwa zehn Prozent teurer ist das Bio-Rind-Entrecôte. Für viele Verbraucher sind diese Preise zu hoch, wie der LID (Landwirtschaftlicher Informationsdienst) nach Angaben von der Migros-Medienstelle berichtet. Die Supermarktkette bietet denn auch nur in wenigen Filialen Biofleisch an, weil die Nachfrage bisher gering ist. Dennoch sind Supermärkte führend im Angebot von Ökoprodukten und Biofleisch aus artgerechter Tierhaltung. Empfehlenswert sind auch die wenigen Biometzgereien. Wer einen Biohof in der Nähe hat, sollte dort sein Öko-Fleisch kaufen, dadurch regionale Produzenten unterstützen und dabei meist noch sparen. Dazu ergänzt Doktor Hansuli Huber vom Schweizer Tierschutzbund STS: «Bio- und Labelprodukte müssen für jedermann erschwinglich sein, nur so kann eine flächendeckend tierfreundliche und naturnahe Landwirtschaft entstehen. Ein Bauer muss von der (guten) Tierhaltung leben können und Konsumenten können nicht unbeschränkt Geld für Lebensmittel ausgeben.»
Text: Kerstin Borowiak, Quellen: Bio Suisse, KAGfreiland, STS, LID, ETHZ, FIBL, Wikipedia, Bundesamt für Statistik, Bio aktuell, Schweizer Fleisch, SF

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