COP21: «Die Schweiz sollte ein Vorbild sein statt zu taktieren»

Vor wenigen Tagen hat der UN-Klimagipfel begonnen. Nationalrat der Grünen (ZH) Bastien Girod sprach mit nachhaltigleben.ch darüber, warum ein Scheitern der Konferenz ihn überraschen würde und wie die Schweiz dabei ihre Chance als Vorreiter im Klimaschutz verspielt.

Klimakonferenz Paris: Bastien Girod im Interview zu den Aussichten
Foto: ZvG von Bastien Girod

Herr Girod, der französische Präsident François Hollande hat in seiner Eröffnungsrede zur Klimakonferenz gesagt: «Es geht darum hier in Paris über die Zukunft des Planeten zu entscheiden.» Ist die Situation wirklich so dramatisch?

Ja, es geht darum eine gefährliche Klimaveränderung zu verhindern. Zwar ist nicht der ganze Planet bedroht, jedoch die Existenzgrundlage von hunderten Millionen von Menschen. Dazu sollten eine Erwärmung über 2 Grad verhindert und die Treibhausgase drastisch gesenkt werden.

Die vorab von 180 Nationen eingereichten Klimaziele reichen laut CAT, einem Zusammenschluss aus vier Klimaforschungsinstituten, jedoch nur für eine Begrenzung auf 2,7 Grad. Warum wäre das nicht auch genug?

Das ist immer noch deutlich über dem 2-Grad-Ziel und bereits das ist am oberen Limit. Es gibt Wissenschaftler, die sagen, dass eine globale Erwärmung über 1,5 Grad schon zu gefährlichen Auswirkungen führen könne. Die Klimaziele der verschiedenen Nationen sollten denn auch noch nachgebessert werden.

Mit welchen Konsequenzen für das Klima wäre zu rechnen, wenn die Verhandlungen doch noch scheitern?

Das Ganze ist natürlich eine Frage der Wahrscheinlichkeit und Intensität der negativen Auswirkungen. Mit welcher Wahrscheinlichkeit will man gefährliche Auswirkungen wie Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen oder gar unumkehrbare Zerstörungen von Ökosystemen wie Korallenriffen hinnehmen. Je höher die mittlere Erwärmung, desto grösser werden die Schäden durch die Erwärmung sein.

Wie wird Ihrer Einschätzung nach das Resultat der Klimakonferenz ausfallen?

Die Konferenz ist gut aufgegleist. Ein Scheitern wäre deshalb eine Überraschung. Die Frage ist, wie verbindlich die einzelnen Massnahmen sein werden und ob es gelingt, eine Grundlage für eine positive Dynamik zu schaffen, so dass die erwähnte Nachbesserung der nationalen Klimaziele ermöglicht wird.

Welche Rolle spielt die Schweiz bei den Pariser Verhandlungen?

Sie versucht zu taktieren, doch das machen schon die Grossmächte. Die Schweiz ist so klein und könnte deshalb als Vorbild mehr Einfluss ausüben. Beispielsweise werden die Klimaziele für 2020 nicht erhöht, um danach einen grösseren Spielraum zu haben. Die anvisierte Kompensation der CO2-Emissionen im Ausland entspricht zudem nicht den internationalen Forderungen nach konkreten inländischen Massnahmen.

Weiterhin finde ich es falsch, die geplante Finanzierung des Beitrags an den internationalen Klimaschutz über die Entwicklungshilfe zu regeln, was die Kooperationsbereitschaft der Entwicklungsländer reduziert. Besser würde eine verursachergerechte Abgabe auf Erdöl vorangebracht.

Zur Person:

Bastien Girod, geboren 1980 in Genf, forscht an der ETH Zürich daran, wie die Klimabelastung durch Veränderungen bei der Art zu produzieren und zu konsumieren reduziert werden kann. Der Vizepräsident der Grünen Fraktion sitzt seit 2007 im Nationalrat und ist Mitglied der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK).

Text: Christian Gmür