Wie du Energieeffizienzklassen endlich richtig verstehst Pauline Bodinek Die Energieeffizienzklasse zeigt dir auf einen Blick, wie sparsam ein Gerät im Vergleich zu anderen Modellen derselben Kategorie arbeitet. Seit der Überarbeitung der Energieetikette werden Geräte in der Schweiz und in der EU wieder auf einer klaren Skala von A bis G eingeteilt. Das macht Vergleiche einfacher – und hilft dir, nicht nur auf den Stromverbrauch, sondern auch auf Wasserbedarf, Lautstärke und alltagsrelevante Eigenschaften zu achten. Gerade für Familien, die langfristig Kosten senken und Ressourcen schonen möchten, lohnt sich ein genauer Blick. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Die beste Energieeffizienzklasse ist A, die schlechteste G. © george tsartsianidis / iStock / Getty Images Plus Wer ein neues Haushaltsgerät sucht, steht oft vor vielen Zahlen, Symbolen und Werbeversprechen. Die Energieetikette hilft dir dabei, diese Informationen einzuordnen. Sie zeigt nicht nur, wie viel Strom ein Gerät verbraucht, sondern je nach Gerätekategorie auch weitere wichtige Angaben wie Wasserverbrauch, Fassungsvermögen, Geräuschentwicklung oder Programmdauer. Das ist besonders relevant, wenn du als Familie regelmässig wäschst, kochst oder Lebensmittel kühlst. Denn im Alltag summieren sich selbst kleine Unterschiede beim Verbrauch über die Jahre zu spürbaren Kosten. Gleichzeitig sinkt mit einem effizienteren Gerät in der Regel auch die Umweltbelastung. Was viele irritiert: Die früheren Klassen A+, A++ und A+++ gibt es nicht mehr. Das war eine bewusste Entscheidung. Laut Europäischer Kommission, 2021, sollte die neue Skala A bis G verständlicher werden und wieder Raum für technische Fortschritte schaffen. Die neue EU-Energieetikette seit 2021 Die von der Europäischen Union eingeführten und in der Schweiz übernommenen Energieetiketten wurden 2021 neu gestaltet. Statt A+++ bis D reicht die Skala nun wieder klar von A bis G. A steht für die beste, G für die schwächste Effizienzklasse. Die Farben bleiben vertraut: Grün steht für besonders effizient, Gelb und Orange für mittlere Werte, Rot für geringe Effizienz. Entscheidend ist aber: Die Mess- und Bewertungsmethoden wurden überarbeitet. Dadurch lassen sich Geräte innerhalb einer Kategorie besser vergleichen. Die alte (links) vs. die neue Energieeffizienzetikette (rechts) © Screenshot: Bundesamt für Energie, Faktenblatt «Revision der Energieeffizienzverordnung EnEV» Bei Waschmaschinen wird der Stromverbrauch zum Beispiel auf 100 Waschzyklen im Eco-Programm bezogen. Bei Kühlschränken zählt der Jahresverbrauch. Bei Geschirrspülern spielen zusätzlich Wasserverbrauch, Programmdauer und Kapazität eine Rolle. Das bedeutet: Die Zahlen sind immer nur innerhalb derselben Gerätekategorie sinnvoll vergleichbar. Neu ist auch der QR-Code auf vielen Etiketten. Er führt in der EU zur europäischen Produktdatenbank EPREL mit technischen Detailangaben. In der Schweiz ist der QR-Code nicht in allen Fällen Pflicht, kann aber trotzdem vorhanden sein. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Etikette bildet nicht die gesamte Nachhaltigkeit eines Geräts ab. Themen wie Lebensdauer, Reparierbarkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und Materialeinsatz werden eher über Ökodesign-Vorgaben geregelt. Das Bundesamt für Energie und die Europäische Kommission weisen darauf hin, dass die Energieetikette vor allem ein Vergleichsinstrument für die Nutzungsphase ist. Beachte, dass sich Verbrauchsangaben oft auf standardisierte Prüfbedingungen beziehen. Im Alltag kann dein tatsächlicher Verbrauch höher oder tiefer liegen – etwa je nach Beladung, Temperaturwahl, Raumtemperatur oder Nutzungsgewohnheiten. Wichtige Merkmale der neuen Energieetikette 2021 Die Farbskala bleibt bestehen: Grün steht für hohe, Rot für geringe Effizienz. Die Skala reicht neu von A bis G. A+, A++ und A+++ wurden abgeschafft. Die Anforderungen sind strenger geworden. Deshalb rutschen viele vormals sehr gute Geräte in tiefere Klassen. Die Klasse A blieb anfangs oft leer oder selten besetzt. So bleibt Spielraum für zukünftige, noch sparsamere Technik. Ein QR-Code kann zu weiterführenden Produktinformationen führen. Je nach Gerät enthält die Etikette zusätzliche Angaben, etwa zu Wasserverbrauch, Lautstärke, Fassungsvermögen oder Programmdauer. Ein häufiges Missverständnis ist deshalb: «C ist schlecht.» Das stimmt nicht unbedingt. Gerade kurz nach einer Umstellung konnten viele gute Geräte in B oder C landen, weil die Messlatte bewusst höher gesetzt wurde. Wichtig ist, dass du innerhalb derselben Produktgruppe vergleichst und zusätzlich auf die absoluten Verbrauchswerte achtest. EU-Energieetikette von Geräten lesen und Effizienz einordnen Die Etikette ist besonders hilfreich, wenn du nicht nur auf den Kaufpreis schaust. Ein günstiges Gerät kann über seine Lebensdauer deutlich teurer werden, wenn es viel Strom oder Wasser verbraucht. Laut Bundesamt für Energie, 2024, lohnt sich deshalb die Betrachtung der Gesamtkosten über mehrere Jahre. Für Familien heisst das konkret: Wenn ein Gerät oft läuft, ist Effizienz besonders wichtig. Das betrifft vor allem Waschmaschinen, Kühlschränke und Geschirrspüler. Wenn ein Gerät selten genutzt wird, fällt der laufende Verbrauch im Vergleich zum Kaufpreis oft weniger stark ins Gewicht. Worauf du beim Vergleichen immer achten solltest Vergleiche nur Geräte derselben Kategorie und Grösse. Achte nicht nur auf die Klasse, sondern auch auf den absoluten Verbrauch in kWh oder Litern. Berücksichtige deine Nutzung im Alltag: Familiengrösse, Waschhäufigkeit, Kochverhalten, Platzbedarf. Prüfe die Lautstärke, wenn das Gerät in Küche, Bad oder offener Wohnsituation steht. Informiere dich, ob das Gerät reparierbar ist und Ersatzteile verfügbar sind. 1. Waschmaschine Wenn du eine neue Waschmaschine suchst, liefert dir die Energieetikette wichtige Hinweise zu Verbrauch, Kapazität, Schleuderwirkung, Laufzeit und Lautstärke. Besonders für Familien mit häufigen Waschgängen kann ein sparsames Modell langfristig viel Strom und Wasser einsparen. Eine effiziente Waschmaschine verbraucht für 100 Waschgänge im Eco-Programm möglichst wenig Strom. Sehr tiefe Werte sind vorteilhaft – vergleiche dabei nur Geräte mit ähnlicher Füllmenge. Auch der Wasserverbrauch pro Waschgang ist relevant. Gerade in Haushalten mit viel Wäsche macht sich das über die Jahre bemerkbar. Die Schleudereffizienz beeinflusst, wie nass die Wäsche aus der Maschine kommt. Gut geschleuderte Wäsche verkürzt oft die Trocknungszeit und spart, wenn du einen Tumbler nutzt, zusätzlich Energie. Die Lautstärke im Schleudergang ist wichtig, wenn die Maschine nahe bei Wohn- oder Schlafräumen steht. Niedrigere dB-Werte sind im Alltag meist deutlich angenehmer. Die Programmdauer des Eco-Programms ist oft länger. Das ist kein Mangel, sondern Teil des Sparprinzips: Weniger Energieverbrauch braucht häufig mehr Zeit. Die neue Energieeffizienzetikette für Waschmaschinen © Screenshot Bundesamt für Energie Im Alltag kannst du den Energiebedarf zusätzlich senken, wenn du möglichst mit voller Trommel wäschst, niedrige Temperaturen nutzt und das Eco-Programm einsetzt. Ein grosser Teil der Energie wird beim Waschen für das Erwärmen des Wassers benötigt. Deshalb spart Waschen bei 30 statt 60 Grad oft deutlich Strom – sofern Textilien und Hygieneanforderungen das zulassen. Überlegst du aus finanziellen Gründen ein weniger effizientes Gerät zu einem günstigeren Preis zu kaufen? Rechne vorher grob die Gesamtkosten über 10 bis 15 Jahre. Gerade bei häufig genutzten Geräten kann ein höherer Anschaffungspreis durch tiefere Strom- und Wasserkosten ausgeglichen werden. 2. Geschirrspüler Die Energieeffizienzetikette für Geschirrspüler © Screenshot Bundesamt für Energie Beim Geschirrspüler solltest du neben der Effizienzklasse besonders auf den Strom- und Wasserverbrauch pro 100 Programme, die Kapazität und die Lautstärke achten. Für Familien sind oft Geräte mit grösserer Kapazität sinnvoll, wenn sie regelmässig vollständig beladen werden. Ein energiesparendes Gerät arbeitet im Eco-Programm mit möglichst wenig Strom und Wasser. Die Programmdauer kann bei effizienten Modellen relativ lang sein. Das ist normal und dient dazu, mit weniger Energie gute Reinigungsergebnisse zu erzielen. Die Lautstärke ist in offenen Küchen besonders wichtig. Entscheidend ist die passende Grösse: Ein zu grosses Gerät ist nicht automatisch nachhaltiger, wenn es selten voll beladen läuft. Info: Als Massgedeck zählen standardisierte Geschirr- und Besteckteile. Die angegebene Kapazität hilft dir dabei, die Gerätegrösse mit deinem Haushalt abzugleichen. Ein verbreiteter Irrtum ist, dass kurzes Spülen automatisch sparsamer sei. Tatsächlich verbrauchen Kurzprogramme oft mehr Energie, weil mit höheren Temperaturen gearbeitet wird. Das Eco-Programm ist im Normalfall die effizientere Wahl. 3. Kühlschrank Beim Kühlschrank ist die Energieeffizienz besonders wichtig, weil das Gerät rund um die Uhr in Betrieb ist. Schon kleine Unterschiede im Jahresverbrauch können sich deshalb auf lange Sicht deutlich auswirken. Die neue Energieeffizienzetikette für Kühlschränke © Screenshot Bundesamt für Energie Wichtig ist, dass du nur ähnlich grosse Geräte miteinander vergleichst. Grösseres Volumen bedeutet meist auch höheren Stromverbrauch. Deshalb ist nicht nur die Klasse entscheidend, sondern auch die Frage, welche Gerätegrösse du wirklich brauchst. Der tatsächliche Verbrauch hängt ausserdem von der Umgebungstemperatur, der Temperatureinstellung, der Türöffnung und dem Füllgrad ab. Ein Kühlschrank neben Backofen oder Heizung braucht mehr Energie als an einem kühlen Standort. Info: Die empfohlene Kühlschranktemperatur liegt bei rund +7 Grad. Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sowie Bundesamt für Energie sind unnötig tiefe Temperaturen meist weder nötig noch effizient. Kühlgeräte im Dauerbetrieb solltest du besonders kritisch prüfen. Wenn dein altes Modell sehr viel Strom braucht, kann ein Ersatz sinnvoll sein. Wenn ein Gerät dagegen noch zuverlässig funktioniert und nicht extrem ineffizient ist, ist ein Austausch aus Nachhaltigkeitssicht nicht automatisch die beste Lösung. Auch Herstellung, Transport und Entsorgung verursachen Umweltbelastungen. Die beste Entscheidung hängt also von Alter, Zustand und Verbrauch des vorhandenen Geräts ab. Ausserdem gilt: Geräte mit «No-Frost»-Technologie erhöhen den Komfort, können aber je nach Bauart mehr Strom verbrauchen. Dafür wird regelmässige Eisbildung verhindert, die bei herkömmlichen Geräten den Energiebedarf ebenfalls erhöhen kann. Wichtig ist deshalb der Blick auf den konkreten Jahresverbrauch auf der Etikette. Was die Energieklasse nicht zeigt So hilfreich die Etikette ist: Sie beantwortet nicht alle Fragen. Wenn du nachhaltig einkaufen möchtest, lohnt sich ein breiterer Blick. Lebensdauer: Ein Gerät, das lange hält, kann ökologisch vorteilhafter sein als ein minimal sparsameres Modell mit kurzer Nutzungsdauer. Reparierbarkeit: Verfügbare Ersatzteile und gute Reparaturmöglichkeiten verlängern die Nutzungszeit. Passende Grösse: Das effizienteste Gerät nützt wenig, wenn es für deinen Haushalt überdimensioniert ist. Nutzungsverhalten: Auch ein gutes Gerät verbraucht unnötig viel, wenn es falsch eingestellt oder ineffizient verwendet wird. Gerade für Familien ist deshalb oft die Kombination aus guter Effizienzklasse, passender Kapazität, moderater Lautstärke und realistischer Nutzungsdauer am sinnvollsten. Typische Fehler beim Kauf – und wie du sie vermeidest Nur auf die Klasse schauen: Vergleiche immer auch die absoluten Verbrauchswerte. Gerätegrössen vermischen: Ein grosser Kühlschrank mit guter Klasse kann trotzdem mehr Strom brauchen als ein kleineres Modell mit mittlerer Klasse. Werbeversprechen überbewerten: Entscheidend sind die standardisierten Angaben der Etikette, nicht Begriffe wie «super sparsam». Alltag nicht mitdenken: Wenn dir Ruhe wichtig ist, kann ein leiseres Gerät sinnvoller sein als ein minimal effizienteres. Kaufpreis isoliert betrachten: Die Betriebskosten über Jahre machen oft einen grossen Unterschied. Fazit: So triffst du eine gute Entscheidung Die Energieetikette ist kein Detail für Technikfans, sondern ein praktisches Werkzeug für den Alltag. Wenn du Geräte innerhalb derselben Kategorie vergleichst, auf Verbrauch, Lautstärke, Grösse und Programmdauer achtest und dein eigenes Nutzungsverhalten mitdenkst, kannst du deutlich informierter entscheiden. Besonders bei Waschmaschinen, Geschirrspülern und Kühlschränken lohnt sich ein genauer Blick. Denn hier wirken sich Effizienz und Nutzung über viele Jahre aus – finanziell und ökologisch. Die beste Wahl ist deshalb nicht immer einfach das Gerät mit dem tiefsten Preis, sondern das Modell, das zu deinem Haushalt passt und langfristig sparsam arbeitet. Verwendete Fachquellen Europäische Kommission, 2021: «Energielabel und Ökodesign» Bundesamt für Energie, 2024: «Energieetiketten und Effizienzanforderungen für Haushaltsgeräte» Umweltbundesamt, 2023: «Energiesparen beim Waschen und Trocknen» Das könnte dich auch interessieren Kühlschrank richtig einräumen: So bleiben Lebensmittel länger frisch 9 Tipps zum Energiesparen, die du dir merken solltest Warum wir auch in der Schweiz Wasser sparen sollten Clevere Tipps zum Stromsparen beim Kochen und Backen