Bio-Schminke: Nicht alle Marken können überzeugen

Wiederholt fielen konventionelle Schmink-Produkte in den vergangenen Jahren bei Tests durch. Daher greifen viele Frauen zu Naturprodukten. Aber sind Mascara & Co. in Bio-Qualität wirklich besser?

Bio-Schminke im Qualitätstest
Welche Schminke kann bedenkenlos aufgetragen werden? Foto: Yuri Arcurs / Hemera / Thinkstock
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Auch wenn das Schminktäschchen oft erst abends seinen grossen Auftritt hat, ein Minimum an Farbe legen viele Frauen auch im Alltag auf. Dazu gehört besonders Mascara, das «Zaubermittel», das die Wimpern voller und länger wirken lässt. Doch gerade diese regelmässige Verwendung kann bei einigen Produkten kritisch sein, wie eine Untersuchung des Kantonslabor Basel-Stadt zeigt. Darüber berichtete K-Tipp im Dezember 2011.

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Auch das Make-Up von LUSH kommt leider nicht ohne Talc aus. Alle übrigen Bestandteile dieser Bio-Schminke, die in verschiedenen Hauttönen erhältlich ist, sind aber empfehlenswert. Foto: LUSH

Auch das Make-Up von LUSH kommt leider nicht ohne Talc aus. Alle übrigen Bestandteile dieser Bio-Schminke, die in verschiedenen Hauttönen erhältlich ist, sind aber empfehlenswert. Foto: LUSH

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Negative Testberichte: Lieber Schminke in Bio-Qualität kaufen?

Auf den Prüfstand kamen insgesamt 29 Augenkosmetik-Produkte aus verschiedenen Warenhäusern, Parfümerien und Boutiquen, darunter auch Eyeliner und Lidschatten. Ausgerechnet die Wimperntusche gibt Anlass zur Sorge: Die Hälfte der zwölf untersuchten Mascaras enthielt N-Nitrosodiethanolamin (NDELA), einen krebserregenden Stoff. Dabei liesse sich die problematische Substanz bei einer sorgfältigen Produktion vermeiden. Laut dem Bericht ist das Problem den Herstellern schon länger bekannt, das Kantonslabor hatte bereits in der Vorjahren NDELA in Mascara gefunden und beanstandet. In den untersuchten Eyelinern und Lidschatten wurde der problematische Stoff indes nicht gefunden.

Schminke erhält teils Testurteil «ungenügend»

Bei einem der früheren Tests (Oktober 2009) waren allerdings auch krebserregende Stoffe in Lidschatten entdeckt worden. Das Kantonslabor Basel hatte damals zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit 44 Schmink-Produkte für die Augen untersucht. Allein bei den Kajalstiften gab es nichts zu beanstanden.

Die Frage ist nun also, welche Schminke kann man überhaupt noch unbesorgt verwenden? Und wie schneiden die Bio-Produkte ab? Aufschlussreich sind die Studien des deutschen Verbrauchermagazins Ökotest, über die auch Saldo und Ktipp regelmässig informieren. Einige Tests führte Saldo selbst durch. So gab es erst im April 2012 einen umfassenden Testbericht zu Wimperntusche, für den 21 Produkte ins Labor gewandert waren. Die Baseler Untersuchungen wurden dabei leider bestätigt: Fünf Mascaras wurden wegen der problematischen Inhaltsstoffe als «mangelhaft» oder «ungenügend» bewertet.

Bio-Mascara weit vorne bei den Tests

Nun zu den positiven Nachrichten: Eine ganze Reihe Mascaras schnitt mit dem Testurteil «sehr gut» beziehungsweise «gut» ab. Die für sehr gut befundenen Produkte sind frei von krebserregenden Nitrosaminen, bedenklichen Konservierungsstoffen und künstlichem Moschus-Duft – einem potenziellen Allergieauslöser.

Mit «sehr gut» bewertet wurden die drei Bio-Mascaras

  • Dr. Hauschka «Skin Care Mascara, Black» (CHF 25,-)
  • lavera Trend Sensitiv Intense Volumizing Mascara, Black (CHF 17,90)
  • Logona Mascara Volume, 01 (CHF 23,80)

 

Allerdings belegten auch einige der preisgünstigeren konventionelle Produkte Spitzenplätze. Die «Extra-Volume Collagene + Mascara» von L`Oréal (CHF 2,66) wurde sogar Testsieger. Sie war von Saldo getestet worden (die anderen Mascaras teils von Ökotest).

 

Die Note Eins gab es auch für die «Full Lashes Mascara, Black» von H&M (CHF 9,90). Zu den mit «gut» bewerteten Produkten zählten Maybelline «The Colossal Volum` Express Mascara» (CHF 1,89) und Artdeco «Perfect Volume Mascara Waterproof» (CHF 2,10).

Bio-Schminke: Hoher Preis für Naturprodukte

Das Ergebnis bestätigt auch eine Tatsache, über die K-Tipp in seiner Ausgabe 11/2012 berichtete: Öko-Kosmetik sei in der Schweiz «viel zu teuer», bemängelte das Magazin. Bis zu 50 Prozent mehr als in Deutschland kosteten die Produkte hierzulande. K-Tipp hatte dazu einen Vergleich von 60 Bio-Produkten aufgestellt, darunter auch Pflegeartikel. Letztere seien sogar rund zweieinhalbmal so teuer.

Qualität von Bio-Schminke

In manchen Lidschatten und Mascaras konnten krebserregenden Stoffe nachgewiesen werden. Foto: © iStockphoto / Thinkstock

Neben möglichen gesundheitlichen Folgen für die Verwenderin ist bei Kosmetik jedoch auch das Thema Tierversuche zu bedenken. So rechtfertigt sich ein höherer Preis für Naturprodukte auch damit, dass seriöse Hersteller in der Regel darauf verzichten. So erklärt Dr.Hauschka Kosmetik in einer «Stellungnahme zu Tierversuchen», dass seit 1967 «weder durch uns noch in unserem Auftrag» Tierversuche durchgeführt werden. Auch für lavera versteht es sich von selbst, «dass Tierversuche nicht mit unserer Einstellung und Unternehmensphilosophie vereinbar sind.» Darüber hinaus verwendet lavera in seinen Produkten keine Rohstoffe toter Wirbeltiere (z.B. Walrat, Schildkrötenöl, Nerzöl, Murmeltierfett, tierische Fette, tierisches Collagen und Frischzellen).

Zwar werden nach Auskunft des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET) in der Schweiz bei der Herstellung von Kosmetik keine Tierveruche unternommen, es ist jedoch nicht ausdrücklich verboten wie in der Europäischen Union. Und auch dort tritt die letzte Stufe des Verbots erst ab März 2013 in Kraft. Untersagt ist dann auch der Verkauf von Kosmetika, deren Inhaltsstoffe ausserhalb der EU in Tierversuchen getestet wurden. Nur: Ein Schlupfloch für die Hersteller bleibt: Es kommt zwar vielleicht das Endprodukt ohne Tierversuche, einzelne Inhaltstoffe können aber durchaus an Tieren getestet worden sein.

Kosmetik ohne Tierversuche

Einen ausführlicherer Beitrag zum Thema Kosmetik ohne Tierversuche finden Sie hier.
Unter www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch können Sie nachschauen, welche Hersteller Bio-Schminke ohne Tierversuche anbieten beziehungsweise bereit sind, zu der Frage Auskunft zu geben.

 

Lippenstifte in Bio-Qualität

K-Tipp hat auch einen Beitrag zum Thema Lippenstifte ohne Schadstoffe veröffentlicht, bei dem die Bio-Hersteller ebenfalls gut abschneiden.

 

Linktipps: Schminke in Bio-Qualität in der Schweiz

 

Quellen: Kantonslabor Basel-Stadt, K-Tipp, Ökotest, Saldo, Bundesamt für Veterinärwesen, Dr. Hauschka, lavera

Text: Christine Lendt

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