Aussendämmung: Öko-Dämmstoffe halten Menschen und Umwelt gesund

Wer seinem Haus eine Aussendämmung verpasst, spart zwischen zehn und 20 Prozent seines Energieverbrauchs ein. Die Fassadendämmung hat viele Vorteile. Sie ist besonders umweltschonend, wenn natürliche Dämmstoffe zum Einsatz kommen. Wer gesund wohnen möchte, sollte auf eine Öko-Wärmedämmung nicht verzichten.

Mit einer Aussendämmung lässt sich kräftig sparen.
Mit einer Aussendämmung kann man sich viele Heizkosten ersparen. Foto: archideaphoto / iStock / Thinkstock
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Viele Schweizer bekommen beim Thema Aussendämmung kalte Füsse. Deshalb heizen sie lieber ihr Geld zum Fenster hinaus und verzichten auf eine isolierte Gebäudehülle. Das trifft auf knapp 1,5 Millionen Gebäude in der Schweiz zu. Ihre Bewohner hoffen oftmals, dass ein neuer Anstrich die Wärmedämmung ersetzen kann. Doch weit gefehlt, bestätigt eine ETH/CEPE Studie. Sie empfiehlt eine Wärmedämmung von mindestens zwölf Zentimetern. Wer die Aussenwände isoliert, kann die Energieverluste um ein Viertel senken. Gesund wohnen bedeutet auch, die Umwelt nicht unnötig zu belasten. Doch es gibt weitere Gründe, die für eine Aussendämmmung sprechen.

Mit Wärmedämmung den Wohnkomfort erhöhen

Man kann eine isolierende Gebäudehülle mit atmungsaktiver Kleidung vergleichen, die vor Hitze, Kälte und auch vor Witterungseinflüssen schützt. Eine Fassadendämmung verbessert das Raumklima und die Feuchtigkeit an den Wänden wird ausgeglichen. Zudem verringert sich der Stresspegel bei den Bewohnern, weil die Dämmstoffe Geräusche und Lärm ausschliessen. Mit einer Aussendämmung steigert man sowohl die eigene Wohnqualität als auch den Wert der jeweiligen Immobilie. Dieser Aspekt ist besonders für Hauseigentümer interessant, zumal die Materialien erst nach 30 bis 50 Jahren erneuert werden müssen. Doch welche Dämmstoffe eignen sich für eine ökologische Gebäudehülle?

Umweltbelastende Materialien für die Aussendämmung

Schweizer Gebäude werden zu 80 Prozent mit künstlichen Dämmstoffen energetisch saniert. Trotz günstiger Verkaufspreise, kosten sie in der Herstellung viel Energie und sind nach der Verarbeitung kaum recycelbar. Weiteres Manko ist der reduzierte Luftaustausch, weshalb die Räume eine zusätzliche Belüftung benötigen. Auch nach dem Einzug gasen viele Materialien wie Beton, Gips, oder Bodenkleber langsamer aus und die Schadstoffe belasten die Menschen. Neue Dämmstoffe sind zwar weniger gesundheitsschädigend, doch die Produktion ist weiterhin energieaufwändig und umweltbelastend. Somit sind künstliche und anorganische Materialien kein passender Baustein für gesundes Wohnen. Aus diesem Grund führte das Label Minergie ECO natürliche Dämmstoffe ein, die eine umweltbewusste Alternative für Bauherren sind.

Vor- und Nachteile natürlicher Dämmstoffe

Nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Flachs, Kork, Schilf, Kokos, Hanf, Gras und Schafwolle sind für eine Aussendämmung gut geeignet. Die Dämmstoffe haben eine gute Ökobilanz. Sie binden Kohlendioxid und belasten die Umwelt über den gesamten Stoffkreislauf mit weniger Schadstoffen. Studien belegen, dass sie zudem gute Wärmespeicher sind. Beispielsweise haben Holzfaserdämmplatten einen besseren Wärmeschutz als Mineral-, Steinwoll- oder Styropordämmung. Die kurzen Transportwege sind ein weiteres Plus, da viele Rohstoffe regional verfügbar sind. Darüber hinaus gibt es einige Nachteile. So muss man Massnahmen gegen Feuchtigkeit und Schädlinge einplanen, bevor die natürlichen Dämmstoffe eingebaut werden. Trotz Behandlung reagieren sie auf Feuchtigkeit. Deshalb eignen sich die Materialien nicht für Sockelbereiche, da diese den Erdboden berühren oder ständigem Spritzwasser ausgesetzt sind.

Nachwachsende Dämmstoffe sind nachhaltig.

Nur natürliche Dämmstoffe sind wirklich nachhaltig.

In einem überwiegend mit der Umwelt und Gesundheit verträglichen Prozess werden die Rohstoffe getrocknet, zerkleinert und versponnen. Natürliche und künstliche Bindemittel werden den späteren Platten, Vliesen, Matten oder Schüttmaterialien bei der Weiterverarbeitung beigefügt. Holz- und Recyclingmaterialien kommen in der Schweiz am häufigsten zum Einsatz. Doch die Auswahl geeigneter Dämmstoffe ist um einiges grösser.

Holz ist ein traditioneller Baustoff, der für ein gesundes Raumklima sorgt. Holzfaserdämmplatten enthalten keine Bindemittel, haben gute Dämmwerte, Schallschutz und hohe Wärmespeicherfähigkeit. Dadurch kann man im Winter Heizkosten sparen. Doch die Herstellung ist vergleichsweise energieaufwändig. Auch Abfallprodukte aus Sägereien, wie Holzspäne, können als Dämmstoffe verwendet werden.

Zellulose ist sehr gut zur Wärmedämmung geeignet. Es ist ein kostengünstiges Recyclingsprodukt aus Zeitungspapier, was als Flocken in Hohlräume eingeblasen wird. Chemische Mittel verhindern die schnelle Alterung und helfen auch gegen Schädlinge. Zellulose hat sehr gute Dämmwerte und gilt als guter Wärmespeicher.

Schafwolle ist ein günstiger, nachwachsender Rohstoff. Dämmmatten aus Wolle sind sehr flexibel und eignen sich deshalb für Holzkonstruktionen. Zudem hat sie hervorragende Dämm- und Schallschutzwerte. Wichtig ist, dass Schafwolle Feuchtigkeit aufnehmen und auch abgeben kann. Ferner bindet sie Schadstoffe, was zu einem gesunden Raumklima beiträgt. Um diesen positiven Effekt zu erreichen, sollte auf Plastik beim Bau verzichtet werden. Stattdessen könnte man Windpapier einsetzen, was wesentlich atmungsaktiver ist. Nachteilig ist, dass das Material in geringen Mengen mit Mottenschutzmittel behandelt werden muss. Doch diese Stoffe gasen nicht aus und belasten somit nicht die Bewohner.

Hanf ist eine anspruchslose Pflanze, die als Naturdämmstoff zum Beispiel als «Thermohanf» erhältlich ist. Sie ist gegen Schädlinge resistent und weist gute Dämmwerte auf. Einzige Zusätze sind Chemikalien, die als Brandschutz dienen.

Flachs dämmt gut, hat einen guten Schallschutz und wirkt feuchtigkeitsregulierend. Es ist ein Nebenprodukt der Textil- oder Papierproduktion. Sie sind als Stopfwolle,Matten und Trittschallplatten erhältlich.

Um den Überblick nicht zu verlieren, hilft das Label Natureplus, die passenden und umweltfreundlichen Materialien für die Aussendämmung zu finden.

Vorteile und Nachteile von Fassadendämmung

Wer Schäden in der Fassade ausbessert, kann im gleichen Schritt eine Wärmedämmung einplanen. Ausnahmen bilden Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Auch selten bewohnte Häuser, wie beispielsweise Kirchen, sollten eher von Innen gedämmt werden. Vorteil einer fachmännisch angebrachten Fassadendämmung ist, dass sich kein Schimmel bildet. Die nutzbare Wohnfläche bleibt gleich und es kommt zu keiner erschwerten Montage von Möbeln oder Heizkörpern. Dennoch kostet die Aussendämmung mehr als die Innendämmung, weil zum Beispiel zusätzliche Kosten für Gerüst und Material anfallen. Die Bauarbeiten sind witterungsabhängig, was die Zahl möglicher Fehler erhöhen kann. Dennoch empfehlen Experten in der Regel eine Aussendämmung, denn im Vergleich zur Innendämmung werden die Wärmeverluste halbiert.

Somit sorgt eine ökologische Aussendämmung nicht nur für warme Füsse und gesundes Wohnklima sondern entlastet auch die Umwelt.

Links

  • Hausverein Schweiz - Informationen über u.a. ökologische Aussendämmung für umweltbewusste Eigentümer.
  • HEV Schweiz - Hauseigentümerverband, der über Wärmedämmung informiert.
  • natureplus - Das Label bietet eine Übersicht über zertifizierte Produkte und Anbieter.

 

 

Quellen: HEV Schweiz, Minergie, SIA, Hausverein Schweiz, Gebäudehülle Schweiz, Wikipedia, WWF, EnergieSchweiz, CEPE

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