Zersiedlung verändert stark das Landschaftsbild der Schweiz

«Siedlungsfreiraum in der Agglomeration - Mehr Qualität auf weniger Fläche!» war das Thema des vierten Workshops an der NATUR 2012. Zu welchen Lösungsvorschlägen die Teilnehmer dabei gekommen sind, erfahren Sie hier.

Katharina Conradin referiert zum Thema Siedlungsfreiraum in der Agglomeration.
Katharina Conradin referiert zum Thema Siedlungsfreiraum in der Agglomeration. Foto: © natur.ch
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Die starke Agglomerationsbildung und Zersiedlung der Schweiz hat zu einer neuen Landschaftsform geführt: Dem «suburbanen Freiraum», weder Stadt noch Landschaft sondern ein Konglomerat von traditionellen und neuen Freiraumnutzungen, ausgesetzt dem Nutzungsdruck von Siedlung, Infrastruktur und Freizeit.

Im Workshop wurde die Thematik «Siedlungsfreiraum in der Agglomeration - Mehr Qualität auf weniger Fläche!» anhand der drei Themenschwerpunkten «Vielfältiger Identifikationsraum», «Zugänglicher Erholungsraum» und «Bedrängte Ressource/Innenentwicklung» auf der Grundlage von bisherigen Ergebnissen des Bundesprojekts «Suburbane Freiraumentwicklung» diskutiert.

Den engeren Kontext der Überlegungen bilden dabei die voranschreitende Siedlungsentwicklung und der damit zunehmende Druck auf Freiräume. Hinzu kommen die sich verändernden Ansprüche der Gesellschaft, wie die demografische Entwicklung, das Freizeitverhalten, das Bevölkerungswachstum aber auch die Mobilität. Nicht zuletzt geht es um ökonomische Aspekte: Wie können Qualitäten, Aufwertungen und sich verändernde Ansprüche gefördert und aufgenommen werden? Wie kann der suburbane Freiraum in Wert gesetzt werden?

Vielfältiger Identifikationsraum

 

Grafik zu Stärkung und Entwicklung suburbanem Freiraum.

These: Der Impuls für die überkommunale Stärkung und Entwicklung von suburbanem Freiraum muss von oben kommen. Landschaft und Freiraum müssen einen zentralen Stellenwert in den Agglomerationsprogrammen 3. Generation einnehmen. Dazu muss eine entsprechende Finanzierung gewährleistet werden.

Statements: Der Kleinräumigkeit der Schweiz muss Rechnung getragen werden. Die «Überschaubarkeit» und die «Qualität der Kleinteiligkeit» sind bedeutende Faktoren für die Identifikationsstiftung in suburbanen Räumen. Der suburbane Freiraum muss gemeindeübergreifend und unter Einbezug der Bevölkerung, auf regionaler Ebene entwickelt werden. Bund, Kantone oder Regionen sollen nicht über die Gemeinden hinweg planen. Vielmehr sind lokale Initiativen, sowohl fachlich und als auch finanziell, zu unterstützen.

Zugänglicher Erholungsraum

 

Naherholungsräume im Einzugsbereich der Ballungsräume

These: Die Ansprüche an Siedlungsfreiräume wie auch an Naherholungsräume im Einzugsbereich der Ballungsräume sowie insbesondere auch an attraktiven Verbindungen nehmen in den unter Druck stehenden Agglomerationen laufend zu. Die Gestaltung und Ausstattung der suburbanen Freiräume muss überkommunal finanziert werden. Mehrwerte, welche durch die Innenentwicklung und Verdichtung entstehen, sollen auch für die Gestaltung der suburbanen Freiräume eingesetzt werden können.

Statements: Die öffentliche Hand muss bei der Entwicklung suburbaner Freiräume eine Vorbildfunktion einnehmen. Häufig fehlen jedoch politische und fachliche Kompetenzen. Mehrwertabschöpfungen und der Einbezug von bereits vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten, wie beispielsweise aus dem Bereich Landwirtschaft, müssen zur Finanzierung der suburbanen Freiraumentwicklung genutzt werden. Gemeindefusionen können sich positiv auf Finanzierungsfragen und Ausgleichsregelungen auswirken.

Bedrängte Ressource/Innenentwicklung

Der Siedlungsraum der Schweiz soll wirksam begrenzt werden

These: Die laufende Beratung der Landschaftsinitiative, bzw. des Gegenvorschlags (RPG Teilrevision) zeigen die Richtung auf: Der Siedlungsraum der Schweiz soll wirksam begrenzt werden! Die Innenentwicklung und die Verdichtung werden den Siedlungsraum, die Bautypologien und die Lebensstile beeinflussen. Die Kernfrage lautet, wie kann Dichte und Qualität in eine Balance gebracht werden? Auf kommunaler Ebene werden neue Methoden und Instrumente benötigt, die es erlauben das bestehende Siedlungsgebiet mit zukunftsgerichtetem Blickwinkel zu überschreiben. Wir schlagen dazu ein neues Instrument vor - den «Quartierstrukturplan».

Statements: Der Quartierstrukturplan sieht die drei Ebenen Siedlung, Verkehr und Freiraum vor. Er beschreibt die Spielräume, Anforderungen und Regeln der Quartierveränderung. Durch die integrale Herangehensweise kann eine Balance zwischen Siedlungsverdichtung einerseits und Freiraumentwicklung andererseits sichergestellt werden. Es gilt dabei der Grundsatz, dass mehr Dichte eine erhöhte städtebauliche Qualität aufweisen muss. Übergeordnet können kommunale Richtpläne ein zielführendes Instrument zur integralen Planung von Siedlung, Verkehr und Freiraum darstellen.