Landwirtschaft verleiht der Landschaft ihr Gesicht

Die Landschaft der Schweiz lebt in ständigem Wandel. Besonders die Landwirtschaft nimmt Einfluss auf das Landschaftsbild der Schweiz. Erfahren Sie hier, worüber die Teilnehmer des Workshop «Von der Landwirtschaft gestaltete Landschaften: Für wen? Für was?» debatierten.

Die Landwirtschaft trägt entscheidend zum Landschaftsbild bei.
Die Landwirtschaft trägt entscheidend zum Landschaftsbild bei. Foto: © Oliver Mohr  / pixelio.de
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Die Agrarpolitik und die Raumplanung streben offene und qualitativ hochwertige Landschaftsbilder an. Der Workshop  beschäftigte sich daher hautsächlich mit folgenden Fragen: Entsprechen die angestrebten Landschaftsbilder auch der Gesellschaft? Reichen die von der Agrarpolitik 2014 – 2017 vorgesehenen Mittel und Wege aus? Müssen neue Mittel und Wege geschaffen werden?

Dem Bundesamt für Landwirtschaft zufolge zählen besonders die Bewahrung der Ackerböden, die Erhaltung einer offenen Landwirtschaft und deren Vielfalt zu den wichtigsten Themen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sieht das Projekt der Agrarpolitik zwei Mittel vor: Einen Beitrag zum Anbau und einen Beitrag zur Qualität der Landschaft. Laut Liner müssen zwei Problembereiche unterschieden werden. Zum einen handelt es sich hierbei um die Zersiedelung der Landschaft, der mit einer Anpassung der Raumplanungsgesetze zu begegnen wäre. Insbesondere sollte dabei eine Besteuerung des Kapitalgewinns eingeführt werden. Zum anderen handelt es sich um die Landschaftspolitik, die seiner Meinung nach in die richtige Richtung geht. Schon von 1970 bis 1975 wurde die Entfernung von hochstämmigen Obstbäumen finanziell unterstützt und dies soll mittels der PA 2014 – 2017 wieder der Fall sein. Damals wurden 2,5 Mio Bäume aus ländlichen Gegenden entfernt.

Zweiter wichtiger Diskussionspunkt war die Erwartung der Bevölkerung im Bezug auf die Landschaft. Besonders wichtig für die Bevölkerung ist die Erholungsfunktion. Laut Schneider sind für 75% der Schweizer, die im Einzugsgebiet von Städten leben und ebenso für den Tourismus, die Erholungsfunktion und die Identitätsfunktion wichtiger als die Produktionsfunktion. Auch die Möglichkeit, Erfahrungen in der freien Natur zu sammeln, ist für viele Schweizer von essentiellem Wert. Ein Teilnehmer begründet die Wichtigkeit dieser Funktionen mit der Zunahme der Agglomeration und der immer dichter werdenden Bebauung. Laut Francis Egger, Verantwortlicher des Schweizerischen Bauernverbandes, erwartet die Bevölkerung eine offene Berglandschaft und eine grosse Vielfältigkeit im Flachland, ebenso wie «Zeugen» der traditionellen Nutzung der Anbauflächen. Egger zu Folge wurde die Qualität der Landwirtschaft aus den produktiven Aktivitäten gebildet. Und daher muss diese aktive Landwirtschaft gepflegt und aufrechterhalten werden, um eine attraktive Landschaft gewährleisten zu können. Kohli unterstreicht, dass beide Beiträge der Agrarpolitik 2014 – 2017 dazu beitragen, dass der «Vertrag» zwischen Landschaft und Bevölkerung erneuert werden kann und dazu beiträgt, dass erweiterte Partnerschaften zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft entstehen können. Ebenso wichtig für eine wachsende Bevölkerung mit einer steigenden Nachfrage an Nahrungsmitteln ist der Schutz der Anbauflächen.

Die Raumgestaltung muss sich an den Landwirten orientieren.

Die Raumgestaltung muss sich an den Landwirten orientieren. Foto: ©  Ulrich Kuhn  / pixelio.de

Für die Gesellschaft stellt die Verteilung der Agrarausgaben eine Priorität dar. Dies wurde als Drittes diskutiert. Andreas Schneider, Direktor des Institus für Raumentwicklung an der Hochschule für Technik Rapperswil, sieht die Verteilung der öffentlichen Gelder für die Landwirtschaft kritisch. Nur eine angemessene Aufteilung der Beträge, die in der Agrarpolitik 2014 – 2017 vorgesehen sind, ermöglicht eine Unterstützung der Entspannungsfunktion der Landschaft. Aber zur Zeit fliesst der weitaus grösste Anteil der Ausgaben in die Produktion. Denn eine langfristig akzeptierte Agrarpolitik muss sich an den gesellschaftlichen Bedürfnissen (Erholung Identität, Erfahrungen in der Natur) und nicht nur allein an den Bedürfnissen der Landwirte orientieren. Zudem ist wichtig, dass die Erholungsfunktion zur Qualität der Landschaft gezählt wird. Egger jedoch sorgt sich auch darum, dass die steigende Bevölkerung noch in angemessenem Masse landwirtschaftliche Erzeugnisse zur Verfügung gestellt bekommt, daher muss versucht werden, mit weniger Mitteln zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen. Ein weiterer Teilnehmer gibt zu bedenken, dass die Ausgaben für den Agrarsektor generell sehr niedrig sind, vergleicht man diese mit den Ausgaben in anderen wirtschaftlichen Bereichen. Egger erinnert auch daran, dass die landwirtschaftlichen Einkommen heutzutage zu niedrig sind und daher sollte die Politik unter keinen Umständen zur weiteren Verarmung des Sektors beitragen. Ein Teilnehmer sieht keinen Widerspruch zwischen einer guten wirtschaftlichen Bilanz und einer umweltschonenden Arbeitsweise. Manchmal ist die wirtschaftliche Bilanz sogar besser, wenn auf die Natur geachtet wird.

Die Landschaftskosten stellten den vierten Diskussionspunkt dar. Zur Zeit wird keine Buchhaltung über nichtmaterielle Güter geführt, daher ist es schwer, den Wert der Landschaft zu bestimmen. Die Beiträge der PA 2014 – 2017 allerdings verleihen der Landschaft einen Wert. Laut einem Teilnehmer sollte ein Markt für alles rund um das Ökosystem etabliert werden.

Die Beiträge zur Qualität der Landschaft war ebenfalls Gegenstand der Debatte. Für Egger stellen die Beiträge zur Landschaftsqualität einen sehr hohen bürokratischen Aufwand dar. Ein anderer Teilnehmer wies darauf hin, dass das Modell zunächst getestet werden müsse. Nur so kann die nötige Erfahrung gesammelt werden, und so war dies auch bei anderen Neuerungen erfolgreich der Fall, etwa bei der Öko-Qualitätsverordnung.

Das Engagement der Landwirte im Projekt der Landschaftsqualität bildete den abschliessend zu betrachtenden Punkt. Wenn es Aufgabe der Landwirtschaft sein soll, die Landschaft zu erhalten, so muss dies genauestens erklärt werden, meint Rike Stotten. Denn die Landschaft ist eine soziale Konstruktion, die jeder anders wahrnimmt. Für die Landwirte bedeutet eine gute Qualität der Landschaft die Möglichkeit der Produktion von Nahrungsmitteln. Touristen hingegen schätzen etwas ganz anderes. Daher sollte diese Interpretationsspanne offen dargelegt werden und die Landwirte sensibilisiert werden. Dies ist die Bedingung, mit der die aktuellen und zukünftigen Ziele der Agrarpolitik effizient und dauerhaft angewendet werden können. Für einen Teilnehmer ist es von essentieller Bedeutung, dass die Sorge um die Qualität der Landschaft in den Händen des Agrarsektors bleibt, denn nur er hat das Wissen, um diese zu gewährleisten. Liner unterstreicht die Wichtigkeit einer Beratung und einer gezielten Ausbildung der Landwirte.

An der Diskussion teilgenommen haben:

  • Francis Egger, Verantwortlicher des Schweizerischen Bauernverbandes
  • M. Andreas Schneider, Direktor des Institus für Raumentwicklung an der Hochschule für Technik Rapperswil
  • Dominique Kohli, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft
  • Marcel Liner, Direktor des Instituts für Raumentwicklung der Hochschule für Technik Rapperswil
 

Quelle: NATUR

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