«Lebensmittelindustrie trägt massiv zur Fehlernährung bei»

Es ist ein bekanntes Paradox – auf der einen Seite wird lautstark angepriesen, fünf Einheiten Obst und Gemüse täglich zu essen und so auf eine gesunde Ernährung zu achten. Auf der anderen Seite wird in der Werbung jedoch Süsses, Zuckriges und Ungesundes angepriesen, und das besonders für Kinder. Welche Folgen das hat, zeigt eine neue Studie, die Kinder-Lebensmittel analysiert.

Spezielle Kinder-Lebensmittel widersprechen der Ernährungspyramide.
Speziell für Kinder beworbene Lebensmittel sind laut Foodwatch ungesund. Foto: © Pavel Losevsky - Fotolia.com
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Laut der allseits bekannten Lebensmittelpyramide gehören zu einer gesunden Ernährung viel Obst und Gemüse als Basis, Milch- und Fleischprodukte in Massen und in der Spitze nur wenig Fett, Öl und Zuckerhaltiges dazu. Doch sieht die Realität ganz anders aus: Die Pyramide hat sich bei den Kinder-Nahrungsmitteln beinahe umgedreht. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist aus dem Angebot, das die Industrie als Kinderprodukte vermarktet, praktisch unmöglich, so das Fazit der Konsumentenorganisation.

Die aktuelle Studie von Foodwatch präsentiert besorgniserregende Ergebnisse. Die meisten speziell für Kinder betitelten Nahrungsmittel in den Supermärkten sind in der Spitze der Lebensmittelpyramide– also im Öligen, Fettigen und Zuckrigem - anzusiedeln. Von 1500 untersuchten Kinder-Produkten sind laut Foodwatch nahezu 75 Prozent «süsse und fettige Snacks». Und die Folgen eines solchen Angebots sind für die Kinder fatal. Denn die Studie belegt, dass die Kinder-Produkte übergewichtig, adipös und zuckerkrank machen. Die Hersteller kommen ihrer Verantwortung nicht nach, einen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung zu leisten. Im Gegenteil: Die Lebensmittelindustrie trägt massiv zur Fehlernährung bei, so Foodwatch in einer Medienmitteilung.

1500 Kiner-Lebensmittel wurden getestet.

1500 Produkte wurden von Foodwatch getestet. Foto: © Foodwatch

Foodwatch sieht den Schuldigen in der Lebensmittelindustrie, denn die Produzenten könnten mit gesunden Nahrungsmitteln wie Obst und Gemüse nur geringe Gewinne erzielen. Mit Süsswaren, Softdrinks und Snacks hingegen kann ein Umsatz von 15 Prozent und mehr gemacht werden. So lohnt sich der Verkauf von gesunden Produkten nicht.

Die Studie wurde zwar in Deutschland durchgeführt, doch sieht es in der Schweiz wenig anders aus. Auch hier werden in der Werbung Lebensmittel speziell für Kinder angepriesen. Bald soll auch eine Schweizer Studie Details publik machen. «Wir sind zurzeit daran, die TV-Werbung, die speziell auf Kinder ausgerichtet ist, anzuschauen und auszuwerten», sagt Josianne Walpen, Leiterin Ernährung und Landwirtschaft bei der Stiftung für Konsumentenschutz gegenüber 20minuten. Auch die Schönfärberei der Produkte wird dabei ausgewertet, Walpen sieht darin ein Problem: «Vielfach steht darauf, dass die Hersteller auf Farbzusätze oder Konservierungsmittel verzichten. Stattdessen verstecken sich dahinter oft besonders fettige oder zuckerhaltige Produkte.»

Quelle: Foodwatch, 20minuten Text: Miriam Dippe

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