Wie vereint man Natur, Kultur und Produktion in Sömmerungsgebieten?

Die Alpen gehören zur Schweiz wie die Löcher in den Käse. Sie vereinen Kultur, Natur aber auch einen grossen Teil der Landwirtschaft. Wie man die drei Dinge unter einen Hut bringt, diskutierten die Teilnehmer am Workshop «Naturwerte, Kulturwerte und Produktion: Das goldene Dreieck der Agrarlandschaft.»

Die Alpen vereinen Produktion, Natur- und Kulturwerte. Diese drei Dinge unter einen Hut zu bekommen, ist eine schwierige Aufgabe.
Die Alpen vereinen Produktion, Natur- und Kulturwerte. Diese drei Dinge unter einen Hut zu bekommen, ist eine schwierige Aufgabe. Foto: © Dr. Klaus-Uwe Gerhardt  / pixelio.de
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Im Workshop wurde diskutiert, wie im Sömmerungsgebiet Produktion, Naturwerte und Kulturwerte in Einklang gebracht werden können. Das Sömmerungsgebiet ist Thema des Verbundprojektes «AlpFUTUR», in welchem 22 Teilprojekte sich mit der Zukunft des Sömmerungsgebietes befassen. Die Beiträge zum Workshop stammen aus drei Teilprojekten und beleuchten das Spannungsfeld der drei Pole des «Goldenen Dreiecks der Agrarlandschaft» mit vier Präsentationen:

  • Ansprüche der Bevölkerung
  • Zusammenhang zwischen Produktion und Biodiversität
  • Alphütten und ihre Kulturwerte
  • Steuerungsmöglichkeiten durch die Verwaltung

Ansprüche der Bevölkerung

Im Teilprojekt 19 von AlpFUTUR wird untersucht, welche Ansprüche die Bevölkerung an die Alpwirtschaft hat. In Befragungen wurde abgeklärt, welche Funktionen der Alpwirtschaft für wichtig gehalten wird, was den Befragten an der Alp-Landschaft besonders wichtig ist und was für die Alpwirtschaft besonders typisch ist. Befragt wurden drei Gruppen: Touristen, lokale Bevölkerung und übrige Schweizer Bevölkerung. Grundsätzlich schätzt keine Bevölkerungsgruppe Funktionen der Alpwirtschaft als «unwichtig» ein. Am wenigsten wichtig erscheinen touristische Angebote wie Schaukäsereinen, während Landschaftspflege, Ökologie oder die Produktion von Spezialitäten als wichtig erachtet werden. In der Alplandschaft sind artenreiche Weiden und traditionelle Zeugen der Alpwirtschaft, wie zum Beispiel Gebäude und Kulturlandschaft, besonders wichtig. Moderne Alpgebäude und Asphaltstrassen lehnt die Schweizer Bevölkerung eher ab. Zur typischen Alpwirtschaft gehören für die Schweizerbevölkerung Blumenwiesen und traditionelle Gebäude sowie Produktionsformen. Intensive Produktionsformen und eine zu starke Ausrichtung auf den Tourismus bezeichnet sie als untypisch.

Die Bedeutung der Artenvielfalt auf die Landschaftspräferenz im Berggebiet wurde im Rahmen einer Diplomarbeit untersucht. An zentralen Orten in Zürich und St. Gallen wurden insgesamt 200 Passantinnen und Passanten 6 Bilder mit unterschiedlichem Anteil an artenreichem bzw. artenarmem Grasland vorgelegt. Die Resultate zeigen eine deutliche Präferenz von artenreichem Grasland.

Zusammenhang zwischen Produktion und Biodiversität

Artenvielfalt und Futterproduktion gehören zu den wichtigsten Funktionen der Alpweiden. Sie werden von natürlichen Faktoren wie Boden oder Klima sowie von der Bewirtschaftung beeinflusst. Die Weidewirtschaft soll beide Funktionen im Sömmerungsgebiet aufrecht erhalten. Zu diesem Zweck sind quantitative Kenntnisse nötig über den Einfluss der Bewirtschaftung sowie über den Zusammenhang zwischen den beiden Funktionen Artenvielfalt und Produktion. Erhebungen vom Sommer 2011 zufolge nimmt auf aktuell beweideten Sömmerungsflächen die Artenzahl der Pflanzen mit zunehmender Beweidungsintensität ab. Besonders artenarme Bestände sollten demnach geschont werden. Oft ist das Weidegebiet eines Alpbetriebs aber in nur wenige grosse Schläge unterteilt, da der Aufwand einer gezielten Weideführung gross ist. Das angestrebte Optimum zwischen Produktion und Artenvielfalt wird aus dem Zusammenhang zwischen den zwei Funktionen ersichtlich. Auf wenig bis mittel produktiven Weiden ist die Pflanzenartenzahl am höchsten. Während aber auf der einen Alp auch bei hoher Futterproduktion noch eine grosse Vielfalt der Pflanzenarten gewährleistet ist, fällt bei einer anderen die Artenvielfalt mit zunehmender Produktion steil ab. Je nach Situation der Alp kann in dem Fall eine Vermarktung ihrer Natur- bzw. Kulturwerte in Betracht gezogen werden.

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