Schweizer Alpen: Spagat zwischen Rummelplatz und Ruhepol

Die Alpen sind wichtigste Grundlage für den Tourismus, gleichzeitig aber auch Natur- und Kultur- und Wirtschaftsraum. Im Workshop «Rummelplatz oder Ruhepol? Die Alpen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Ansprüche» diskutierten die Teilnehmer über ihre Vorstellungen zur Entwicklung der Alpen.

Die Waage zwischen Erholungsgebiet und Massentourismus zu halten, stellt die Experten vor eine schwierige Aufgabe.
Die Waage zwischen Erholungsgebiet und Massentourismus zu halten, stellt die Experten vor eine schwierige Aufgabe. Foto: © berggeist007 / pixelio.de
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Verkommen die Alpen zu Disneyland? Wo bleibt das Authentische? Solche Fragen beschäftigen Vertreter des Landschafs- und Umweltschutzes, Sportler und Tourismusvertreter zu Beginn des Workshops. Schnell wird klar, dass dem Gast von heute der Berg als Spektakel nicht mehr genügt, und dass eine gewisse Inszenierung notwendig scheint, um genügend Wertschöpfung zu generieren. Das «Zurück zur Natur» garantiere heute niemandem mehr ein Auskommen. Doch es wurden auch Ängste geäussert, dass insbesondere naturnahe Sportarten, wie Skitourengehen und Klettern, immer mehr an den Rand gedrängt werden. Einerseits durch den zunehmenden Bau von Infrastruktur, und andererseits durch die Ausweisung von Schutzgebieten. Dass aber genau diese Sportarten, die auch ein gewisses Risiko innehaben Menschen einen Gegenpol zur überreglementierten, übersicherten Alltagswelt ermöglichen, und dass Sie damit einen wichtigen gesellschaftlichen Wert darstellen, geht oftmals vergessen.

Diskutiert wurde auch der folgende Ansatz: Je grösser die Umweltbelastung und die Eingriffe einer Erholungsnutzung und einer Sportart in die Natur sind, desto rigoroser sind sie räumlich so zu planen und zu gestalten, dass keine noch unbelasteten Naturräume in Anspruch genommen werden. Umgekehrt gilt: Je geringer die Umweltbelastung und der menschliche Fussabdruck in der Natur sind, desto grossräumiger kann dafür Natur und Umwelt in Anspruch genommen werden.

Einig wurde man sich insofern, als dass eine Entwicklung, die in einem einheitlichen Angebot von Scuol bis Anniviers resultiert, nicht  zu begrüssen ist. Vielmehr braucht es eine differenzierte Entwicklung, die Platz bietet für touristisch intensiv genutzte Gebiete auf der einen Seite, aber auch für solche, wo der Berg sein eigenes Spektakel bleiben darf. Eine Forderung, die die Alpenschutzorganisation «mountain wilderness» mit ihrem Ziel, die ursprüngliche Bergnatur zu erhalten und einen umweltverträglichen Bergsport zu fördern, nur unterstützen kann.

Am Workshop teilgenommen haben:

Diskussion: Hans Weiss, ehemaliger Geschäftsleiter Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und des Fonds Landschaft Schweiz, Stephan Otz, Direktor Interlaken Tourismus, Ernst Flütsch, Berggasthaus Sulzfluh, St. Antönien, Urs Wohler, Direktor Engadin Scuol Tourismus, Martin Scheel, Sportkletterpionier.

Moderation: Katharina Conradin, mountain wilderness Schweiz, katharina.conradin@mountainwilderness.ch

 

 

Quelle: NATUR