Sackgebühr auf alle Tragetaschen: Klimaschutz oder Schikane?

Geht es nach dem Bundesamt für Umwelt, so soll künftig auf alle Einkaufstaschen in Schweizer Läden eine Sackgebühr erhoben werden. Das Verbot der Gratisabgabe würde sowohl Plastik- als auch Papiertüten umfassen. Der Vorschlag sorgt jedoch bereits für kräftigen Gegenwind.

Sackgebühr für alle Plastiksäckli in Schweizer Läden gefordert
Sind bald alle Einkaufstaschen kostenpflichtig? Foto: Hemera / Thinkstock
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Um der weltweiten Umweltverschmutzung entgegenzuwirken, will der Bund Tragetaschen an den Ladenkassen in der Schweiz deutlich reduzieren. 2012 wurde dafür bereits das endgültige Aus der weissen Wegwerfsäckli entschieden. Dieser Beschluss reicht dem Bund jedoch nicht aus, um den verschwenderischen Umgang mit Papier und Plastik einzudämmen. Deshalb fordert er das Verbot der Gratisabgabe «jeglicher Arten von Taschen, wie zum Beispiel Säcke und Beutel, unabhängig vom Material, aus dem sie gefertigt sind».

Aber was bringt es der Umwelt wirklich, wenn Tragetaschen nur noch gegen eine Gebühr ausgegeben werden? Diese Frage wird seit dem Vorschlag heiss diskutiert.

Für den Gewerbeverband ist Tragetaschen-Verbot reine Schikane

Der Radikalschlag gegen alle Gratissäckli ist speziell dem Schweizerischem Gewerbeverband sgv ein Dorn im Auge. «Das ist eine unnötige und sinnlose Schikane für den Detailhandel und sowohl wirtschafts- als auch konsumentenfeindlich», kommentiert Henrique Schneider, Ressortleiter für Wirtschaftspolitik beim sgv gegenüber baz.ch. Laut Schneider rechne der sgv mit grossem Widerstand seitens seiner 280 Mitgliederverbände und deren Konsumenten, da sich diese bevormundet fühlen könnten. Die Detailhändler wollten sich derweil noch nicht zu dem möglichen Verbot äussern. Sie warten mit einer Stellungnahme bis das Bundesamt für Umwelt die Details seines Vorschlags bekannt gibt.

Auch bei Konsumenten wird der Vorschlag heiss diskutiert

Viele Konsumenten sind nicht mit der Einführung einer generellen Sackgebühr einverstanden, wie eine Umfrage auf 20min.ch zeigt. 60 Prozent der knapp 12‘000 Teilnehmer sprechen sich dagegen aus. In vielen Kommentaren zur Sackgebühr zeigt sich Kritik an zusätzlichen Kosten für überteuerte Tragetaschen, die auf Konsumenten zukommen würden. Stimmen für den Vorschlag findet man dort nur vereinzelt. Einige Leser fordern stattdessen andere Massnahmen gegen Umweltverschmutzung, wie beispielsweise eine Annahmestelle für Plastiksäcke.

Die Facebook-User von nachhaltigleben.ch haben sich allerdings auschliesslich positiv zu dem möglichen Verbot geäussert. So schreibt eine Userin: «Bin dafür. Wer nicht seine eigene Tasche mitbringt, soll bezahlen». Eine weitere Userin ist ebenfalls für die generelle Sackgebühr und argumentiert im Sinne der Nachhaltigkeit, da Plastiksäcke eine «absolute Verschwendung» darstellen würden.

Den Streit umgehen und das Klima schützen kann man aber ohnehin schon jetzt. Wer für den Einkauf mitgebrachte Stofftüten parat hält oder robuste Plastiksäcke mehrmals benutzt, braucht in keinem Fall etwas dazu bezahlen und produziert keinen unnötigen Müll, der letztendlich oftmals im Meer landet.

Quellen: 20min.ch, tagesanzeiger.ch, admin.ch; Text: Petra Zölle