Raumplanung von Natur und Landschaft betrifft uns alle

Der Workshop «Raumplanerische Konzepte zur Gestaltung von Natur und Landschaft in Regionen» behandelte wichtige Fragen, ob raumplanerische Ansätze überhaubt in die richtige Richtung gehen und wo noch Handlungsbedarf besteht.

Nationalrat Sep Cathomas spricht über das Thema der Raumplanung von Natur und Landschaft.
Nationalrat Sep Cathomas spricht über das Thema der Raumplanung von Natur und Landschaft. Foto: © natur.ch
  • 0

Sowohl auf regionaler Ebene als auch auf Bundesebene existieren heute zahlreiche raumplanerische Instrumente mit denen Nutzungen gesteuert und Aspekte von Natur und Landschaft gezielt berücksichtigt werden können. Aus Sicht der Organisatoren des Work­shops besteht auf regionaler Ebene vor allem eine Lücke bei umfassenden Land­schafts­zielen, welche für komplexe oder rasch wandelnde Ansprüche eingesetzt werden können und Aspekte der Siedlung und Landschaft gemeinsam behandeln. Solche Landschaftsziele würden eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden regionalen Instrumenten, die vor allem auf einen konkreten Vollzug ausgerichtet sind, wie beispielsweise Vernetzungskonzepte, Förder- oder Schutzgebiete, Lenkung der Erholungsnutzung und Sachplanungen, bieten.

Auf Bundesebene wurden gerade in den vergangenen Jahren verschiedene Grundlagen aber auch Förderinstrumente geschaffen oder befinden sich kurz vor ihrem Abschluss. Sie bieten eine wichtige Unterstützung der Kantone und Regionen im Vollzug. Es ist aber wichtig, dass solche «bottom-up Ansätze» des Bundes auch mit übergeordneten gesamtschweizerischen Grundlagen ergänzt werden. Der in den Kantonen und Regionen breit ausgerichtete Vollzug in Natur und Landschaft muss zumindest nach gemeinsamen Grundsätzen schweizweit ausgerichtet werden.

Auslöser für den Workshop

Gegenwärtig herrscht ein Unbehagen gegenüber der Raumplanung und ihren Instrumenten, bei der Behandlung der Landschaft. Setzt die Raumplanung überhaupt ihre Instrumente genügend für die Bereiche Natur und Landschaft ein? Wo bestehen Lücken und welche weitere Stossrichtung soll verfolgt werden? Diese Fragen sollen auf den Ebenen Region und Bund anhand von zwei kurzen Inputreferaten diskutiert werden. Der Einstieg wird jeweils mit Thesen und Antithesen angeregt. Weil der Workshop kurzfristig abgesagt werden musste, wird im Folgenden anstelle der Meinung von Workshop-Teilnehmenden eine kurze Analyse der Workshop­verfasser wiedergegeben.

Input-Referat zu den Raumplanungsinstrumenten auf Stufe Region

Auf der Ebene Region existiert heute ein breites Instrumentarium, um Aspekte von Natur und Landschaft mit raumplanerischen Instrumenten zu steuern. Der kantonale Richtplan stellt in vielen Kantonen ein sehr wichtiges Lenkungsinstrument dar, mit dem die verschiedenen Nutzungen wie Landwirtschaft, Freizeit, Sport etc., welche die Natur und Landschaft direkt beeinflussen, koordiniert werden. Zur Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema Natur und Landschaft kann zudem mit attraktiven Broschüren auf das Thema Landschaft aufmerksam gemacht werden. Für konkrete Fragestellungen oder  Projekte -  Beispiel Windenergie - lassen sich gezielt Landschaftskonzepte erarbeiten  wie das «Concept éolien du Canton du Neuchâtel». Ein solches Konzept kann zwar nicht alle Probleme lösen, aber in einem grösseren Rahmen Konfliktoptimierungen anbieten. Das Windenergiekonzept des Kantons Neuenburgs stützt sich zudem auf den kantonalen Richtplan.

Ein interessantes Beispiel, um Zielvorstellungen als Grundlage für regionale Planungen  zu entwickeln, stellt ein partizipativer Prozess zum Thema «künftige Landschaftsziel­setzungen»  der Region Zürich und Umgebung dar. In einem mehrjährigen Prozess mit Stakeholders und den Regionen hat der Regionalplanungsverband Entwicklungen der Landschaft und Ziele diskutiert und dabei ein «Landschaftssytem RZU» erarbeitet. Ziel ist es, ein gemeinsames Freiraumsystem zu erlangen.

Nicht alle Regionen befinden sich in der komfortablen Lage, dass bereits weite Kreise für Themen im Bereich Natur und Landschaft sensibilisiert sind. Oftmals braucht es dazu zuerst eine Phase der Bewusstseinsbildung. Ein gutes Beispiel dafür ist die Charta Vierwaldstättersee. Der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee - Auslöser der Charta - musste dabei zahlreiche Hindernisse überwinden, damit sie überhaupt entstehen konnte.