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Oxyle gewinnt Green Business Award mit PFAS-Technologie

PFAS sind für viele Menschen abstrakt – bis es um Trinkwasser, Grundwasser und die Frage geht, wie sich diese extrem langlebigen Chemikalien wieder aus der Umwelt entfernen lassen. Dass das Zürcher ETH-Spin-off Oxyle nun mit dem Green Business Award 2026 ausgezeichnet wurde, macht ein Thema sichtbar, das auch die Schweiz direkt betrifft: sauberes Wasser, technische Innovation und die Suche nach Lösungen für «Ewigkeitschemikalien».

Wasserprobe im Labor mit Analyse-Umfeld
PFAS in Wasser gelten auch in der Schweiz als wichtiges Umweltthema. © Gemini / Google

Warum diese Auszeichnung mehr ist als ein Startup-Erfolg

Herzlichen Glückwunsch! Oxyle wurde für eine Technologie ausgezeichnet, die PFAS aus Wasser nicht nur zurückhalten, sondern zerstören soll. Das ist ein wichtiger Unterschied. Viele bisher eingesetzte Verfahren verlagern das Problem vor allem: Die Stoffe werden aus dem Wasser entfernt, bleiben aber in Filtern, Konzentraten oder belasteten Reststoffen erhalten und müssen weiter behandelt oder entsorgt werden.

Genau deshalb ist die Meldung auch aus Nachhaltigkeitssicht relevant. Wenn eine Schweizer Firma an einer Lösung arbeitet, die besonders problematische kurz- und ultrakurzkettige PFAS abbauen kann, dann geht es nicht nur um Forschungserfolg. Es geht um Infrastruktur, öffentliche Gesundheit, Regulierung und die Frage, wie die Schweiz auf ein wachsendes Umweltproblem reagieren kann.

Was sind PFAS überhaupt?

PFAS ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Dahinter steht eine sehr grosse Stoffgruppe mit Tausenden chemischen Verbindungen. Sie werden seit Jahrzehnten eingesetzt, weil sie Wasser, Fett und Schmutz abweisen oder hohen Temperaturen standhalten. PFAS finden oder fanden sich etwa in Feuerlöschschäumen, industriellen Prozessen, Beschichtungen, Verpackungen oder Textilien.

Das Problem: Viele PFAS sind chemisch so stabil, dass sie in der Umwelt nur sehr langsam oder praktisch gar nicht abgebaut werden. Darum werden sie oft «Ewigkeitschemikalien» genannt. PFAS stehen daher wegen ihrer Persistenz, ihrer weiten Verbreitung und möglicher Gesundheitsrisiken seit einigen Jahren besonders stark im Fokus der Umweltpolitik.

Warum PFAS auch in der Schweiz relevant sind

PFAS sind kein fernes Problem aus Industriegebieten im Ausland. Sie betreffen auch die Schweiz. Das Bundesamt für Umwelt beschreibt PFAS als weit verbreitete Umweltkontaminanten, die unter anderem in Gewässern, Böden und teils im Grundwasser nachgewiesen werden. Gerade beim Grundwasser ist das bedeutsam, weil es in der Schweiz eine zentrale Quelle für Trinkwasser ist.

Was Oxyle besonders macht

Der zentrale Punkt an der ausgezeichneten Technologie ist der Anspruch, PFAS nicht nur zu sammeln, sondern abzubauen. Das ist wissenschaftlich und praktisch anspruchsvoll, weil gerade die starken Kohlenstoff-Fluor-Bindungen PFAS so widerstandsfähig machen. Konventionelle Verfahren wie Aktivkohle oder Membranprozesse können je nach Stoffklasse wirksam sein, stossen aber besonders bei kurzkettigen PFAS an Grenzen oder erzeugen einen konzentrierten Abfallstrom.

Wenn ein Verfahren dagegen die Schadstoffe direkt zerstört, kann das die Behandlung langfristig nachhaltiger machen. Entscheidend wird sein, wie gut diese Technologie unter realen Bedingungen funktioniert: also bei unterschiedlichen Wasserqualitäten, im Dauerbetrieb, mit vertretbarem Energieeinsatz und ohne problematische Nebenprodukte. 

Warum kurz- und ultrakurzkettige PFAS so schwierig sind

In der öffentlichen Debatte stehen oft bekannte Einzelstoffe wie PFOA oder PFOS im Vordergrund. Doch technisch besonders herausfordernd sind häufig kurzkettige und ultrakurzkettige PFAS. Sie sind sehr mobil, können Wasser gut passieren und lassen sich mit herkömmlichen Adsorptionsverfahren oft schlechter zurückhalten.

Das macht Lösungen wie jene von Oxyle interessant. Denn je stärker die Regulierung ganze PFAS-Gruppen in den Blick nimmt, desto wichtiger werden Verfahren, die nicht nur einige bekannte Stoffe erfassen, sondern auch mit schwer behandelbaren Verbindungen umgehen können. Das entspricht auch dem aktuellen wissenschaftlichen Trend, PFAS nicht mehr nur als Einzelstoffproblem zu betrachten, sondern als Stoffklasse mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften.

Was bedeutet das für Umweltpolitik und Wirtschaft?

Der Preis ist auch ein Signal für den Standort Schweiz. Er zeigt, dass Cleantech aus Hochschulnähe zunehmend dort relevant wird, wo Forschung, Markt und Regulierung zusammenkommen. PFAS sind dafür ein gutes Beispiel: Sobald strengere Grenzwerte, Monitoringprogramme und Sanierungsanforderungen kommen, wächst der Bedarf an belastbaren technischen Lösungen.

Für Unternehmen bedeutet das: Umwelttechnologie ist nicht nur ein Image-Thema, sondern Teil zukünftiger Wettbewerbsfähigkeit. Für die Politik bedeutet es: Innovationsförderung allein reicht nicht, wenn gleichzeitig belastete Standorte, Eintragsquellen und Grenzwerte nicht systematisch bearbeitet werden. Und für Wasserversorger heisst es, dass Prävention und Aufbereitung künftig noch enger zusammengedacht werden müssen.

Was du als Leser:in dazu wissen solltest

  • PFAS sind langlebig: Einmal in der Umwelt, bleiben viele dieser Stoffe über sehr lange Zeit erhalten.
  • Nicht alle PFAS verhalten sich gleich: Gerade kurzkettige Stoffe sind oft besonders mobil und technisch schwerer zu entfernen.
  • Filtern ist nicht dasselbe wie zerstören: Nachhaltig sind vor allem Verfahren, die das Problem nicht nur verlagern.
  • Die Schweiz ist betroffen: PFAS spielen auch hier bei Grundwasser, Trinkwasser und Regulierung eine wachsende Rolle.

Mini-FAQ

Was macht Oxyle besonders?

Das Unternehmen wurde für eine Technologie ausgezeichnet, die PFAS aus Wasser nicht nur entfernen, sondern abbauen soll. Das wäre ein Fortschritt gegenüber Verfahren, die die Stoffe lediglich konzentrieren und damit in ein anderes Entsorgungsproblem verschieben.

Was sind PFAS?

PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – eine sehr grosse Gruppe industriell hergestellter Chemikalien. Viele davon sind extrem beständig und deshalb in Umwelt und Wasser ein langfristiges Problem.

Ist mein Trinkwasser deshalb automatisch belastet?

Nein. Die Meldung bedeutet nicht, dass überall akute Gefahr besteht. Sie zeigt aber, warum Überwachung, Vorsorge und neue Aufbereitungstechnologien wichtig werden. Die Qualität des Trinkwassers hängt stark von Region, Eintragsquellen und lokaler Wasseraufbereitung ab.

Warum ist «Zerstörung» von PFAS so wichtig?

Weil PFAS sonst oft nur aus dem Wasser in Filtermaterialien oder Konzentrate verschoben werden. Erst wenn die Moleküle tatsächlich aufgespalten und unschädlich gemacht werden, ist das Problem nachhaltiger gelöst.

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