Olympia 2022: Was den Kunstschnee so problematisch macht

15.02.2022 – Skispringen vor winterlicher Kulisse ist in den Regionen Zhangjiakou und Yanqing nur dank Kunstschnee möglich. Denn wo aktuell die Winterspiele stattfinden, ist eigentlich eine Wüste. Das hat Folgen für Einheimische und Klima.

Schneekanone in den Bergen
Schnee gibt's bei Olympia 2022 nur aus der Kanone. © Animaflora / iStcok / Getty Images Plus
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Damit in den trockenen Regionen Zhangjiakou und Yanqing die Ski- und Rodel-Wettkämpfe stattfinden können, werden die Berge in der Nähe von Peking seit vier Monaten mit Kunstschnee berieselt.

Der gesamte Schnee der Olympiade stammt dieses Jahr aus den Kanonen. Carmen de Jong, Professorin für Hydrologie an der Universität Strassburg, betitelte die Winterspiele in Peking gegenüber dem Spiegel darum als die unnachhaltigsten Olympischen Spiele aller Zeiten.

Sie kritisiert seit einigen Jahren den Aufwand, der rund um die Welt für Pisten aus Kunstschnee betrieben wird. Zwar hagelt es gerade vor allem negative Schlagzeilen wegen des Kunstschnees in China, bei aller Kritik muss jedoch bedacht werden, dass weltweit Kunstschnee zum Einsatz kommt und bereits bei den letzten Winterspielen in Pyeongchang, Sotschi und Vancouver notwendig war.

Die Problematik: Schnee trotz Steppenklima

Gerade in den Regionen um Peking, in denen die Winterspiele stattfinden, hat der Kunstschnee jedoch fatale Folgen, die vor allem die einheimischen Bauern zu spüren bekommen.

Zwar fallen die Temperaturen im Norden des Landes auch mal auf minus 30 Grad Celsius, doch Niederschlag gibt es hier kaum. In Zhangjiakou beispielsweise fallen laut climate-data.org jährlich gerade mal 403 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und das dortige Klima wird als Steppenklima bezeichnet.

Zum Vergleich: In Zürich fallen durchschnittlich rund 1'460 Liter Niederschlag pro Jahr und Quadratmeter.

2 Milliarden Liter Wasser

Das Wasser, das als Schnee auf den Olympiapisten landet, stammt unter anderem aus Wasserreservoiren, die eigentlich den Bauern zur Bewässerung ihrer Felder dienen. Aber auch das Trinkwasser der Hauptstadt Peking stammt zu Teilen aus diesen Reserven.

De Jong schätzt, dass rund 2 Milliarden Liter Wasser für den Kunstschnee für die diesjährigen Olympischen Spiele benötigt werden. In Regionen, in denen nicht das ganze Jahr über Regen fällt wie hierzulande, können diese Mengen ein Problem für Mensch und Natur darstellen.

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