Wie ist Tourismus und Energetische Landschaftsnutzung zu vereinen?

Wenn die Landschaft nicht verbaut wird und ihre ursprüngliche Schönheit behält, ist der Nutzen durch den Tourismus grösser.

Wenn die Landschaft nicht verbaut wird und ihre ursprüngliche Schönheit behält, ist der Nutzen durch den Tourismus grösser. Foto: © Peter Freitag  / pixelio.de

Lösungsansätze und Thesen

Die Diskussion um die touristische und/oder energetische Nutzung von Landschaften  muss von einer Diskussion um gesellschaftliche Werte und Verhaltensweisen begleitet werden.

Die Landschaft ist der grösste Trumpf des Schweizer Tourismus. Sie definiert sich in der Schweiz durch eine Kombination von Natur- und Kulturlandschaften.

Das Ziel muss sein, die Vielfalt von Natur- und Kulturlandschaften in der Schweiz  für eine touristische Nutzung zu bewahren: Je einmaliger eine Landschaft ist, spezielle Landschaftsmerkmale wie Kreten, geologische Formationen, rare Kulturlandschaften wie Terrassenlandschaften, desto mehr sollte sie in der Regel vor landschaftsfremden Elementen geschützt werden.

Eine veränderte Nutzung der Landschaft ist anzustreben. Ein Indikator für Ausbauvorhaben ist der (touristische) Erschliessungsgrad einer Landschaft, einerseits und ihr historisches Erbe andererseits. Je mehr Infrastrukturen bereits bestehen, umso eher sollte der Bau neuer energetischer Anlagen möglich sein.

Gebiete, welche aus Gründen des Landschafts- und Naturschutzes auf die Nutzung erneuerbarer Energien verzichten, sollen Ausgleichzahlungen erhalten.

Anlagen für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien werden oft kantonsübergreifend geplant. Deshalb braucht es verbindliche Planungsinstrumente auf Stufe des Bundes zur Zuweisung von Nutz- und Schutzgebieten.

Grossanlangen in Landschaften sind nicht per se abzulehnen. Sie können touristisch wertvoll sein, wenn diese Faktoren gegeben sind:

  • Erst- und damit Einmaligkeit, wie zum Beispiel die Grimselstaumauern und die Windkraftanlage Mt. Crosin
  • Kühnheit, wie zum Beispiel Landwasserviadukt Filisur
  • Architektonische Qualität, wie zum Beispiel Sunnibergbrücke Klosters

Grossanlagen können einen touristischen Wert haben, wenn sie:

Bei der Standortwahl für Anlagen für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien müssen die energetischen Vorteile die Nachteile der Beeinträchtigung der Landschaft bei weitem überwiegen.

Der Klimawandel wird die Landschaft verändern. Wo möglich sollten Anlagen für erneuerbare Energien in neue Schutzbauten oder in alpine Infrastrukturen, Bahnen und Beschneiung integriert werden.

Die Mehrzahl der Workshopteilnehmenden war der Auffassung, dass bei Wasserkraftanlagen der Ausbau von bestehenden Anlagen respektive der Neubau von wenigen grossen Anlagen einer Vielzahl von Kleinkraftanlagen vorzuziehen ist. Im Beispiel Bachlägernfall stufte die Mehrheit den Wert der unverbauten Landschaft mit den Elementen Gebirgsbach und Wasserfall als für den Tourismus wertvolles Gut ein, das Vorrang vor der Energieproduktion habe. «Lieber ein unbewohntes Alpental fluten, als jeden Gebirgsbach für die Energieproduktion zu verbauen», fasste es ein Teilnehmer in Worte. Als unkritisch wurde auch das Beispiel der Lawinenverbauung von St. Antönien gewertet. Das in die Verbauung integrierte Solarkraftwerk ist optisch unauffällig und es besticht durch einen hohen Wirkungsgrad. Zudem bringt es als zusätzliches Element Wertschöpfung in eine Berggemeinde mit wenigen wirtschaftlichen Angeboten. Am kontroversesten wurde der Windpark im Val Lumbrein diskutiert. Er ist noch im Planungsstadium. Während einige den ästhetischen Aspekt auf die Landschaft als negativ bewerteten, störten sich andere nicht daran.

Als Quintessenz lässt sich aus der Diskussion ziehen, dass die unbebaute Landschaft einen touristischen Wert besitzt. Jeder Fall muss nach Kriterien des Landschaftsschutzes, der Raumplanung, der regionalen Wertschöpfung, des Tourismus und der Energieeffizienz bewertet werden.

Die Thesen werden von den beiden veranstaltenden Verbänden Schweizer Tourismus-Verband und Stiftung Landschaftsschutz Schweiz zur Klärung ihrer Positionen im Interessensdreieck Landschaft – Tourismus – Energie weiterbearbeitet.

Vorbereitung und Moderation für den Workshop:

Mila Trombitas, lic.phil.hist., Schweizer Tourismus-Verband
Dr. Matthias Rapp, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

 

Quelle: NATUR