Zum Inhalt

Von wegen reine Bergluft: So steht es wirklich um die Schweizer Luftqualität

Wer an die Schweiz denkt, hat meistens Bilder von schneebedeckten Gipfeln und glasklarer, sauberer Alpenluft im Kopf. Doch der aktuelle World Air Quality Report des Schweizer Messunternehmens IQAir holt uns ziemlich unsanft aus diesem Postkartenidyll ab. Die Realität ist: Auch wir haben ein fettes Feinstaubproblem.

Blick auf eine schweizer Berglandschaft mit einer Stadt und See im Tal unter einer Nebeldecke
Die Realität hinter dem Postkartenidyll: Ein sichtbarer Dunstschleier aus Feinstaub trübt die vermeintlich reine Luft in vielen Schweizer Tälern. © Gemini / Google

Der globale Kontext: Saubere Luft ist absolute Mangelware

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ziemlich strenge Richtlinien aufgestellt. Damit Luft als wirklich unbedenklich für unsere Gesundheit gilt, darf die Konzentration von feinstem Feinstaub (PM2.5) im Jahresmittel den Wert von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschreiten.

Die Bilanz des IQAir-Berichts zeigt, wie utopisch dieser Wert inzwischen geworden ist:

  • Gerade mal 13 Länder und Territorien weltweit schaffen es überhaupt noch, diese Grenzwerte einzuhalten. Darunter sind Island, Estland, Andorra und ein paar Inselstaaten.
  • Ganze 91 Prozent aller untersuchten Länder verfehlen die WHO-Empfehlungen.
  • Nur noch magere 14 Prozent aller Städte weltweit weisen eine unbedenkliche Luftqualität auf.

Die Schweiz im Sinkflug: Über 30 Prozent mehr Feinstaub

Klar, im Vergleich zu den am stärksten belasteten Regionen in Südasien stehen wir noch halbwegs solide da. Aber die Trends für die Schweiz zeigen steil in die falsche Richtung:

  • Der Anstieg: Die PM2.5-Konzentration in der Schweiz ist im vergangenen Erhebungsjahr von 7,3 auf 9,7 Mikrogramm pro Kubikmeter gestiegen. Das ist ein satter Sprung von über 30 Prozent.
  • Der Absturz: Damit rutscht die Schweiz im globalen Vergleich auf Platz 98 von 143 ab. Wir stehen damit aktuell schlechter da als Deutschland oder Russland.
  • Die Hotspots: Die schlechteste Luft im Land wurde in Liestal und Chiasso mit jeweils 13,5 Mikrogramm gemessen.
  • Der Lichtblick: Am saubersten war die Luft im Tessiner Gambarogno mit 4,7 Mikrogramm. Das ist der einzige Ort im Schweizer Datensatz, der den WHO-Grenzwert knackt.

Woher kommt plötzlich die dicke Luft?

  1. Der IQAir-Bericht macht für die weltweite und auch die Schweizer Verschlechterung vor allem extreme Wetter- und Umweltphänomene verantwortlich, die keine Landesgrenzen kennen:
  2. Der Klimawandel und Waldbrände: Der dichte Rauch gigantischer Waldbrände (unter anderem in Nordamerika) zog über die Ozeane und hat auch unsere Luft messbar verschlechtert.

  3. Sahara-Staub: Regelmäßige Wetterphänomene trugen tonnenweise Wüstenstaub über die Alpen.

Wenn wir den Bericht mal beiseitelegen und die Daten des Schweizer Bundesamts für Umwelt dazunehmen, wissen wir aber auch: Wir sind nicht ganz unschuldig. Neben diesen globalen Ereignissen sorgen der lokale Verkehr, die Landwirtschaft und das Heizen mit Holz im Winter dafür, dass die Werte bei uns regelmäßig zu hoch sind.

Warum uns das kümmern sollte? Diese winzigen Feinstaubpartikel sind so klein, dass sie tief in die Lunge und sogar in die Blutbahn eindringen können. Das geht auf die Atemwege, belastet das Herz-Kreislauf-System und kostet das Gesundheitssystem jährlich Unmengen an Geld.

Was denkt ihr über die Ergebnisse? Überrascht euch das Abschneiden der Schweiz, oder habt ihr das Gefühl der schlechteren Luft im Alltag schon bemerkt? Schreibt es uns in die Kommentare!

1 Kommentar

?
L

Luftikus

Habt Ihr gewusst: Luftqualität messen ist eine Wissenschaft! Aus diesem Grund gibt es u.a. kantonale Fachstellen für Luftqualität . Die hier erwähnte IQAir ist dort auch bekannt, allerdings gibt es keine aktive Zusammenarbeit (trotz Schweizerkreuz als Logo!) , d.h. die Daten, die ihr dort findet, sind teilweise nicht überprüfbar. Wenn ihr seriöse Daten zu den aktuellen Luftschadstoffen anschauen wollt, geht auf airCHeck.ch. (https://cerclair.ch/aircheck) - gratis, werbefrei, ortsgenau.

Kommentar melden

Danke für deine Mithilfe! Wir überprüfen den Beitrag in Kürze.

Bist du sicher, dass du diesen Kommentar melden willst?
Weitere Artikel
Die Stadt der Zukunft ist grün und urban Die Stadt der Zukunft ist grün und urban Keimkiller: Natürliches Antibiotikum tötet resistente Bakterien Keimkiller: Natürliches Antibiotikum tötet resistente Bakterien Velos zum Ausleihen: Ein weiteres Angebot für die Zürcher Velos zum Ausleihen: Ein weiteres Angebot für die Zürcher Biodiversität fördern: Schon 4 m² Wildblumenwiese reichen Biodiversität fördern: Schon 4 m² Wildblumenwiese reichen Initiative fordert neue Atomkraftwerke Initiative fordert neue Atomkraftwerke Akkus aus Krebstierschalen sollen Lithium-Ionen-Batterien ersetzen Akkus aus Krebstierschalen sollen Lithium-Ionen-Batterien ersetzen

Meistgelesene Artikel

Neues
Was kann ich alles mit Bärlauch machen? 13 feine Rezept-Ideen Was kann ich alles mit Bärlauch machen? 13 feine Rezept-Ideen Mit Einfrieren, Trocknen und mehr: So kannst du Bärlauch haltbar machen Mit Einfrieren, Trocknen und mehr: So kannst du Bärlauch haltbar machen Bärlauch sammeln: Wie du das Kraut erkennst und richtig erntest Bärlauch sammeln: Wie du das Kraut erkennst und richtig erntest Gesundes Vollkornbrot selber backen: Mit diesem Rezept geht’s im Nu Gesundes Vollkornbrot selber backen: Mit diesem Rezept geht’s im Nu Palmöl in Schoggi und Co: Wie unser Konsum den Orang-Utan bedroht Palmöl in Schoggi und Co: Wie unser Konsum den Orang-Utan bedroht #WhoMadeMyClothes und Digital Product Passport: Wie Mode transparenter werden soll #WhoMadeMyClothes und Digital Product Passport: Wie Mode transparenter werden soll

Anmelden oder Registrieren

Melde dich kostenlos an, diskutiere mit anderen User:innen und speichere deine Artikel.
Anmelden Registrieren

Speichere deine Artikel

Logge dich ein oder erstelle einen Account und du kannst deine Artikel für später speichern.
Anmelden Registrieren