Von wegen reine Bergluft: So steht es wirklich um die Schweizer Luftqualität Theresa Keller Wer an die Schweiz denkt, hat meistens Bilder von schneebedeckten Gipfeln und glasklarer, sauberer Alpenluft im Kopf. Doch der aktuelle World Air Quality Report des Schweizer Messunternehmens IQAir holt uns ziemlich unsanft aus diesem Postkartenidyll ab. Die Realität ist: Auch wir haben ein fettes Feinstaubproblem. 1 Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Die Realität hinter dem Postkartenidyll: Ein sichtbarer Dunstschleier aus Feinstaub trübt die vermeintlich reine Luft in vielen Schweizer Tälern. © Gemini / Google Der globale Kontext: Saubere Luft ist absolute Mangelware Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ziemlich strenge Richtlinien aufgestellt. Damit Luft als wirklich unbedenklich für unsere Gesundheit gilt, darf die Konzentration von feinstem Feinstaub (PM2.5) im Jahresmittel den Wert von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschreiten. Die Bilanz des IQAir-Berichts zeigt, wie utopisch dieser Wert inzwischen geworden ist: Gerade mal 13 Länder und Territorien weltweit schaffen es überhaupt noch, diese Grenzwerte einzuhalten. Darunter sind Island, Estland, Andorra und ein paar Inselstaaten. Ganze 91 Prozent aller untersuchten Länder verfehlen die WHO-Empfehlungen. Nur noch magere 14 Prozent aller Städte weltweit weisen eine unbedenkliche Luftqualität auf. Die Schweiz im Sinkflug: Über 30 Prozent mehr Feinstaub Klar, im Vergleich zu den am stärksten belasteten Regionen in Südasien stehen wir noch halbwegs solide da. Aber die Trends für die Schweiz zeigen steil in die falsche Richtung: Der Anstieg: Die PM2.5-Konzentration in der Schweiz ist im vergangenen Erhebungsjahr von 7,3 auf 9,7 Mikrogramm pro Kubikmeter gestiegen. Das ist ein satter Sprung von über 30 Prozent. Der Absturz: Damit rutscht die Schweiz im globalen Vergleich auf Platz 98 von 143 ab. Wir stehen damit aktuell schlechter da als Deutschland oder Russland. Die Hotspots: Die schlechteste Luft im Land wurde in Liestal und Chiasso mit jeweils 13,5 Mikrogramm gemessen. Der Lichtblick: Am saubersten war die Luft im Tessiner Gambarogno mit 4,7 Mikrogramm. Das ist der einzige Ort im Schweizer Datensatz, der den WHO-Grenzwert knackt. Woher kommt plötzlich die dicke Luft? Der IQAir-Bericht macht für die weltweite und auch die Schweizer Verschlechterung vor allem extreme Wetter- und Umweltphänomene verantwortlich, die keine Landesgrenzen kennen: Der Klimawandel und Waldbrände: Der dichte Rauch gigantischer Waldbrände (unter anderem in Nordamerika) zog über die Ozeane und hat auch unsere Luft messbar verschlechtert. Sahara-Staub: Regelmäßige Wetterphänomene trugen tonnenweise Wüstenstaub über die Alpen. Wenn wir den Bericht mal beiseitelegen und die Daten des Schweizer Bundesamts für Umwelt dazunehmen, wissen wir aber auch: Wir sind nicht ganz unschuldig. Neben diesen globalen Ereignissen sorgen der lokale Verkehr, die Landwirtschaft und das Heizen mit Holz im Winter dafür, dass die Werte bei uns regelmäßig zu hoch sind. Warum uns das kümmern sollte? Diese winzigen Feinstaubpartikel sind so klein, dass sie tief in die Lunge und sogar in die Blutbahn eindringen können. Das geht auf die Atemwege, belastet das Herz-Kreislauf-System und kostet das Gesundheitssystem jährlich Unmengen an Geld. Was denkt ihr über die Ergebnisse? Überrascht euch das Abschneiden der Schweiz, oder habt ihr das Gefühl der schlechteren Luft im Alltag schon bemerkt? Schreibt es uns in die Kommentare!