Lesen, hinsehen, zuhören, vernetzen gegen Rassismus – weil aufstehen nicht reicht

Der Tod George Floyds hat uns wieder vor Augen geführt, dass Rassismus kein Problem der Vergangenheit ist. Wieso es nicht reicht, schwarze Kacheln zu posten und welche Bücher, Podcasts und Serien uns mehr über Rassismus lehren.

Lesen, hinsehen, zuhören, vernetzen gegen Rassismus – weil aufstehen nicht reicht
Zuhören gegen Rassismus. Foto © Mike Von / Unsplash
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Die USA kommen seit dem Tod George Floyds nicht mehr zur Ruhe. In zig Städten des Landes marschieren die Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt gegenüber Schwarzen.

Der Aufschrei gegen Rassismus hat längst die ganze Welt erreicht. Auch hierzulande gingen in den vergangenen Tagen mehrere Tausend Menschen auf die Strasse, um gegen Rassismus ihre Stimme zu erheben. Unter dem Slogan «Black Lives Matter» verschaffen sich Schwarze und Weisse Gehör.

Sich solidarisch zeigen – reicht das eigentlich?

Mit der Erschütterung über den Tod George Floyds kommt die Hilflosigkeit – was kann ich als einzelne, weisse Person gegen Rassismus tun? Ein Plakat, das Demonstranten bei einer Kundgebung gegen Rassismus hochhielten, fasst diese Ohnmacht gut zusammen: «We understand that we will never understand. But we stand.»

Solidarität zeigen bei Instagram mit schwarzen Kacheln

Schwarze Kacheln durchziehen Instagram seit dem Tod George Floyds. Foto © iStock / Getty Images

Aber reicht das eigentlich? Sich gegen Rassismus zu äussern, Petitionen zu unterzeichnen oder schwarze Kacheln bei Instagram zu posten und mit dem Hashtag #blacklivesmatter kundzugeben, dass man nicht rassistisch ist?

Neben demonstrieren ist es wichtig, sich über Rassismus zu informieren, das eigene Verhalten zu analysieren und aktiv zu verändern. Was bedeuten eigentlich Begriffe wie «White Privilege», «White Fragility» oder «Blackfacing»? Informieren Sie sich, holen Sie nach, was Sie als Kind schon hätte lernen sollen. Dass Rassismus nämlich nicht «nur» in Form von Diskriminierungen stattfindet, sondern eine gesellschaftliche Struktur ist, die bis weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Lesen gegen Rassismus: Buchempfehlungen

Wer eine top aktuelle und klare Aufklärungs-Lektüre zum Thema Rassismus sucht, sollte sich das Buch «Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten» von Alice Hasters zulegen.  Die Autorin berichtet darin von ihrem Alltag als Schwarze Frau in Deutschland und darüber, warum Rassismus nicht nur den rechten Rand unserer Gesellschaft betrifft.

Robin DiAingelo beleuchtet Rassismus vom Standpunkt einer weissen Frau im Buch «Wir müssen über Rassismus sprechen». Darin zeigt die Soziologin, wie wir Rassismus –  oft unbewusst – herunterspielen und als Phänomen der Vergangenheit abtun. Sehr spannend und lehrreich!

«Schwarze Menschen in der Schweiz» ist eine Studie über das Leben zwischen Integration und Diskriminierung in der Schweiz. Die Autoren zeigen sehr schön, «wie allgegenwärtig in jeder Interaktion die Hautfarbe sein kann, worüber wir uns als Weisse in einem weissen Umfeld kaum je Gedanken machen», schreibt Georg Kreis, damaliger Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus im Vorwort.

Weitere zeitgenössische Lektüren über Rassismus

  • «Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe rede» von Reni Eddo Lodge 
  • «Eure Heimat ist unser Albtraum» von Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah
  • «Zwischen mir und der Welt» von Ta-Nehisi Coates
  • «When They Call You a Terrorist» von Patrisse Khan-Cullors und Asha Bandele

Neben zeitgenössischer Literatur lernen wir auch in den älteren Werken von Toni Morrison viel über Rassismus und dessen Hintergründe. 1993 erhielt die Schriftstellerin als erste Afroamerikanerin den Nobelpreis für Literatur. Ihre Romane «Solomons Lied», «Sehr blaue Augen» und «Menschenkind» schildern Erfahrungen schwarzer Menschen in ihrem ständigen Kampf um Gleichberechtigung.

Zuhören – Podcasts, die gegen Rassismus laut werden

Für alle, die lieber zuhören anstatt zu lesen, gibt es bei Spotify spannende Podcasts über Rassismus. Besonders bekannt ist aktuell der Podcast «Exit Racism» von Tupoka Ogette. Er wird bei Spotify als interaktives Hörbuch angeboten und richtet sich insbesondere an das weisse Publikum.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Im Podcast «Kanackische Welle» tauschen sich zwei deutsche Journalisten mit palästinensischen Wurzeln zu den Themen Rassismus, multikulturelle Spannung und Identität aus. Trotz der ernsten Themen ist es den Moderatoren wichtig, Spass daran zu haben und das Thema nicht trocken und rein informativ, sondern spannend und unterhaltsam anzusprechen.

 Weitere empfehlenswerte Podcast rund um Rassismus und Identität:

Hinsehen – Filme, Serien und Social Media Profile zu Rassismus

Bei Netflix und Amazon Prime gibt es einige Serien und Filme, die das Thema Rassismus aufklärend und unterhaltsam behandeln. Von Rassismus in der Gegenwart handelt etwa die Comedy-Serie «Dear White People». Aber auch die US-amerikanische Miniserie «When They See Us» sowie die Serien «Seven Seconds» und «Pose» sind sehenswert.

In Dokumentationen wie «Speak up» (2017), «Paris brennt» (1990) oder «Der 13.» (2016) lernen Sie Rassismus aus verschiedenen Perspektiven kennen. Besonders empfehlenswert: «I Am Not Your Negro». Die Dokumentation handelt von den anti-rassistischen Kämpfen der 60er Jahre und stellt eine Verbindung zu den Black-Lives-Matter-Protesten heute  her.

Empfehlenswerte Spielfilme:

  • «12 Years a Slave» (Steve McQueen )
  • «The Hate» (Tate Taylor)
  • «The Hate U Give» (George Tillman)
  • «Get Out» (Jordan Peele)
  • «Green Book» (Peter Ferrally)

Vernetzen – Menschen mit einer Botschaft kennenlernen auf Insta

Persönliche Einblicke Betroffener und mehr zum Thema Rassismus lernen Sie auch beim Scrollen durch Instagram. Hier berichten zahlreiche dunkelhäutige Menschen und People of Color darüber, wie Rassismus heute in unserer Gesellschaft zum Ausdruck kommt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Um nur wenige Namen zu nennen: Tarik Tesfu (@tesfu_tarik), Tupoka Ogette (@tupoka.o), Charlotte Nzimiro (@charlotte_nzimiro) und Poliana Baumgarten (@polianabaumgarten) bieten ihren Followern Einblicke in persönliche Erlebnisse und sensibilisieren sie für Rassismus.