Künstliches Leben aus dem Labor: Chance oder Gefahr?

Die Manipulation ist heute ein des Öfteren verwendetes aber sehr umstrittenes Verfahren. Eine neue Forschung geht nun sogar noch einen Schritt weiter und versucht Lebewesen nicht nur zu verändern, sondern gänzlich neu zu kreieren. Welche Chancen aber auch Gefahren das birgt, lesen Sie hier.

Künstliches Leben aus dem Reagenzglas.
Künstliches Leben aus dem Reagenzglas. Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com
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Bisher galt die Maxime, genetische Veränderungen vorzunehmen, etwa um eine bessere Produktivität zu gewährleisten oder zu nachhaltigen Verbesserungen zur führen. Und schon das ist in der Bevölkerung umstritten. Nun setzt die so genannte Synthetische Biologie aber noch eins drauf und erzeugt Lebensformen, die es in der Natur gar nicht gibt. Durch ihre Bemühungen wollen die Forscher so massgeschneiderte Mikroorganismen mit neuen, nützlichen Eigenschaften erschaffen. Bakterien etwa, die nachhaltige Biokraftstoffe produzieren, auf umweltfreundliche Weise Plastikmüll verwerten oder medizinische Wirkstoffe liefern.

Für die Ereugung neuartiger Mikroorganismen, gehen die Wissenschaftler in zwei Schritten vor. Zunächst wird der schon bestehende Organismus auf ein Minimalmass reduziert. Damit wird Platz geschaffen für neue Funktionen, die von den Forschern eingesetzt werden können. In einem zweiten Schritt kann nun dieser Organismus mit einzelnen chemischen Bausteinen aus Erbgut von anderen Lebewesen bestückt werden. Damit bietet sich die Möglichkeit, auf der Basis eines Organismus ein ganz neues Lebewesen zu kreieren. Die entstandenen neuen Lebensformen können sich anschliessend natürlich vermehren und das überarbeitete Erbgut so weitergeben.

Noch ist der Wissenschaftszweig der Synthetischen Biologie jung, doch werden schon kritische Gegenstimmen laut. Der Missbrauch der neuartigen Technologie etwa im Terrorismus wird befürchtet. Bedenken gibt es auch im Bereich der Ethik, denn nur die Natur solle Leben schaffen und sei auch dazu bestimmt, auch wenn die neuen Kreationen noch so nachhaltig eingesetzt werden können. In der Schweiz ist die Synthetische Biologie jedoch trotz negativem Echo derzeit nicht verboten.

So funktioniert die Herstellung eines künstlichen Organismus

Eine Synthesemaschine setzt aus vier chemischen Bausteinen etwa 1000 Erbgutabschnitte zusammen. Diese Abschnitte werden mit der Hilfe von Hefe zu einem Ring zusammen geführt. Das so entstandene künstliche Erbgut kann nun in ein anderes Bakterium eingepflanzt werden und dort mit der gewünschten Wirkung agieren.

 

 

Quelle: 20minuten Text: Miriam Dippe