Landschaft im Wandel: Wie soll die Schweiz sich entwickeln?

Die Landschaft ist in ständigem Wandel. Wie das Landschaftsbild der Schweiz sich entwickeln soll, und welche Erwartungen wir an zukünftige Landschaftsgestaltung haben dürfen, diskutierten die Teilnehmer am Workshop «Landschaft lesen – Wahrnehmung und Darstellung von Landschaft im Wandel» im Rahmen der NATUR 2012.

Was macht eine Landschaft aus? Diese und andere Fragen diskutierten Experten am Workshop.
Was macht eine Landschaft aus? Diese und andere Fragen diskutierten Experten am Workshop. Foto: © berggeist007  / pixelio.de
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Der Workshop hat sich zum Ziel gesetzt, das gegenwärtige Verständnis von Landschaft zu diskutieren und die verschiedenen Vorstellungen von Landschaft nicht als Konfliktfeld sondern als Argumentarium aufzubauen. Landschaft muss hierbei in seinen drei Dimensionen berücksichtigt werden: Als Gegenstand (materielles Objekt und physischer Raum), als Bild oder mediale Repräsentation sowie als abstrakte Vorstellung und Imagination. In diesen drei Ebenen manifestieren sich die kulturelle Konstruktion und die damit verbundenen Wertungen.

Der Workshop umfasste drei Teile:

  • Gegenstandsbestimmung & Diskussion: Was ist Landschaft?
  • Methoden & Diskussion: Lektüre, Interpretation, Analyse
  • Beispiele & Schlussdiskussion.

In der Vorstellungsrunde aller TeilnehmerInnen zeigte sich eine grosse Vielfalt von Landschaftsverständnissen und Landschaftsbezügen. Landschaft wurde als Heimat, als Natur, als Schatztruhe, als Sackgasse, als Nicht-Bauzone, als Gestaltungsraum, als Lebensraum, als Wildnis, als Gegenstand der Wahrnehmung beschrieben. Dass sich hieraus keine allgemeingültige Definition ableiten lässt, wurde rasch deutlich. Ebenso zeigte sich eine Kluft zwischen Fachleuten und Laien oder Nutzern.

Im ersten Input wurde die Bandbreite der Zugänge zur Landschaft aus den unterschiedlichen Perspektiven von Theorie und Praxis skizziert, wobei festzustellen war, dass die Theorien oft kaum mit der realen Praxis korrespondieren, und dass vielmehr disziplinäre Erfahrungshintergründe zum Tragen kommen. In der Diskussion bestätigten die Teilnehmerinnen diese Einschätzung. Es wurde auch festgestellt, dass die Definition von Landschaft der Europäischen Landschaftskonvention in der Praxis nicht unmittelbar anwendbar ist, da auch sie nur einen Rahmen vorgibt, dessen Ausgestaltung aber dem Einzelnen bzw. den Fachdisziplinen überlassen ist. Hier wurden klarere Vorgaben von Politik und Praxis gefordert.

Der zweite Input stand unter dem Motto «Landschaft lesen»: Aus der Perspektive der Theorie von Geistes- und Sozialwissenschaft wird Landschaft nicht vermessen und analysiert, sondern vielmehr interpretiert und ausgelegt. Das Lesen von Landschaft als Text und als Spur im Sinne eines semiotischen oder hermeneutischen Prozesses bietet neue Möglichkeiten, ihre Komplexität zu entschlüsseln. Demgegenüber wurden Methoden und Instrumente der Planung besprochen. Die Diskussion zeigte, dass in der Praxis meist ein Methoden- und Instrumentenmix am weitesten führt. Vermisst wurden landschaftliche Lesekompetenzen der Bevölkerung; die hohe Bedeutung von Umweltbildung wurde mehrfach herausgestellt. Dabei sei es auch wichtig, die Bevölkerung in eine Mitverantwortung zu nehmen und für ihre Landschaften zu sensibilisieren; bei der Methodenwahl müsse man erfinderisch sein. Dass dies eine künftige Aufgabe auch für Lehre und Ausbildung sei, stand ausser Frage.

In der abschliessenden Diskussion wurden zwei Beispiele mit unterschiedlichen Massstäben und Lektürequalitäten vorgestellt: Das Aire Projekt in Genf (Groupement Superposition) und der Temporäre Garten Kalkbreite in Zürich (Gemeinschaftsprojekt). Das besondere beider Projekte, das zeigte auch die angeregte Diskussion, ist zugleich der generalistische Schlüssel zur Landschaft: Interdisziplinäres Arbeiten und der Einbezug der Bevölkerung bei der Entwicklung und Realisierung von Projekten.