Nach dem Klimafonds-Nein: So fördert dein Kanton Solar weiter Theresa Keller Das Nein zum nationalen Klimafonds verunsichert viele Menschen in der Schweiz: Was bedeutet das jetzt konkret für Heizung, Tanken, Solaranlagen und Sanierungen? Die kurze Antwort ist: Der grosse Bundes-Ausbau fällt vorerst aus, aber längst nicht alle Förderungen verschwinden. Wenn du ein Haus besitzt, sanieren willst oder über eine Solaranlage nachdenkst, lohnt sich jetzt vor allem der Blick auf bestehende Programme von Bund, Kanton und Gemeinde. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Die Ablehnung des Klimafonds bedeutet nicht, dass ihr auf Solaranlagen verzichten müsst © KI generiert / Getty Images Quick-Check: Die Schweizer Stimmbevölkerung hat den nationalen Klimafonds abgelehnt. Damit fehlen vorerst zusätzliche Milliarden für den klimafreundlichen Umbau, weshalb Bund und Kantone nun stärker mit bestehenden Instrumenten arbeiten müssen. Für dich heisst das: weniger neue Bundesgelder, aber weiterhin relevante Förderungen auf kantonaler und kommunaler Ebene. Was sich jetzt tatsächlich ändert Politisch ist das Signal klar: Der geplante nationale Zusatzschub für Klimaschutz und Energieumbau kommt nicht. Praktisch bedeutet das jedoch nicht, dass die Energiewende stoppt. Bestehende Systeme laufen weiter, darunter die Einmalvergütung für Photovoltaik, kantonale Förderprogramme für Gebäudesanierungen und verschiedene Beratungsangebote. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen neuen und bestehenden Instrumenten. Das Nein betrifft den geplanten Fonds und damit vor allem den erwarteten Ausbau von Fördermitteln. Bereits bestehende Grundlagen im CO2-Gesetz, im Gebäudeprogramm oder bei der Solar-Förderung werden dadurch nicht automatisch aufgehoben. Das zeigen die offiziellen Informationen von EnergieSchweiz, dem Bundesamt für Energie und dem Gebäudeprogramm. Keine zusätzliche Verteuerung von Öl und Gas: Eine geplante stärkere finanzielle Lenkung über höhere Abgaben kommt nicht. Heizen mit fossilen Energien und Tanken werden dadurch aber nicht billiger, sondern bleiben im Grundsatz auf heutigem Belastungsniveau. Weniger Spielraum für den Heizungsersatz: Der grosse Ausbau nationaler Hilfen für den Ersatz fossiler Heizungen fällt vorerst aus. Wer von Öl oder Gas auf eine Wärmepumpe oder einen Anschluss an ein Wärmenetz wechseln will, ist noch stärker auf kantonale Beiträge angewiesen. Kantone werden noch wichtiger: Förderprogramme für Gebäude und Energie bestehen weiter, unterscheiden sich aber je nach Wohnort deutlich. Genau deshalb lohnt sich die kantonale Übersicht des Gebäudeprogramms besonders. Weniger Anschub für Ladeinfrastruktur: Geplante zusätzliche Bundesimpulse für Ladestationen in Mehrfamilienhäusern oder Gemeinden kommen nicht in der erwarteten Form. Bleibt Solar in der Schweiz trotzdem attraktiv? Ja. Für viele Haushalte und Stockwerkeigentümer:innen bleibt Photovoltaik wirtschaftlich sinnvoll. Der wichtigste Grund: Die Einmalvergütung des Bundes besteht weiterhin. Laut Bundesamt für Energie ist sie ein zentrales Instrument, um Investitionen in Solaranlagen anzustossen. Dazu kommen in manchen Kantonen oder Gemeinden weitere Beiträge oder steuerliche Vorteile. Auch energiewirtschaftlich spricht viel für Solar. Die Schweiz will ihre inländische erneuerbare Stromproduktion ausbauen, um Versorgungssicherheit und Klimaschutz gleichzeitig zu stärken. Die ETH Zürich und weitere Schweizer Forschungseinrichtungen weisen seit Jahren darauf hin, dass Elektrifizierung, Effizienz und der Ausbau erneuerbarer Energien zusammenspielen müssen. Gerade Dachflächen auf bestehenden Gebäuden gelten dabei als besonders naheliegendes Potenzial. Für dich heisst das: Eine Solaranlage lohnt sich nicht nur wegen möglicher Fördergelder. Entscheidend sind auch dein eigener Stromverbrauch, der Zustand des Dachs, die Ausrichtung, eine mögliche Kombination mit Wärmepumpe oder Elektroauto sowie die langfristige Entwicklung der Strompreise. Fördergelder verbessern die Rechnung, sind aber meist nicht der einzige Grund für die Investition. Was bedeutet das für Heizen und Tanken im Alltag? Viele Menschen hoffen nach einem solchen Volksentscheid auf sofort sinkende Preise. Das ist ein Missverständnis. Wenn eine geplante Erhöhung von Abgaben wegfällt, bedeutet das zunächst nur, dass es nicht teurer als geplant wird. Es entsteht aber keine automatische Verbilligung. Beim Heizen ist der langfristige Blick besonders wichtig. Fossile Heizsysteme wirken kurzfristig oft vertraut und planbar, sind aber gegenüber Preisschwankungen bei Öl und Gas anfällig. Zudem bleiben Klimarisiken und künftige Regulierungen bestehen. EnergieSchweiz empfiehlt deshalb weiterhin, Sanierungen und Heizungsersatz frühzeitig zu planen. Aus Sicht der Forschung ist das plausibel: Effizientere Gebäude senken Energiebedarf, laufende Kosten und Emissionen gleichzeitig. Wenn du noch mit Öl oder Gas heizt, ist das Klimafonds-Nein daher kein gutes Argument, alles aufzuschieben. Es bedeutet vor allem, dass du sorgfältiger prüfen musst, welche bestehenden Beiträge du heute schon nutzen kannst und welche Gesamtkosten deine Liegenschaft in zehn bis zwanzig Jahren verursachen dürfte. Warum dein Wohnort jetzt noch stärker zählt In der Schweiz ist Energiepolitik stark föderal organisiert. Genau deshalb unterscheiden sich die Förderbeiträge teils deutlich. Manche Kantone unterstützen Wärmepumpen, Gebäudehüllensanierungen oder Batteriespeicher grosszügiger, andere setzen Schwerpunkte bei Beratungen oder beim Ersatz elektrischer Widerstandsheizungen. Das ist nicht nur politisch, sondern auch sachlich nachvollziehbar: Gebäudealter, Siedlungsstruktur, verfügbare Wärmenetze und Stromversorgung unterscheiden sich regional. Laut dem Gebäudeprogramm und den kantonalen Energiefachstellen ist die wirksamste Massnahme oft nicht überall dieselbe. Ein unsaniertes Einfamilienhaus in einer ländlichen Gemeinde braucht andere Lösungen als eine Eigentumswohnung in einem städtischen Mehrfamilienhaus. Das solltest du jetzt tun Kantonale Förderangebote prüfen: Schau auf die Website deines Kantons, deiner Gemeinde oder auf die offizielle Übersicht des Gebäudeprogramms. Dort findest du aktuelle Beiträge für Photovoltaik, Heizungsersatz, Dämmung oder Energieberatung. Sanierungen nicht vertagen: Wenn du ohnehin Fenster, Dach oder Heizung erneuern musst, rechne Varianten mit erneuerbaren Energien jetzt durch. Bestehende Steuerabzüge für energetische Sanierungen können Investitionen deutlich attraktiver machen. Neutrale Energieberatung nutzen: Lass dein Gebäude fachlich beurteilen, bevor du Offerten vergleichst. EnergieSchweiz und kantonale Stellen helfen dabei, technisch sinnvolle und wirtschaftlich passende Schritte zu priorisieren. Mini-FAQ Wird Benzin jetzt billiger? Nein. Das Nein zum Klimafonds bedeutet keine allgemeine Entlastung an der Zapfsäule. Es heisst vor allem, dass bestimmte zusätzliche Verteuerungen oder neue Finanzierungsmechanismen nicht kommen. Der Preis hängt weiterhin stark von Rohölmarkt, Währung, Steuern und geopolitischen Entwicklungen ab. Lohnt sich eine Solaranlage noch? Ja, in vielen Fällen klar. Die Einmalvergütung des Bundes für Photovoltaik bleibt bestehen. Dazu können je nach Wohnort kantonale oder kommunale Beiträge kommen. Besonders interessant ist Solar oft dann, wenn du einen Teil des Stroms selbst nutzt, etwa für Haushalt, Wärmepumpe oder Elektroauto. Soll ich mit dem Heizungsersatz warten? Eher nicht. Laut EnergieSchweiz und dem Gebäudeprogramm lohnt sich vorausschauendes Planen fast immer mehr als ein hektischer Ersatz im Störungsfall. Wenn deine Heizung älter ist, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Optionen und Fördermöglichkeiten sauber zu prüfen. Was langfristig gilt Unabhängig vom Volksentscheid bleibt die Richtung der Schweizer Energie- und Klimapolitik bestehen: weg von fossilen Energien, hin zu mehr Effizienz, Elektrifizierung und erneuerbaren Quellen. Das Klimaschutz-Gesetz und bestehende Energieziele setzen diesen Rahmen weiterhin. Wissenschaftlich ist das gut begründet, weil die Dekarbonisierung von Gebäuden und Verkehr zu den zentralen Hebeln für sinkende Treibhausgasemissionen gehört. Für dich als Leser:in ist deshalb vor allem eines wichtig. Lass dich vom politischen Schlagwort nicht lähmen. Prüfe konkret, welche Förderungen heute gelten, welche Massnahmen zu deinem Gebäude passen und wo sich Investitionen auch ohne grossen neuen Bundesfonds rechnen. Oft ist genau das der nüchternste und zugleich nachhaltigste Weg.