Sanieren, nein danke! Schweizer scheuen Gebäudesanierungen noch

Die Schweiz strebt die 2000-Watt-Gesellschaft an, ist bereit für die Energiewende und verlangt die Schliessung der Atomkraftwerke. Zu den damit zwangsläufig einhergehenden Gebäudesanierungen lassen sich Herr und Frau Schweizer jedoch nur ungern überreden.

Energie sparen ja - aber sanieren, nein danke!
Gebäudesanierungen steigern die Energieeffizienz. Doch leider sind sie für Eigentümer nach wie vor unattraktiv. © Harald07 - Fotolia.com
  • 0
  • 0

Um unsere Zukunft zu sichern, müssen wir Energie sparen. Spätestens seit wir die 2000-Watt-Gesellschaft anstreben, ist uns das allen klar und präsent. Eines der grössten Energiesparpotentiale steckt allerdings in unseren trauten und geliebten vier Wänden – und daran lassen wir uns nicht gerne erinnern. Die Kantone setzen sich dennoch mit den unerwünschten Gebäudesanierungen auseinander und erwägen angesichts der niedrigen Sanierungszahl Massnahmen zur Erhöhung der Quote.

Pro Jahr werden in der Schweiz lediglich zwei Prozent der Gebäude saniert. Eine Verbesserung der Energieeffizienz erfolgt nur bei der Hälfte aller sanierten Bauten. Eine einfache Hochrechnung zeigt, dass die Sanierungen verdoppelt werden müssten, um die energiepolitischen Ziele des Bundes zu erreichen, berichtet Thomas Kiehl vom Ökoenergie-Blog für Basel die-energie-bin-ich.ch.

Anders sieht es bei Neubauten aus, deren Energiestandards derzeit massiv erhöht werden. Die ab 2020 gebauten Häuser sollen in der Lage sein, sich weitgehend selbst mit Wärme und Elektrizität zu versorgen. Ähnliche Ziele verfolgt man auch bei Sanierungen, wenn doch nicht ganz so umfassend. Eine vollständige Selbstversorgung kommt bei Sanierungen zwar nicht in Frage, das Warmwasser soll jedoch durch erneuerbare Energien aufbereitet werden.

Handfeste Pläne, würde man meinen. Und doch liegt eine grosse Problematik in den Sanierungen selbst. Hauseigentümer schieben diese aus Kostengründen oft vor sich hin, so Kiehl im Ökoenergie-Blog. «Ein Hausbesitzer im Rentenalter überlegt es sich zwei Mal, bevor er sein Haus für 100'000 Franken sanieren lässt – besonders, wenn er innerhalb der kommenden 40 Jahren mit keiner Amortisierung rechnen kann», schreibt er. Dasselbe gilt oft für Baugenossenschaften, in denen Familien und Rentner günstig wohnen.

Die Pflicht zur Sanierung sei ebenfalls keine Lösung, so Thomas Kiehl auf die-energie-bin-ich.ch. Eine solche stünde im Konflikt mit dem Hauseigentumsrecht. Der Bundesrat zeigt sich Verschärfungen des Energiegesetzes gegenüber eher vorsichtig. So wird in nächster Zeit weiterhin zwangsläufig auf den Goodwill und auf das Umweltbewusstsein der Hausbesitzer gehofft.

Für viele ist eine Gebäudesanierung nicht nur aufgrund der vorerst steigenden Kosten, sondern auch wegen des organisatorischen Aufwands und des mangelnden Fachwissens unbeliebt. Das muss aber nicht sein: sogenannte «Energiecoaches» unterstützen den Prozess und begleiten Sie mit fachkundigen Ratschlägen auf dem Weg zu Ihrem energieeffizenteren Heim.

Mehr zu Sanierungen und weiteren Energie-Fragen erfahren Sie auf die-energie-bin-ich.ch, dem Ökoenergieblog für Basel.

Energielabel beachten lohnt sich: So viel sparen effiziente Geräte

Energielabel beachten lohnt sich: So viel sparen effiziente Geräte

Energiespartipp: Stromfresser Elektroboiler

Energiespartipp: Stromfresser Elektroboiler

Lokales Engagement für Energiewende hilft regionaler Wirtschaft

Lokales Engagement für Energiewende hilft regionaler Wirtschaft