Keine fairen Löhne trotz Fairtrade-Label

Das Fairtrade-Label garantiert fairen Handel und stabile Preise. Bei zertifizierten Betrieben verdienen Arbeiter aber oft weit weniger als bei der Konkurrenz.

Fairtrade-Label sorgt nicht überall für bessere Arbeitsbedingungen
Viele Landarbeiter in Uganda und Äthiopien produzieren Kaffee, Tee und Blumen für den fairen Handel, erhalten jedoch keinen fairen Lohn. Foto: © toniamarie / iStock Editorial / Thinkstock
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Wer Kaffee oder Tee mit Fairtrade-Label kauft, will damit bessere Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern unterstützen. Studien zeigen, dass sich die Lebensbedingungen von Bauern durch Fairtrade verbessern. Doch das Siegel bedeutet nicht gleich, dass es den Arbeitern von Fairtrade-Bauern besser geht. Denn in vielen zertifizierten Betrieben erhalten die Arbeiter sogar noch tiefere Löhne als in vergleichbaren Unternehmen ohne Fairtrade-Label. Dies zeigt eine aktuelle Studie der University of London, die 1'700 Fairtrade-Bauern und Arbeiter zu ihrem Lohn befragte.  

Trotz Fairtrade-Label werden Kinderarbeit und tiefe Löhne geduldet

Die Aussagen der Angestellten aus Uganda und Äthiopien waren überraschend. Nicht nur Kinderarbeit wurde aufgedeckt, sondern auch eine unterdurchschnittliche Entlöhnung. Diese lag in vielen Fällen sogar unter dem Lohn, den Arbeiter aus nicht-zertifizierten Betrieben in der gleichen Region erhalten. Zudem standen sanitäre Anlagen und Schulen, die den Fairtrade-Projekten zu verdanken sind, meist nur den Bauern oder Führungskräften zur Verfügung, nicht aber den Landarbeitern.

Kritik von britischer Fairtrade-Stiftung

Laut taz, streitet die britische Fairtrade-Stiftung in London die Lohnungleichheit nicht ab. Dennoch wirft sie der Studie vor, dass sie vor allem Betriebe mit einem kleinen Fairtrade-Anteil untersucht haben soll. Laut der Stiftung profitieren Bauern und ihre Arbeitnehmer, die einen grösseren Anteil ihrer Ernte mit dem Fairtrade-Label zertifizieren lassen, auch deutlich mehr von den Vorteilen.


Quellen: taz.de, theguardian.com
Autor: Cristina Bürgi