Ecopop-Abstimmung: Klares «Nein» in der Dichtestress-Debatte

Zu viele Menschen wandern ein, das sorge für Dichtestress und entziehe der Schweiz die natürlichen Lebensgrundlagen. Die Schweiz hat entschieden und die Ecopop-Initiative zur Zuwanderungsbeschränkung klar abgelehnt.

Ecopop-Abstimmung: Initiative scheitert und bessere Massnahmen für Klimaschutz
Foto: © Jose antonio Sanchez reyes / iStock / Thinkstock
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Die Begrenzung der Zuwanderung diene dem Klimaschutz. Dies ist der Tenor der Ecopop-Initiative, die mit 74,1 Prozent der Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von knapp unter 50 Prozent am letzten Novemberwochenende eine ganz klare Absage vom Schweizer Volk erhielt. Die grösste Ablehnung von «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» erteilte  erwartungsgemäss mit etwa 80 Prozent die Westschweiz. Die höchste Zustimmung zur Ecopop-Initiative gab es im Tessin (36,9 %), in Schwyz (34,2 %) und Obwalden (32,6 %).

Das Ergebnis der Abstimmung wurde nicht nur im Land selbst, sondern auch in Europa begrüsst. Der Blick schreibt dazu: «Ecopop wurde an der Urne zu einem einzigen Ecoflop. Und das ist gut so.» Das sehen viele Beobachter im In- und Ausland genauso, da durch die Ablehnung der Zuwanderungsbeschränkung das angeschlagene Verhältnis zur EU, das seit Annahme der Masseneinwanderungsinitiative besteht, erst einmal nicht weiter angegriffen wurde. Zudem bezweifeln viele, dass weniger Einwanderung tatsächlich mehr Klimaschutz bringen würde.

Wie viel Klimaschutz steckt in der Idee von Ecopop?

Der Klimaschutz und die «Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» liegt vielen Menschen am Herzen, heute mehr denn je. Die Ecopop-Initiative wollte mit der Begrenzung der Zuwanderung auf jährlich maximal 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerungszahl – ein Bruchteil der heutigen Zahlen – aktiven Umweltschutz betreiben. Die Schweiz würde bei weiterhin starker Zuwanderung einfach zu sehr mit Wohnraum verbaut, so ein Tenor von Ecopop. Immerhin 80 Prozent des Wachstums der Siedlungsflächen sei auf die Zuwanderung zurück zu führen, behauptet die Ecopop-Initiative. Die Schweiz sei dadurch im Dichtestress.

Doch selbst Umweltschutzorganisationen liefen im Vorfeld der Ecopop-Abstimmung Sturm gegen diese Klimaschutzargumente. Es sei, so die NZZ, der überwiegende Teil der Umweltprobleme als globales Problem anzusehen. Zudem sei der Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch relevanter für den Umweltschutz als die eigentliche Zahl der Menschen in der Schweiz. Und dieser Ressourcenverbrauch ist jetzt schon immens, wie die durchschnittliche Berechnung des ökologischen Fussabdrucks hierzulande zeigt.

Die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga wird im SRF mit der Aussage zitiert, dass der Initiativtext nichts Konkretes in Sachen Umweltschutz nenne, und es letztlich irrelevant sei, ob Menschen im Inland oder im Ausland die Umwelt belasten. Balthasar Glättli, Chef der Grünen im Parlament, war die Ecopop-Abstimmung lange im Vorhinein nicht geheuer. Ein Grund für ihn dem Ganzen ein Buch mit dem Titel «Unheimliche Ökologen» zu widmen.

Fakt ist, dass viel gebaut wird in der Schweiz, so wie in vielen anderen europäischen Ländern auch. Fakt ist aber auch, wenn man statistische Erhebungen der Schweizer Eidgenossenschaft zu Rate zieht, dass Wohnungen schon lange immer grösser wurden und bis Ende der 2000er Jahre im Schnitt 407 Quadratmeter pro Kopf zugebaut wurden. Die Fläche von zwei Tennisplätzen. Der stete Anstieg des Pro-Kopf-Flächenverbrauchs ist erst seit wenigen Jahren rückläufig, auch dank innovativer und ressourcenschonender Überbauungskonzepte wie man sie in Tägerwilen, Kriens oder Emmen findet.

Rund die Hälfte der in der Schweiz überbauten Fläche besteht heute übrigens aus Gebäuden. Und dies sind nicht nur Wohnhäuser. Dagegen werden 30 Prozent als Verkehrsfläche genutzt, die jeder in der Schweiz nutzen kann.

Quellen: BFS.admin.ch, SRF, NZZ, Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann