Bodensee zirkuliert zu wenig: Dem See fehlt in der Tiefe der Sauerstoff Theresa Keller Der Bodensee versorgt Millionen Menschen in der Schweiz und in Deutschland mit Trinkwasser. Umso alarmierender ist, dass sich sein Wasser im Winter erneut nicht tief genug durchmischt hat. Das klingt technisch, hat aber direkte Folgen für Tiere, Mikroorganismen und langfristig für die Stabilität des gesamten Ökosystems. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Der Bodensee ist einer der wichtigsten Trinkwasserspeicher © Gemini / Google Was gerade passiert Der Bodensee ist mit rund 63 Kilometern Länge und bis zu 14 Kilometern Breite der grösste Trinkwasserspeicher Europas. Nach Angaben der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee wurde der See im vergangenen Winter erneut nicht ausreichend bis in die tiefsten Bereiche durchmischt. Besonders kritisch ist das, weil der Seegrund in der tiefsten Stelle bei 251 Metern liegt und nur durch diese winterliche Zirkulation frischer Sauerstoff nach unten gelangt. Warum die Durchmischung so wichtig ist Für viele Lebewesen im See ist Sauerstoff in der Tiefe überlebenswichtig. Fische, wirbellose Tiere und Mikroorganismen sind darauf angewiesen. Gerade Mikroorganismen bauen abgestorbene Pflanzen- und Tierreste ab. Fehlt Sauerstoff, geraten diese natürlichen Prozesse aus dem Gleichgewicht. Das kann die Wasserqualität und die ökologische Stabilität des Sees auf Dauer schwächen. Entscheidend ist die Wassertemperatur: Damit der ganze See zirkulieren kann, muss das Wasser im ausgehenden Winter über grosse Tiefen hinweg ähnlich kalt sein. Durch die Klimaerwärmung erwärmt sich der See im Frühjahr früher und kühlt im Herbst später ab. Das Zeitfenster für die vollständige Durchmischung wird kleiner. Wie ernst die Lage ist Noch ist die Sauerstoffversorgung im Bodensee nicht kollabiert. Am tiefsten Punkt wurden im Winter Werte von etwa sechs bis sieben Milligramm Sauerstoff pro Liter gemessen, an der Oberfläche lag der Wert jedoch deutlich höher. Das zeigt: Sauerstoff kommt unten an, aber nicht mehr in dem Mass, das für ein robustes System ideal wäre. In flacheren Regionen wie der Bregenzer Bucht oder dem Überlinger See war die Durchmischung bis zum Grund dagegen ausreichend. Das Problem betrifft also vor allem die tiefen Becken. Laut Fachleuten war die letzte wirklich gute vollständige Durchmischung bereits mehrere Jahre her. Was das für dich bedeutet Akut musst du dir um dein Trinkwasser nicht sofort Sorgen machen. Die Aufbereitung funktioniert, und der Bodensee bleibt ein zentraler, gut überwachter Wasserspeicher. Dennoch ist die Entwicklung ein deutliches Warnsignal: Der Klimawandel verändert selbst sehr grosse Seen messbar. Wasser schützen: Reinigungsmittel, Pestizide und Medikamente nie falsch entsorgen. Klimabelastung senken: Weniger fossile Energie im Alltag hilft auch Gewässern. Politisch dranbleiben: Gewässerschutz und Klimaanpassung brauchen langfristige Unterstützung. Was Forschende fordern Fachleute beobachten den See seit Jahren sehr genau. Klar ist: Einzelne kalte Winter können helfen, doch sie reichen nicht, wenn sich der langfristige Erwärmungstrend fortsetzt. Nötig sind konsequenter Klimaschutz, dauerhafte Seenüberwachung und ein vorsichtiger Umgang mit Nährstoff- und Schadstoffeinträgen. Denn ein gesunder See ist nicht nur Naturraum, sondern auch Lebensgrundlage.