«Wir brauchen wahre, nachhaltige Kosten»

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Im Bereich des Personenverkehrs sind wir noch weit weg von Nachhaltigkeit. Genauso in den Bereichen Konsumgüter, Energieverbrauch und Tourismus – eigentlich bräuchten wir auf allen Gebieten selbstverständliche, nachhaltige Lösungen.

Eine globale Klimapolitik wird als Voraussetzung für eine nachhaltige Gesellschaft gesehen. Aber kann man sich bei den eher schleppenden Fortschritten überhaupt nur noch auf die Politik verlassen?

Leider nutzen moralische Appelle wenig, ich orte Handlungsbedarf in unserem Bildungswesen und in der Ökonomie. Energie- und Bodenverbrauch sowie Verkehr werden glücklicherweise künftig massiv teurer – das aber nicht aus Einsicht, sondern aus Zwang. Politiker werden mit der Ressourcenverknappung konfrontiert und ihnen bleibt künftig nichts anderes übrig, als nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Welcher wäre ihr dringendster Wunsch an die Politik im Bereich der Nachhaltigkeit?

Wahre Kosten. Leider entsprechen die anfallenden Kosten derzeit überhaupt nicht der Ressourcenbeanspruchung. Weshalb denken Sie, kann man heute für ein paar Hundert Franken um die halbe Welt fliegen? Hinter dem Kerosingeschäft steckt leider eine viel zu starke Lobby. Ein weiterer Punkt in Sachen Kosten sind die Steuerabzüge für Pendler – ein völlig falscher, nicht nachhaltiger Anreiz.

Was planen Sie persönlich in den nächsten 2 Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Ich setze mich mit meiner Stiftung Landschaftsschutz Schweiz vehement ein für Bildung, Lösungen in Konflikten zwischen Nutzen und Schützen sowie konkrete Vorzeigeprojekte.

Sie sind als Mitglied der Trägerschaft persönlich eng verknüpft mit der bereits 2007 entstandenen Landschaftsinitiative. Wann wird das Volk darüber abstimmen können?

Mit der Durchsetzung der Landschaftsinitiative werden wir uns endlich aktiver und offizieller gegen die Zersiedelung unserer Landschaft wehren können. Das Parlament wird in der nächsten Session voraussichtlich einen griffigen Gegenvorschlag zu unserer Initiative entwerfen. Eine Volksabstimmung wird aber leider erst in der zweiten Hälfte 2013 möglich sein. Dass sich die Entscheidungsprozesse so in die Länge ziehen, ist äusserst bedauerlich. Besonders, wenn man bedenkt, dass pro Sekunde ein Quadratmeter Landschaft in der Schweiz zerstört wird. Wir können aber endlich sagen, dass wir in der heissen Phase sind.

In welchem Bereich sehen Sie in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung?

Unsere Finanzpolitik und der Glaube an das Wachstum müssen umgekrempelt werden. Die Gesellschaft denkt heute: mehr Güter, mehr Wert! Dichtere Fahrpläne, grössere Einkaufszentren, energieverschleissende Gratiszeitungen. Unsere Wegwerfmentalität müssen wir dringend ändern.

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?

Man sollte sich auf den Sachverstand der Fachleute der Denkmalpflege verlassen. Historisch wertvolle Bauten und Ortsbilder haben ein Eigenrecht, es gibt genügend geeignetere Bauten.

Text und Interview: Sabrina Stallone - Februar 2012

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