Artenvielfalt erhält einen Wert

In Nagoya hat das UN-Übereinkommen zur biologischen Vielfalt (CBD) sich auf künftige Massnahmen zum Schutz der Biodiversität geeinigt. 17 Prozent der Land- und zehn Prozent der Meeresfläche werden bis 2020 unter Schutz gestellt. Unternehmen müssen künftig für die Nutzung von Erbgut zahlen.

Unter Biodiversität versteht man die Vielfalt des Lebens.
Der steigende Verlust von Biodiversität ist grösstenteils auf den Menschen zurückzuführen. Foto: ©iStockphoto.com / mangostock
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Anfangs November konnte der scheidende brasilianische Präsident Lula da Silva noch mal einen grossen Erfolg feiern. Bis zuletzt haben die Brasilianer bei den Verhandlungen über den Schutz der Artenvielfalt gegen die «Biopiraterie» gekämpft, die unentgeltliche Nutzung von genetischen Ressourcen.

Und nun gibt es eine Einigung: Wer in Zukunft das Erbgut einer Pflanze oder eines Tieres nutzt, um Medikamente oder Kosmetika herzustellen, muss die Herkunftsländer an den Gewinnen beteiligen. Davon profitiert insbesondere Brasilien, das Land mit der wohl grössten Artenvielfalt. Im Gegenzug müssen die Pharmamultis in den Industriestaaten nicht länger fürchten, auch für die Nutzung von Pflanzen und Tieren in der Vergangenheit zur Kasse gebeten zu werden.

Schutzzonen werden ausgeweitet

Dank dieses Durchbruchs kam Bewegung in den eigentlichen Kern der Verhandlungen, den Schutz der Artenvielfalt. Es gab einen Ausgleich zwischen den Interessen der Industriestaaten und den Entwicklungsländern. Niederschlag findet dieser Ausgleich in zwei Dokumenten: Dem »Nagoya Protokoll über den Zugang zu genetischen Ressourcen und die gerechte Verteilung der Gewinne aus deren Nutzung» und dem «Strategischen Plan» der UN-Konvention über die biologische Vielfalt CBD.

Während ersteres die Biopiraterie regelt, betrifft zweites den eigentlichen Arten- und Naturschutz. Und hier wurden wesentliche Fortschritte erzielt. Weltweit sollen 17 Prozent (heute 15 Prozent) der Land- und 10 Prozent der Meeresfläche (heute 1,3 Prozent) unter Schutz gestellt werden. Ausserdem sollen bis 2020 die Überfischung der Meere gestoppt und umweltschädliche Subventionen abgeschafft werden. Und schliesslich haben die 193 Länder beschlossen, den ökonomischen Wert der Natur in ihre nationalen Buchhaltungen aufzunehmen. Wie das Bruttoinlandsprodukt, wird dadurch auch der Gewinn oder Verlust an Umweltkapital Eingang in politischen Entscheidungen finden.

Zur Biodiversität gehören alle Arten, von den kleinsten Bakterien über Pflanzen bis zu den grössten Säugetieren.

Biodiversität ist die Grundlage für unser Überleben. Foto: © dirk ercken / iStock / Thinkstock

Brasilien hatte ursprünglich gefordert, dass die Industriestaaten ab 2020 jährlich 200 Milliarden Dollar in den Artenschutz investieren. Fast hundertmal soviel wie heute. Doch von dieser Forderung haben die Entwicklungsländer schliesslich abgesehen. Nun soll bis 2012 das nötige Geld für die Umsetzung des Planes gefunden werden. Ein WWF-Vertreter meinte denn auch: «Wir sind enttäuscht, dass die Industrieländer mit leeren Taschen gekommen sind.» Aber gemäss Chantal Jouanno, der französischen Umweltstaatssekretärin, ist es nicht unmöglich, das Geld aufzutreiben: «Es können nicht nur öffentliche Gelder sein, da die erforderlichen Summen so riesig sind. Es müssen auch private Gelder sein, verbindliche Gelder von Firmen: Du machst Profite mit der Artenvielfalt? Dann ist es logisch, dass diese Profite auch wieder der Artenvielfalt zugute kommen.» Ähnlich optimistisch äussert der WWF-Chef Jim Leape: «Dieses Abkommen bestätigt das fundamentale Bedürfnis die Natur zu schützen als Grundlage sowohl für unsere Wirtschaft als auch unsere Gesellschaft.»

Quelle: nachhaltigkeit.org, Text: Christian Mihatsch

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Die Fläche der ökologisch wertvollen Lebensräume in der Schweiz ist immer noch rückläufig. Und auch die Qualität dieser Biotope nehmen immer mehr ab, schreibt «biodiversität 2010», die offizielle Website der Schweiz zum Internationalen Jahr der Biodiversität. Denn in den letzten Jahren sind 90 Prozent der ursprünglichen Auen verschwunden und die Fläche der Trockenwiesen seit den 1970er-Jahren um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. In den letzten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts seien in der Schweiz jeden Tag elf Hektaren Kulturland verschwunden - Das sind knapp 1,3 Quadratmeter pro Sekunde.

Weitere Infos und Tipps zur Biodiversität finden Sie hier:

  • Alles zum internationalen Jahr der Biodiversität 2010 erfahren Sie unter www.biodiversitaet2010.ch
  • Hier finden Sie unter anderem ein Argumentarium zum Thema «Was bringt uns die Biodiversität?» www.pronatura.ch.