Born to be wild: Kommt die fast ausgerottete Wildkatze wieder zurück?

Die scheue Wildkatze ist überall in Europa selten geworden. Dies liegt hauptsächlich an der rückläufigen Zahl grosser, zusammenhängender Waldstücke. Werden diese durch Strassen zerteilt, fühlen sich die Wildkatzen schnell gestört. Früher wurden sie eher von Jägern erschossen, heute sind Autos ihr grösster Feind. Gibt es noch eine Chance für den kleinen Räuber?

Wildkatzen in der Schweiz, Deutschland und Europa
Die Wildkatze unterscheidet sich in wichtigen Merkmalen von der europäischen Hauskatze, mit der sie nicht einmal verwandt ist. Glücklicherweise erholen sich die Bestände von Wildkatzen in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Foto: MikeLane45, iStock, Thinkstock
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Zwar stammt unsere gemeine Hauskatze von wild lebenden Vorfahren ab. Jedoch ist sie nicht verwandt mit der hierzulande üblichen Europäischen Wildkatze. Die Hauskatze geht auf die Afrikanische Wildkatze zurück, die auch als Falbkatze bezeichnet wird. Sie soll der Ursprung sein, aus dem vor Jahrhunderten ein treuer Begleiter des Menschen wurde.

Woran man Wildkatzen erkennt

Die Europäische Wildkatze ist etwa 80 Zentimeter lang, 40 Zentimeter hoch und damit etwas grösser als die durchschnittliche Hauskatze. Auffällig ist ihr buschiges, gelblich-graues Fell, das eine kaum erkennbare Tigerung aufweist. Ein Hauptmerkmal der Wildkatze ist ein sehr gerader, schwarzer Strich, der über den ganzen Rücken gezogen ist. Aber auch an ihrem geringelten, sehr buschigen Schwanz mit dessen schwarz gefärbtem Ende ist die Wildkatze gut von der Hauskatze zu unterscheiden.

In welchen Gebieten Wildkatzen am häufigsten vorkommen

Wie ein langer Grünstreifen ziehen sich Wälder in der Mitte Europas von Belgien aus, über Deutschland und Frankreich, bis in das Schweizer Jura. In diesem Gebiet ist die Europäische Wildkatze noch am häufigsten finden. Sie tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, ist jedoch schwierig. Denn, im Vergleich zum zahmen Schmusetiger auf so mancher Couch, ist die Wildkatze ein sehr scheues Wesen, das nur dem sehr glücklichen Waldspaziergänger mal ihr flauschiges Antlitz zeigt.

Um die Wildkatzen in der Schweiz wie in Deutschland nachzuweisen, griffen Forscher deshalb zu einer speziellen Methode. Sie benetzten sägeraue Holzlatten mit Baldrian und platzierten diese tief im Wald. Denn, so weiss jeder Katzenbesitzer, nahezu alle Katzen lieben Baldrian, können dem süsslich riechenden Lockstoff nicht wiederstehen. Auch Wildkatzen geht es nicht anders, die aus ihrem Versteck kommen, um sich an dem Holz zu reiben. Dadurch hinterlassen sie ihren genetischen Fingerabdruck in Form von Haaren. Diese konnten Forscher untersuchen und somit Rückschlüsse auf die Anzahl der Wildkatzen ziehen.

Die Population der Wildkatzen in der Schweiz soll sich demnach inzwischen bei 450 bis 900 Tieren bewegen. In Deutschland geht man davon aus, dass hier wieder rund 5.000 Wildkatzen leben. Um deutschen Wildkatzen eine Wanderung aus heute noch isolierten Waldgebieten zu ermöglichen, wird mit dem grossangelegten Projekt «Ein Rettungsnetz für die Wildkatze» vom deutschen Naturschutzbund BUND eine Art grüner Korridor geschaffen. Dieser soll durch Aufforstungen seit 2012 einen durchgängigen grünen Gürtel auf einer Länge von 20.000 Kilometern schaffen.

Für Wildkatzen in der Schweiz gibt es indes kein vergleichbares Projekt. In Österreich galt die Wildkatze gar jahrzehntelang als ausgestorben. Ein paar Duzend Sichtungen im Jahr und der Haarnachweis an so manchem Pfosten macht aber auch hier Naturschützern Mut.

Die Wildkatze in der Schweiz und ganz Europa stark gefährdet

Generell gilt die Wildkatze in der Schweiz und in ganz Europa als eines der gefährdetsten Säugetiere. Hauptgrund: Noch im 20. Jahrhundert wurde sie von Jägern als vermeintlich schädlich abgeschossen. Heute sind die Wildkatzen-Populationen in der Schweiz und andernorts durch die Paarung mit Hauskatzen gefährdet. Das SRF zeigt, warum und präsentiert einmalige Forschungsergebnisse:

Quelle: Waldwissen.net, Wildkatze.info, UN-Dekade biologische Vielfalt, Wildkatze-in-Oesterreich.at, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann