Faszinierender Jäger der Nacht: Die Schleiereule in der Schweiz

Die Schleiereule, mit ihrem herzörmigen Gesicht und den dunklen Augen, gehört zu den geheimnisvollsten Raubvögeln der Schweiz. Denn tagsüber ist der nachtaktive Jäger nur selten zu sehen. Was die Schleiereule ausmacht und weshalb sie unter besonderem Schutz steht.

Schleiereule in der Schweiz: Bestand, Lebensweise und Bedrohung
Foto: © Mshake / iStock / Thinkstock
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Die Schleiereule im Profil: Aussehen und Ruf des Raubvogels

Nahezu kreisrund ist das markante Gesicht, welches flach wie eine Scheibe wirkt und weiss gefiedert ist. Diese Gesichtsform lässt die Schleiereule leicht von anderen Eulenarten unterscheiden. Auch die relativ kleinen Augen sind auffällig und die für Eulen typischen, pinseligen Ohren fehlen dem maximal 35 cm grossen Vogel.

Sehr markant ist auch der Ruf der Schleiereule, welcher schon in so manchem Film einer Nachtszene etwas Gruseliges verlieh. Das laute und schrille Geschrei der männlichen Schleiereule dient dazu, ihr Revier zu markieren. Ihr Nest liegt meist in leer stehenden Gebäuden, wie Scheunen oder frei zugänglichen Kirchtürmen. Wird die Schleiereule darin gestört, stösst sie oft ein lautes Zischen aus.

So lebt die Schleiereule in der Schweiz

Obwohl er in verlassenen Häusern zuhause ist, nistet der Raubvogel selten weit entfernt vom Menschen. Denn wo diese sind und Landwirtschaft betrieben wird, gibt es für die Schleiereule oft ausreichend Nahrung. Diese besteht hauptsächlich aus Mäusen, nur ganz selten werden auch mal Reptilien oder Vögel verspeist. Die Beute wird mit einem guten Sinn für Gesichter und dem sehr leistungsfähigen Gehör erjagt, wobei der Flug absolut lautlos geschieht.

Das Brutverhalten und die jährlichen Bestände der Schleiereule in der Schweiz sind stark vom Mäuseangebot und der Härte des Winters abhängig. Gibt es besonders wenig Mäuse in einem Jahr und ist der Winter lang und kalt, wird häufig mit der Brut ausgesetzt. Jungvögel überwinden dann zudem grosse Distanzen, um ein neues Revier zu beziehen. Ist das Mäuseangebot indes gross, gibt es entsprechend viel Nachwuchs und Jungvögel verbleiben in der Nähe des elterlichen Reviers.

Warum und wie sehr die Schleiereule bedroht ist

Was ihr einst nützte, wird der Schleiereule heute zum Problem, und zwar die Nähe zum Menschen. Wo immer mehr gebaut wird, und gleichzeitig verlassen Gebäude oder Türme verriegelt werden, findet der Raubvogel nur noch selten Rast- oder Nistplätze. Auch die Nahrung wird zunehmend knapper, da Äcker mit Bioziden behandelt und mit modernen Maschinen nach der Ernte abgeräumt werden. Mäuse können sich in den kurz gemähten Flächen nicht mehr verstecken.

Die Schleiereule gilt aus diesen Gründen in der Schweiz als potenziell gefährdet. Ihr Bestand wird auch 1'000 bis maximal 2'500 Brutpaare  geschätzt. Anzutreffen ist der Jäger etwa vom Norden bis zur Mitte der Schweiz.

In Rest Europas gilt die Schleiereule zwar nicht als gefährdet. Mindestens 110'000 Brutpaare soll es hier geben. Allerdings wird aus den genannten Gründen auch hier ein Rückgang verzeichnet, was den Menschen letztlich zum grössten Feind der Schleiereule macht.

Mehr zu den faszinierenden Eulen lesen Sie im Beitrag «Jäger der Nacht: Welche Eulen und Käuze unsere Wälder durchstreifen.»

Quellen: Vogelwarte.ch, Nabu.de, Wikipedia

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann

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