Der Grünspecht: Was den fröhlich-bunten Gesellen so besonders macht

Der Grünspecht gilt als fröhlicher Zeitgenosse, denn sein Ruf erinnert an ein hämisches Lachen. Er lebt nahezu überall in Europa. Warum ihn deutsche und österreichische Naturschutzverbände soeben zum Vogel des Jahres 2014 kürten und er laut Berner Konvention als schützende Art gilt. Obwohl er noch häufig zu sehen ist.

Der Grünspecht: Ein Vogel des Jahres 2014
Der Grünspecht ist in ganz Europa zuhause und heute noch häufig anzutreffen. Das könnte sich aber schon bald ändern. Foto: NABU, R. Rössner
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Den Namen Grünspecht erhielt der etwa 30 Zentimeter grosse Vogel – zweitgrösste Spechtart in Europa nach dem Schwarzspecht – durch seine dunkelgrüne Oberseite. Im Volksmund heisst er auch Fliegender Zorro, aufgrund seiner maskenartigen schwarzen Markierung rund um die Augen.

Noch vor ein paar Jahren sah es um die Bestände des Grünspechts weniger rosig aus als heute. Vorrangig waren es strenge Winter, die den Grünspecht in Mitteleuropa seltener werden liessen. Heute sind die Bestände vorläufig gesichert mit geschätzten 590.000 bis 1,3 Millionen europäischen Brutpaaren. In der Schweiz soll es bis zu 10.000 Brutpaare geben, in Österreich maximal 14.000, in Deutschland sogar bis zu 42.000. Alleine hier hätte sich damit in den letzten 20 Jahren die Zahl der nistenden Pärchen verdoppelt, wie der deutsche Naturschutzbund NABU berichtet.

Warum es dem Grünspecht so gut geht

Der Grünspecht lebt weniger in dichten Wäldern. Stattdessen bevorzugt er Waldränder, ist oft in Streuobstwiesen anzufinden und mag städtische Grünanlagen. Im Gegensatz etwa zum verwandten Grauspecht mag er zudem hochgelegene Alpinregionen. So ist er regelmässig in Höhen von 700 bis 1.400 Metern anzutreffen und selbst auf über 2.000 Metern Höhe hört man seinen Ruf ab und zu.

Seine Leibspeise sucht er meist nicht in Bäumen, wie andere Spechtarten. Vielmehr haben es ihm Ameisen angetan, die der Grünspecht mit seiner bis zu 10 Zentimeter langen und klebrigen Zunge aus dem Erdboden holt. Selbst im Winter muss er darauf nicht verzichten, denn dann gräbt er wenn nötig Löcher in den Schnee, der einen Ameisenhaufen bedeckt. Und gerade im Winter ist er an Felswänden wie auch Hausfassaden auf Nahrungssuche, dort pickt er in Spalten überwinternde Insekten auf.

Was den Grünspecht in der Zukunft bedrohen wird

Fachleute vermuten, dass die Bestände in Zukunft bedroht sein könnten. Denn die Zahl der freien Wiesenflächen geht dramatisch zurück. Sie werden versiegelt oder zu Äckern umfunktioniert. In Deutschland wird auf den ehemals arten- und damit auch futterreichen Wiesen vorrangig Mais angebaut. Experten sprechen hier bereits von einer «Vermaisung» der ehemals unberührten Natur, was auf viele Tier- und Pflanzenarten einen negativen Einfluss hat. Ebenso verschwinden die bei Grünspechten beliebten Streuobstwiesen. Beides waren auch die Gründe für die Naturschutzverbände, den Grünspecht zum Vogel des Jahres 2014 zu küren.

Doch, es gibt noch weitere Gefahren für den grünen Lachvogel, wie die schwindenen Grünanlagen in urbanen Lebensräumen und der zunehmende Pestizideinsatz. Dieser reduziert die für den Vogel des Jahres 2014 wichtigen Ameisenbestände. Auch der Rückgang grosser und dicker Bäume bringt den Grünspecht in Gefahr. Gehen dadurch dem Vogel des Jahres 2014 die für den Höhlenbau geeigneten Bäume verloren, kann es bald zu einer «Wohnungsnot» kommen.

Quellen: Nabu.de, Vogelwarte.ch, Birdslife.org, Waldwissen.net,

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann