«Unser Kopf ist der grösste Gegner des Landschaftsschutzes»

Wussten Sie, dass in der Schweiz pro Sekunde ein Quadratmeter Grünfläche zugebaut wird? Diese Tatsache und der Respekt vor der Natur motivieren Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, sich privat und geschäftlich für Nachhaltigkeit zu engagieren. 

Raimund Rodewald: «Unsere Landschaft wird zerstört!»
Raimund Rodewald ist Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Foto: privat
  • 0

Die gemeinnützige Stiftung Landschaftsschutz Schweiz existiert schon seit über 40 Jahren. Zu jener Zeit schlossen sich Vertreter von Organisationen und Behörden zusammen, um die Bevölkerung auf die missliche Lage aufmerksam zu machen, in der sich die Schweizer Naturlandschaft befand – und sich heute noch befindet.

Raimund Rodewald leitet seit 1992 die Geschäftsstelle der Stiftung. Neben der Öffentlichkeitsarbeit und der Schulungen, sind für die Stiftung auch konkrete, politische Vorstösse wichtig. Eine davon ist die «Landschaftsinitiative», die 2007 lanciert wurde. Ihr wurde aber im Parlament noch keine Prioritätsstellung gegeben, sodass sie im besten Fall erst Ende 2013 dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wird. Weshalb auf politischer Ebene für den Landschaftsschutz noch nicht genug gemacht wird und was sich der Natur zuliebe unbedingt ändern muss, erläutert Rodewald im Interview. 

Als Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz engagieren Sie sich für den Schutz unserer Landschaft. Wer ist dabei ihr grösster Gegner?

Der Gegner ist unser Kopf, unser Denken, unsere Einstellung. Denn wir wollen die grosse Rolle, welche die natürliche Landschaft in unserem Leben spielt, nicht wahrnehmen.

Was motiviert Sie, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Der Respekt vor dem Leben und die Demut vor dem Geschaffenen und sorgfältig Genutztem. Ich denke dabei an die Zukunftsgenerationen, die in einer lebenswerten Umgebung aufwachsen sollen, genauso wie auch an meine eigene Lebensqualität. Mein Anspruch an den Alltag motiviert mich, die Nachhaltigkeit in meinem Tun in den Vordergrund zu stellen.

Sie engagieren sich geschäftlich und privat für Nachhaltigkeit. Wie stark versuchen Sie, Ihr persönliches Umfeld zu einem nachhaltigeren Lebensstil zu «bekehren»? Führt das zu Diskussionen?

Mein persönliches Umfeld ist sehr sensibilisiert für diese Fragen. Man sollte Nachhaltigkeit leben, mit echter Lebensfreude und Freude an philosophischen Gesprächen, aber ohne damit zu prahlen.

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen sie diese trotzdem?

Nun, angesichts der herrschenden Überbevölkerung war meine Geburt schon nicht besonders nachhaltig (lacht). Nein, ernsthaft, zwar hindert mich meine Flugangst daran, Vielflieger zu sein; doch auch der erhöhte Bahnverkehr, in meinem Berufsalltag unerlässlich, ist nicht besonders nachhaltig. Dafür versuche ich in der Freizeit, kein Teil des Personenverkehrs zu sein.