Rapsfelder: Nutzpflanze für Bio-Diesel bedroht Wildpflanzen

Rapsfelder sind für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber eine einträgliche Nektarquelle. Der massive Anbau der für die Bio-Diesel-Produktion bedeutenden Nutzpflanze greift jedoch in naturnahe Lebensräume ein. Dadurch fällt nämlich die Bestäubung von Wildpflanzen geringer aus, wie Forscher berichten.

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Der Anbau des Raps für Bio-Diesel verdrängt zunehmend Wildpflanzen wie die Schlüsselblume.

Bienen suchen sich lieber ihren Nektar auf dem Raps, weshalb die Schlüsselblume zu kurz kommt.

Wettkampf um Bestäuber wie Bienen oder Hummeln

Die Umweltfolgen des Raps-Anbaus im grossen Stil, der unter anderem für die Herstellung von Bio-Diesel benötigt wird, sind viel komplexer als man bisher gedacht hat, erklärt der Agrarökologe Teja Tscharntke im pressetext-Interview. «Sehr wohl gibt es Vorteile wie etwa das überreiche Nektarangebot, das eine Zunahme an Koloniegründungen bei Hummeln mit sich bringt. Zudem dürften dadurch Pflanzen im Vorteil sein, die ihre Blüte erst nach der Rapsblüte öffnen, da die gestiegene Zahl der Hummeln und Bienen dann auf alternative Nahrungsquellen angewiesen sind.» Doch die Medaille hat auch eine Kehrseite, haben die Würzburger und Göttinger Forscher auf 67 Versuchsflächen gezeigt.

Denn mit der Popularität von Raps bei den Bestäubern kommen Frühlings-Pflanzen zu kurz, die gleichzeitig blühen. Darunter auch die Echte Schlüsselblume (Primula veris), die in mehreren deutschen Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht. «Gibt es in ihrer Nähe ein Rapsfeld, produziert sie um ein Fünftel weniger Samen. Die Bestäuber fliegen lieber zur deutlich nektarreicheren Rapspflanze als zu den Wildpflanzen», erklärt der Göttinger Umweltforscher.

Biodiversität leidet unter Anbau von Nutzpflanzen

In Folge des Nektar-Überangebots am Rapsfeld verdünnt sich in der Nähe das Vorkommen der Schlüsselblume, zudem werden sie und andere Wildpflanzen auch durch das stete Wachstum der Raps-Anbauflächen zurückgedrängt. Ähnliche Nebenwirkungen wie beim Raps sind laut Tscharntke auch bei anderen blühenden Nutzpflanzen wie etwa der Luzerne und dem Klee denkbar.

Was der drohende Verlust der Schlüsselblume bedeutet, kann kaum in Geld ausgedrückt werden, betont der Experte. «Meist spricht man Naturdienstleistungen ihren ökonomischen Wert völlig ab. Artenreiche Lebensräume wie etwa Magerrasen haben jedoch hohe ökologische Bedeutung - und leisten darüber hinaus einen indirekten, kulturellen und ethischen Service. Würde man Menschen fragen, was ihnen jährlich eine bunte Wiese etwa bei Spaziergängen wert ist, so sagen sie vielleicht 'drei bis fünf Euro'. Auf die gesamte Gesellschaft bezogen, wäre das schon eine nennenswerte Summe!», so der Forscher.

Quelle: pressetext.ch