Klimawandel: was nun?

Für die Schweizer Bergregion bedeutet der Klimawandel eine Veränderung ihres Wasserhaushaltes. Sie zeigt sich in abnehmender Schneesicherheit vor allem in tieferen Lagen aber auch durch zunehmende Naturgefahren. Über Jahrzehnte antwortete man auf solche Veränderungen mit Investitionen in Infrastrukturen – zunächst Schutzbauwerke aber zunehmend auch Anlagen der technischen Beschneiung. Wer aber soll diese Kosten in Zukunft tragen?

Klimawandel: Wintersport wird teuer
Abdeckungen zum Schutz vor dem Gletscherschmelzen im Skigebiet Diavolezza im Engadin. Foto: Tobias Luthe
  • 0

Die Preise des Schweizer Wintersports sind bereits heute für viele Haushalte nicht mehr bezahlbar. Und Zuschüsse aus Bern erhalten Berggemeinden nur, wenn sie mit wirtschaftlichen Argumenten überzeugen. Der Anpassungsdruck an den Klimawandel ist daher gross.

Ein europäisches Forschungsprojekt sucht Antworten auf diese Herausforderungen. Die vier federführenden Schweizer Institute der Hochschulen Rapperswil, Chur und Wallis stellten am 5. Dezember in Bern ihre Ergebnisse vor. Sie untersuchten am Beispiel der Pilotregionen Heidiland/Pizol (St. Gallen), Obere Surselva (Graubünden) und Aletsch (Wallis) wie gängige Anpassungsstrategien wie der Ausbau der technischen Beschneiung umgesetzt werden und welche neue Ideen vor Ort entstehen. «Es wurde sehr eng mit den Regionen zusammen gearbeitet», erklärte Projektleiter Dominik Siegrist von der Hochschule Rapperswil, «denn der Wissenstransfer zwischen Hochschule und Praxis war zentrales Anliegen des Projektes.»

Dabei zeigt sich, dass der Klimawandel zwar als vage Bedrohung wahrgenommen wird – direkt betroffen ist man aber von Nachfrageschwankungen, beispielsweise durch einen schneearmen Winter. Besonders die Bergbahnen bemühen sich um eine konstantere Auslastung ihrer Anlagen. Als traditionell treibende wirtschaftliche Schlüsselakteure fördern sie konsequent den Sommertourismus und die technische Beschneiung. Für innovative und unkonventionelle Angebote hat es wenig Platz, denn die finanziellen Risiken der Bergbahnen sind erheblich. Unter starkem Wettbewerbsdruck versuchen sie, Gäste in grosser Zahl auf die Berge zu bringen. Dies gelingt nicht immer wie die vielen Sanierungsfälle bei kleineren Bergbahnen in gesamten Schweizer Alpenraum zeigen.

Vielversprechend erscheint der Versuch, die zunehmenden Risiken auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Regionale Kooperationen sind ein Schlüssel für erfolgreiche Anpassung. Die Touristiker brauchen die Unterstützung der lokalen Bevölkerung – nicht  nur bei den Gemeindeabstimmungen. Information und Sensibilisierung für den Veränderungsdruck sind entscheidend. Dabei helfen Pilotprojekte mit überregionaler Ausstrahlung. Wichtige Katalysatoren in den Pilotregionen sind die UNESCO Welterbestätten Tektonikarena Sardona (Heidiland/Pizol) und Jungfrau-Aletsch (Aletsch) sowie die Entwicklungsinitiative «Progetto San Gottardo» (Obere Surselva). Sie zeigen das grosse Potenzial der untersuchten Regionen.

Die Tourismusverbände haben längst die Gemeindegrenzen überwunden und fördern die regionale Zusammenarbeit. Das vielfältige Angebot wird gemeinsam vermarktet und hilft Gäste zu begeistern – auch wenn der Schnee einmal fehlt. Der Bund unterstützt solche Initiativen in der Neuen Regionalpolitik und der Tourismuspolitik. Er setzt auf Lernprozesse, Kooperationen und fördert Unternehmertum. Langfristig wirtschaftlich tragfähige Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel können nur auf diesem Weg entstehen.