Klimaerwärmung: UNO-Klimarat pocht auf schnelleres Handeln

Der UNO-Klimarat warnt in seinem Sonderbericht vor der Klimaerwärmung um 2 Grad und zeigt auf: 1,5 Grad als Obergrenze wären noch machbar, doch dazu müssen auch Konsumenten umdenken – gerade in der Schweiz.

Klimaerwärmung: UNO-Klimarat pocht auf schnelleres Handeln
Foto: © AVTG/iStock / Getty Images Plus
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Der Sonderbericht des UNO-Klimarats zeigt: Die Folgen bei einer Erwärmung des Klimas um 2 Grad wären ungleich schlimmer als bei 1,5 Grad. Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ist noch machbar. Doch die Zeit drängt. 

Der Bericht dient als wichtige Grundlage für die UNO-Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz im Dezember.

Die wichtigsten Aussagen des Berichts

  • Bleibt der Ausstoss an Treibhausgasen auf dem bisherigen Level, wird die Marke von 1,5 Grad Erwärmung wohl zwischen 2030 und 2052 überschritten, heisst es im Bericht. Bisher ist die globale Mitteltemperatur seit der vorindustriellen Zeit um rund ein Grad Celsius gestiegen.
  • Der Weltklimarat geht davon aus, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad noch machbar ist. Doch: «Die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erfordert rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft», heisst es in der Mitteilung des Klimarats.
  • Um diese 1,5-Grad-Marke nicht zu überschreiten, muss der globale CO2-Ausstoss bis 2030 gegenüber dem Jahr 2010 um rund 45 Prozent sinken. Danach müssten die Emissionen weiter zurückgehen, kommt der Klimarat zum Schluss.
  • Um dies zu erreichen, dürfte bis Mitte des Jahrhunderts keine Kohle mehr zur Stromerzeugung genutzt werden. Der entsprechende Anteil an erneuerbaren Energiequellen müsste auf 70 bis 85 Prozent steigen.
  • Ausserdem werde es nötig sein, mit technischen Massnahmen CO2 aus der Luft zu filtern – also «negative Emissionen» zu erzeugen. Laut den Forschern müssten im Laufe des Jahrhunderts 100 bis 1000 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden.
  • Etwa ab dem Jahr 2050 müsse der Netto-Ausstoss von CO2 bei Null liegen. Danach müsste der Ausstoss sinken.

Immense Unterschiede wegen 0,5 Grad Celsius

  • Schon die Differenz zwischen 1,5 Grad und 2 Grad Erderwärmung machen einen immensen Unterschied, wie die Auswertungen der beteiligten Wissenschaftlern zeigen.
  • Laut Bericht steigt der Meeresspiegel bei 1,5 Grad Erwärmung 10 Zentimeter weniger an als bei 2 Grad. Das bedeutet 10 Millionen Menschen weniger verlieren ihre Heimat.
  • Bei einer Erwärmung um 1,5 Grad sterben 70 bis 90 Prozent der Korallen im Meer. Bei 2 Grad praktisch alle.
  • Die Weltwirtschaft zeigt bei einem halben Grad weniger Erwärmung ein höheres Wachstum.
  • Laut dem Sonderbericht wären einige hundert Millionen Menschen weniger von Armut bedroht, welche durch Stürme, Dürren und Überschwemmungen bedingt ist.

Wo steht die Schweiz?

Erst Anfang September hat das Bundesamt für Umwelt eine Studie veröffentlicht, welche die Umweltfussabdrücke der Schweizer untersucht hat, darunter den CO2-Fussabdruck.

«Der Treibhausgas-Fussabdruck der Schweiz betrug im Jahr 2015 rund 14 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person» heisst es in der Studie. Diese Zahl übersteigt den europäischen Durchschnitt deutlich. «Gemäss Abschätzungen liegt das planetenverträgliche Mass der Treibhausgas-Emissionen für das Jahr 2015 bei 0,6 Tonnen pro Person», heisst es weiter.

Diese CO2-Emissionen werden vor allem durch Güter verursacht, die im Ausland produziert und in die Schweiz importiert werden. Die Energiestrategie 2050 will zwar die Umweltbelastung in der Schweiz deutlich reduzieren, wie es heisst, geht es jedoch nach dem Sonderbericht des Klimarats, muss die Schweiz ihren CO2-Aussoss deutlich stärker reduzieren als bisher geplant.

Weiter Informationen zur Studie finden Sie hier.

Eine Studie des beratungsunternehmens EPB Schweiz kommt zum Schluss: Die Schweiz müsste innert 20 Jahren komplet auf Erdöl, Erdgas und Kohle verzichten um ihren Anteil zur 0,5-Grad-Grenze zu leisten. Der Treibhausgas-Ausstoss müsste doppelt so schnell rezuiert werden wie heute.

Bundesrat verschärft falls nötig Reduktionsziele

Der Bundesrat hat aufgrund der Resultate aus dem Sonderbericht des Klimarats bereits im September das BAFU beauftrag, zusammen mit weiteren Bundesämtern zu prüfen, ob die Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen, die bis 2050 erreicht werden sollen, angepasst werden müssen. Bis im Herbst 2019 soll das BAFU allenfalls nötige Vorschläge präsentieren.

Eine spannende Übersicht über die Temperaturveränderungen in der Schweiz liefert MeteoSchweiz.

Dass die politischen Anstrengungen nicht reichen, dürfte inzwischen mehr als klar sein. Das kommt auch in der Studie zum Ausdruck, wenn es heisst: «Entscheidend auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit bei Konsum und Produktion ist das gemeinsame Engagement von Konsumentinnen und Konsumenten, Unternehmen, Wissenschaft und Staat.»

Grösster Einfluss: Wohnen, Mobilität, Ernährung

Produktionsweisen und Konsumverhalten in den Bereichen Wohnen, Mobilität und Ernährung haben den grössten Einfluss auf die Umweltressourcen. Zumindest bei zwei dieser Bereiche kann jeder Konsument einen wichtigen Beitrag leisten: Mobilität und Ernährung. In diesen Bereichen spricht das BAFU unter anderem die Themen Flugreisen und tierische Produkte wie Fleisch und Milchprodukte an. Im Bereich Wohnen können zumindest Eigenheimbesitzer viel erreichen durch Optimierung und energieeffiziente Lösungen.

Lesetipps: Nachhaltiger konsumieren

Der Weltklimarat und der Sonderbericht 

Der Weltklimarat IPCC wurde 1988 gegründet und zählt heute 195 Mitgliedstaaten. Sein Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Klimawandel auf die Natur und damit den Menschen auswirkt, wie er reduziert werden kann und welche Anpassungsstrategien den Menschen zur Verfügung stehen.

Das Forscherteam mit Sitz in Genf sammelt wissenschaftliche Daten und wertet diese aus. Im Auftrag der Mitgliedstaaten hat das Gremium den Sonderbericht verfasst, der diese Woche veröffentlicht wurde. Dabei sollten die 91 Autoren und Wissenschaftler aufzeigen, welche Folgen eine Klimaerwärmung von 1,5 Grad im Vergleich zu 2 Grad hat und was Politik, Wirtschaft und Gesellschaft tun müssen, um unter der Grenze von 1,5 Grad zu bleiben.

Autor: Sabina Galbiati, Oktober 2018

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