Verrücktes Winter-Wetter: Ist die globale Erwärmung schuld daran?

Grüne Skipisten und frühlingshafte Temperaturen in ganz Mitteleuropa, und das mitten im Winter. England versinkt im Wasser und die USA dafür im Schneechaos. Das weltweite Wetter spielt verrückt. Für viele Klimaforscher sind dies die ersten Auswirkungen der globalen Erwärmung. Aber beschert uns wirklich der Klimawandel diese Wetterkapriolen?

Globale Erwärmung: Ursachen und gibt es einen Klimawandel in der Schweiz?
Ist die globale Erwärmung bereits im Gange? Immer mehr Studien sagen ja. Warum die Alpenländer besonders unter dem Treibhauseffekt leiden werden. Foto: Baris Simek, iStock, Thinkstock
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Die ganze Ostküste der USA ist fest in Winterhand. Sie versinkt in Schneemassen und stellt immer wieder neue Minusrekorde bei den Temperaturen auf, die Region wird in grossen Teilen vom Chaos regiert. Aber auch in England herrscht Chaos, denn tausende Häuser stehen unter Wasser nach den schlimmsten Februar-Regenfällen in 250 Jahren.

Solch ungewöhnliche Wetterlagen zeigen sich auch in der Schweiz. Während das Tessin gegen enorme Schneeberge kämpfte, erlebte die nördlichere Schweiz einen Frühling mitten im Winter. Ist das alles ein Beleg für die globale Erwärmung? Immer mehr Forscher beantworten diese Frage mit ja und behaupten, eine globale Erwärmung sei heute schon messbar.

Ist die Globale Erwärmung wirklich bei uns angekommen?

Gerade fand das Jahrestreffen des weltgrössten Wissenschaftsverbandes, der American Association of the Advancement of Science (AAAS), in Chicago statt. Im Rahmen dieser Konferenz wurden Untersuchungen präsentiert, die das derzeitige Wetterchaos und die globale Erwärmung durchaus erklären könnten.

Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Jersey untersuchte Wetterdaten von den 1980ern bis heute und kam zu dem Schluss, dass sogenannte Jetstreams für die weltweiten Wetterkapriolen verantwortlich sein könnten.

Jetstreams sind heftige Winde in grosser Höhe. Mit über 500 Kilometern pro Stunde rasen sie durch die oberen Luftschichten. Dadurch beeinflussen sie die globale Luftbewegung und sorgen schon immer für das Wetter wie wir es kennen.

Seit einigen Jahren ändern sich diese Bewegungen jedoch. Der Grund: Schrumpfende Eisflächen in der Arktis. Durch den Eismangel bewegen sich laut der Forscher die Jetstreams langsamer und nehmen dazu vermehrt Richtungsänderungen vor. Das Ergebnis seien konstant warme Jahresanfänge im mittleren Europa.

Was bedeutet die Globale Erwärmung für den Schweizer Winter?

Auch die Wetterunterschiede in der Schweiz seien eine Folge des Klimawandels. Der Grund: Die beschriebenen Jetstreams bringen Warmluftfronten aus dem Westen und verschieben damit Kaltluftfronten aus dem Norden und aus Sibirien. Die Grenze für den Einfluss dieser Veränderungen sei etwa die Mitte der Schweiz. Jede Menge Schnee an den Südhängen der Alpen und grüne Flächen bei milden Temperaturen weiter im Norden könnten dies untermauern.

Bald zu Ostern mehr Schnee als an Weihnachten

Laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München, kurz LMU, sorgt die globale Erwärmung in Verbindung mit der Verschiebung der Jetstreams ausserdem dafür, dass es im Winter einen sogenannten «Christmas-Easter-Shift» geben wird. Die klassischen weissen Weihnachten würden verschwinden. Schnee an Ostern wäre dafür laut Studienauswertungen nicht mehr unüblich.

Insgesamt wird es aber einen Rückgang des Schnees geben. So stellte die LMU ebenso fest, dass sich der Alpenraum in den letzten Jahren doppelt so schnell erwärmt, wie es im globalen Durchschnitt der Fall ist. Ähnlich bestätigt auch eine Studie des Deutschen Alpenvereins zur globalen Erwärmung mit einer Untersuchung, dass im bayerischen Alpenraum langfristig nur noch die Region um Garmisch-Patenkirchen (Höhe bis 2000 m) und Oberstdorf (Höhe bis 2400 m) sichere Wintersportorte sein werden. Sicher bedeutet hierbei eine geschlossene Schneedecke von 100 Tagen und länger. Skigebiete, die unterhalb liegen, würden diese Bedingungen langfristig nicht mehr erfüllen können.

Andere Forscher befürchten neue kleine Eiszeit

Es gibt aber auch Untersuchungen, die gegen die globale Erwärmung und einen damit verbundenen Temperaturanstieg sprechen. So stellten Forscher der US-Raumfahrtbehörde Nasa fest, dass der Zyklus der Sonne derzeit der schwächste seit 100 Jahren ist. Wenn die Veränderungen anhalten würden, solle sich daraus eine neue kleine Eiszeit entwickeln können.

Einige Folgen der Globalen Erwärmung auf einen Blick

  • Laut Meteo Schweiz lagen in den letzten 20 Jahren die Schweizer Durchschnittstemperaturen kontinuierlich über dem seit 1864 erfassten Jahresmittel.
  • Die Meere erwärmen sich, wodurch es heute schon zum grossen Korallensterben kommt.
  • Die Zahl der Tsunamis in Asien und der Wirbelstürme in den USA soll aufgrund der globalen Erwärmung kontinuierlich zunehmen.
  • Im ehemals fruchtbaren Zweistromland des Iraks, zwischen Euphrat und Tigris, wird es immer trockener. Von ehemals 62 Mio. Dattelpalmen gibt es nur noch 10 Mio.
  • Das PIK-Potsdam warnt: Wird der Ausstoss der globalen Treibhausgase nicht umgehend reduziert, steigt der weltweite Meeresspiegel bis 2100 um mindestens einen Meter.
  • Es besteht eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass auf einen milden Winter ein sehr warmer Sommer folgt.

 

Quellen: Meteo Schweiz, Focus.de. PIK-Potsdam.de, Wetter.net, Klimaretter.info, nature.com, Tagesanzeiger.ch, pnas.org, guardian.co.ukmediamatters.org

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann