Wie sich der Klimawandel auf die Schweiz auswirkt

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Bald berät die UN-Klimakonferenz wieder über Massnahmen gegen den Klimawandel. Wir zeigen, wie stark sich die Schweiz noch in diesem Jahrhundert durch die Erderwärmung verändert.

Klimawandel Schweiz: Wie sieht es hier in 50 bis 100 Jahren aus?
Foto: © RudyBalasko / iStock / Thinkstock

Mit der Modellrechnung CH2014-Impacts haben mehrere Schweizer Forschungsinstitutionen versucht zu berechnen, wie hart der Klimawandel die Schweiz trifft. Wenn keine einschneidenden Massnahmen zum Klimaschutz getroffen werden, sollen sich die Temperaturen demnach bis 2085 hierzulande um 2,7 - 4,8 Grad erhöhen. Das hätte zahlreiche Auswirkungen, wie zum Beipsiel:

1. Die Schweiz wird insgesamt trockener und heisser

Die Zahl der Sommertage mit über 25 Grad würden sich laut dem Szenario verdoppeln. Auch Tropennächte, bei denen es nachts nicht kälter als 20 Grad wird, könnten in tieferen Lagen deutlich zunehmen. Laut den Berechnungen würde dies künftig 30, 40 oder sogar mehr Nächte pro Jahr betreffen.

Der Klimawandel verstärkt die Trockenheit in der Schweiz

Die Trockenheit nimmt durch den Klimawandel zu, was der Landwirtschaft zu schaffen machen könnte. Foto: © simazoran / iStock / Thinkstock

Zwar könnte die Landwirtschaft von längeren Vegetationsperioden profitieren, denn die Zahl der Frosttage würde deutlich abnehmen. Damit bleibt aber auch der Schnee immer öfter aus. Und gleichzeitig würden sich die Niederschläge im Sommer um bis zu 28 Prozent reduzieren, was sich wiederum negativ für Anbau und Verarbeitung von Lebensmitteln auswirkt.

2. Klimawandel lässt Pflanzen und Tiere verschwinden

Eine der Gefahren einer Klimaerwärmung in der Schweiz wäre ein grosses Fichten- und Buchensterben in tieferen Regionen. Schon heute ist bereits ein klimabedingtes Fichtensterben in Süddeutschland und entlang des warmen Rheintals zu beobachten.

Es könnte daher laut CH2014-Impacts nur eine Frage der Zeit sein, bis der Klimawandel auch in der Schweiz die Fichten sterben lässt. Generell, so die Forscher, würden heute schon im Schweizer Mittelland stark verbreitete Tier- und Pflanzenarten verschwinden und in höhere Lagen abwandern.

Durch den Klimawandel hat es der Kuckuck schwerer, seine Eier abzulegen

Der Kuckuck hat es durch den Klimawandel schwieriger, seine Eier unterzubringen und könnte verschwinden. Foto: © stillwords / iStock / Thinkstock

Weiter oben, wie am Beispiel des Dischmatals berechnet wurde, soll die Masse an Baummaterial und deren Vielfalt dagegen steigen. Allerdings würden durch die zunehmende Trockenheit in Bergtälern, wie etwa im Saastal, ebenfalls Baumarten aussterben.

Ein ungebremster Klimawandel würde ausserdem dazu führen, dass die Zahl der Schädlinge in Land- und Forstwirtschaft steigt. Beispielhaft wurde in der Studie eine Vermehrung des Apfelwicklers und des Borkenkäfers angegeben.

3. Gletscher schmelzen in Rekordzeit weg

Wird nichts unternommen, steigen die Temperaturen deutlich mehr als die im Klimavertrag von Paris festgelegten 2 Grad. Das würde viele Gletscher schon in wenigen Jahren zum Schmelzen bringen.

Aber selbst wenn umgehend drastische Massnahmen gegen den Klimawandel getroffen werden, ist es für das ewige Eis in den Bergen wohl zu spät, wie Berechnungen von Forschern der ETH Zürich ergeben. «Eine Verlangsamung der Erderwärmung kommt für die Schweizer Gletscher zu spät», erklärt Glaziologe Matthias Huss gegenüber dem Tages-Anzeiger.

Der Klimawandel lässt auch den Aletschgletscher schmelzen

Bis 2100 soll auch der Aletschgletscher so gut wie abgeschmolzen sein. Foto: © Isono / iStock / Thinkstock

Von den einst 2‘150 Gletschern waren 1973 lediglich noch 1‘400 übrig. Die Fläche der Schweizer Gletscher nahm in den letzten gut 40 Jahren um fast die Hälfte ab. 2100 sollen laut Huss 80-90 Prozent der heute noch existierenden Gletscher in der Schweiz dem Klimawandel zum Opfer fallen.

Das Schmelzen der Gletscher könnte weitreichende Folgen die Schweiz haben, nicht nur bezüglich ihrem Erscheinungsbild, sondern auch bei der Wasserversorgung. Denn viele Flüsse und damit auch Stauseen werden durch die Gletscher gespeist. Das wird auch Folgen für die Stromproduktion haben, die zu einem grossen Teil aus Wasserkraft besteht.

Darüber hinaus entstehen laut CH2014-Impacts dadurch mehr Naturgefahren, wie etwa der Bergsturz in Bondo im August 2017 zeigt. Mehr dazu lesen Sie in dem Beitrag «Die Schweiz soll sich besser auf den Klimawandel vorbereiten.»

Massnahmen können den Klimawandel abmildern

Aufhalten können wir den Klimawandel nicht mehr, aber zumindest begrenzen. Einschneidende Massnahmen könnnten laut CH2014-Impacts beispielsweise bewirken, dass:

  • Sommertage und Tropennächte sich halbieren im Vergleich zu einem Szenario, in dem nichts gegen den Klimawandel unternommen wird.
  • der Wintersport in der Schweiz zumindest teilweise erhalten bleibt. Die Berechnungen zum moderatesten Szenario der Forschungsgruppe zeigen, dass im besten Fall wenigstens mit der Hilfe von Kunstschneeanlagen weiterhin Wintersport möglich wäre.

Quelle: ch2014-impacts.ch, tagesanzeiger.ch

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann, Oktober 2017