Tod auf der Weide: Biobauern fordern stressfreie Schlachtung

Um ihren Tieren den stressigen Transport zum Schlachthof zu ersparen, fordern Schweizer Biobauern nun, ihr Vieh direkt auf der Weide erschiessen zu dürfen. Bund und Tierschutz sind von der Idee wenig begeistert. Doch laut Bauern würde dies auch den Konsumenten zugute kommen.

Biobauern in der Schweiz wollen Rinder auf der Weide erschiessen
Schweizer Kühen sollen durch Weideschlachtungen Stress und Todesängste erspart werden, so die Forderung einiger Schweizer Biobauer. Foto: Ayesha Wilson, Hemera, Thinkstock
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Auf dem Weg zum Schlachthof leiden Tiere unter Stress und Todesangst. Auch die Fleischqualität soll dadurch beeinträchtigt werden. Geht es nach Eric Meili vom Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl), könnte dies durch Weideschlachtungen vermieden werden.

Meili, selbst Biobauer und Besitzer von Weiderind, plädiert gemeinsam mit weiteren Schweizer Biobauern für die gesetzliche Verankerung des Rechts darauf, das eigene Vieh direkt auf der Weide erschiessen zu dürfen. Der Tod durch Jagdgewehr und Schalldämpfer würde den Rindern einen stressvollen Transport zum Schlachthof und das Mitanhören von Todesschreien ihrer Leidensgenossen ersparen.

Weideschlachtungen: Befürworter und Kritiker

Aus diesen Gründen wird das Vorhaben auch von dem international tätigen Tierschutzverein Vier Pfoten unterstützt.
Zu den Gegnern der von Meili geforderten Methode gehören neben Schweizer Bauernverband und BUND auch der Schweizerische Tierschutz (STS). Die Kritiker äusserten sich gegenüber 20min.ch skeptisch zu Sinn und Durchführung von Weideschlachtungen. So meint Hansueli Huber, Geschäftsführer des STS, «es wäre viel sinnvoller, für kurze Transportwege zu sorgen und in Randregionen in die Anpassung oder den Neubau von kleineren Schlachtanlagen zu investieren». Der Bauernverband weist auf die möglichen Gefahren bei Weideschlachtungen hin: «Es kann ja nicht auf jeder Weide mit Schusswaffen hantiert werden. Das wäre heute zu gefährlich für Passanten».

Mit der Begründung, die bestehende Regelung von Transport und Tierschutz bedürfe aktuell keinerlei Verbesserung, lehnte das Veterinäramt Zürich Meilis Gesuch derweil ab.

  • Aktuelle Durchführung von Schlachtungen in der Schweiz:
    Rinder werden in der Schweiz unter streng hygienischen Anforderungen in Schlachthäusern getötet. Nach möglichst kurzem Transportweg werden die Tiere im Schlachtbetrieb schonend abgeladen und anschliessend durch Bolzen-, Kugelschuss oder elektrisch betäubt. Eine schnelle Durchtrennung der Hauptblutgefässe im Halsbereich leitet die Ausblutung ein.
  • Ablauf von Weideschlachtungen:
    Bei einer Weideschlachtung würden die Tiere auf der Weide zunächst mit einem Schuss aus dem Gewehr betäubt um sie anschliessend mit Seilwinden in mobile Schlachtboxen ziehen zu können. Dort werden die Tiere so schnell wie möglich ausgeblutet und nach dem Transport zum Schlachthaus ausgeweidet.

    Mehr zu Prämissen und Tierschutz bei Schlachtungen finden Sie auf den Seiten des Bundesamts für Veterinärwesen.

 

Quellen: 20min.ch, bvet.ch, süddeutsche.de

Text: Petra Zölle