Die Geissflüsterin aus dem Prättigau

Susan Grest würde ihre Ziegen um nichts in der Welt mehr hergeben – auch wenn dieses Leben alles andere als einfach ist. Denn ihr Job ist weit mehr als Geissen melken und heuen.

Porträt: Susan Grest – Geissflüsterin aus dem Prättigau
Susan Grest wird die Leitgeiss Rosina wohl nicht mehr mit auf die Alp nehmen können. Foto: zVg privat
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Wenn Susan Grest in aller Früh das Tor zum dunklen Stall öffnet, geht das Gemecker los. Denn hier warten schon 60 Bündner Strahlengeissen sehnlichst auf ihre Ziegenhirtin.

Im Stall wird erstmal guten Morgen gesagt, gestreichelt, gekrault und natürlich gemolken und gemistet. Die 45-jährige Bergbäuerin kennt jedes ihrer Tiere von Geburt an. Hat sie geschöppelt und gross gezogen. Dabei hatte Susan Grest eigentlich ihr Leben lang nichts mit Geissen am Hut. Kühe waren ihr Metier, die Milch verkäste sie nach traditionellem Rezept. Doch dann kam eines Tages alles anders.

Verspielt und intelligent

In Jenaz, im Prättigau, wo ihre Grosseltern gelebt hatten und ihre Eltern aufgewachsen waren, eröffnete eine Sennerei, die Schaf- und Ziegenmilchkäse herstellt – Bio-Spezialitäten aus der Region. Susan Grest dachte sich: Warum eigentlich nicht?

Nachhaltigleben

Strahlengeissen sind eine seltene heimische Rasse. Foto: © zVG Coop

Und legte sich kurzer Hand Bündner Strahlengeissen zu. «Heute würde ich meine Geissen für nichts mehr hergeben», sagt sie. «Sie haben einen ganz anderen Charakter als Kühe, sind lebendiger, verspielter und sehr intelligent.»

Kommt hinzu, dass Grest mit den Strahlengeissen eine seltene heimische Rasse fördern kann. «Das macht auch Sinn, denn die Tiere sind perfekt an das steile, schroffe Gelände angepasst, das wir von den Alpen kennen», sagt die Bergbäuerin.

Die stolze Rosina hat die Hosen an

Nach dem sie im Stall gemistet hat, werden die Tiere erst mal mit Heu versorgt. Letzteres bringt Grest jeweils im Sommer ein, wenn ihre Geissen auf der Alp Falla bei Klosters sömmern.

Porträt: Susan Grest – Geissflüsterin aus dem Prättigau

Ziegen schützen die Alp vor dem Verwalden. Foto: © zVg Coop

Dort übernimmt die Alpmeisterin jeweils die Tiere. Und Rosina, die 11-jährige Leitgeiss deren Hörner, es mit jedem Geissbock aufnehmen können, führt die Herde an, zumindest bis zum letzten Sommer. 

Wegen ihres stolzen Alterns wird Rosina dieses Jahr, wohl nicht mehr zur Alp Falla hochkraxeln. «Doch sie kennt natürlich die besten Wege auf der Alp und die besten Wiesen zum Fressen. Die Geissen folgten ihr immer bereitwillig», erzählt Grest. Sie selber darf die Tiere in dieser Zeit lediglich besuchen.

 

Grest sieht in der Arbeit als Bergbäuerin weit mehr, als nur Geissen melken und heuen: «Die Tiere pflegen die Böden und die Landschaft auf natürliche Weise.» Das trage auch zur Artenvielfalt bei und nütze den Wanderern, denn ohne die Alpwirtschaft mit den Tieren würde alles verwalden und verbuschen.

Ohne Hilfe geht es nicht

Ohne finanzielle Unterstützung gäbe es Susan Grests Strahlengeissen oder die Biokäserei Prättigau und die Alp Falla längst nicht mehr.

«Denn Ziegen und Schafe geben weniger Milch als Kühe und sind in der Haltung sehr arbeitsintensiv», erklärt Grest. Und eine Alphütte mit Sennerei und Käsekeller müsse gewartet und in Schuss gehalten werden. «Ohne Zustupf müsste ein Kilo Alpkäse deshalb so teuer verkauft werden, dass der Preis astronomisch wäre», rechnet Grest.

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Mit der Coop Ziegenpatenschaft kann man Geissen-Götti oder -Gotti werden. Foto: © zVg Coop

Das würde niemand mehr zahlen und mit der Zeit würde keiner mehr Geissen halten oder den feinen Käse produzieren. «Dieses Schweizer Kulturgut wäre einfach verloren», ist Grest überzeugt.

Deshalb arbeitet Grest, wie auch die Alp Falla und die Biokäserei Prättigau mit der Coop Ziegenpatenschaft respektive der Coop Patenschaft für Berggebiete zusammen.

Geissen-Gotte und -Götti helfen mit einer Patenschaft nicht nur den Tieren, sondern sie helfen auch, dieses Kulturgut und diese Tradition am Leben zu halten. Und viele der Gotten und Götti besuchen ihre Geiss im Sommer auf der Alp Falla und machen sich selber ein Bild vom Gemecker, der Lebensfreude der Tiere und dem würzigen Alpkäse.

Mehr zur Ziegenpatenschaft erfahren Sie hier.

Mehr zum Thema Hilfe für Schweizer Berggebiete lesen Sie in unserem Schwerpunkt-Dossier.

Dieser Artikel entstand mit Unterstützung der Coop-Nachhaltigkeitsinitiative «Taten statt Worte». Mit der Patenschaft für Berggebiete und der Ziegenpatenschaft unterstützt Coop Bergbauernfamilien und  ihre Betriebe und engagiert sich so für eine zukunftsfähige Bergwirtschaft.

 

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