Jagd auf sanfte Riesen: Wie der Walfang die Artenvielfalt bedroht

Erst kürzlich wurde ein Walfänger von Umweltschützern gestört und der Fang in schrecklichen Bildern dokumentiert. Nach wie vor erlegen Walfänger auf grausame Weise jährlich tausende Wale. Sie landen in der Pharmaindustrie, in Fleischtheken oder sogar in isländischem Bier. Aber wie kommt es trotz inzwischen vieler, geltender Verbote dazu, dass der Walfang weiterhin die Artenvielfalt der sanften Riesen bedroht?

Walfang: Vermeintliche Forschungszwecke bedrohen die Artenvielfalt
Für Naturfreunde wohl eine der schönsten Rückansichten überhaupt: Ein Buckelwal, der Gigant der Meere. Dies könnte es schon bald nicht mehr geben, denn der Walfang zu vermeintlichen Forschungszwecken bedroht die Artenvielfalt. Foto: Fuse, Thinkstock
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Walfang hat Tradition. Zunächst wurden Wale gefangen, um mit deren Fleisch und Fett das Überleben zu sichern. Nach der Industrialisierung diente das zu Öl verarbeitete Walfett für Lampenöl, Seifen, Reinigungsmittel und Margarine. Die dadür exzessive Walfang bedrohte schnell die Bestände der sanften Riesen und damit auch ihre Artenvielfalt.

Erst 1982 wurde ein sogenanntes Moratorium beschlossen, welches den Walfang ab 1986 verbot. Doch der Walfang geht weiter. Denn zu vermeintlichen Forschungszwecken dürfen auch heute noch Walfänger auslaufen. Zudem weigern sich einige Länder, das Verbot anzuerkennen.

Weiter starker Walfang in Japan und Norwegen

So stellen sich die Norweger gegen das Moratorium und jagen durch Walfang weiter bis zu tausend Zwergwale pro Jahr. Auch Island und die Faröer-Inseln fangen weiter Wale zur kommerziellen Nutzung, allerdings nur in geringen Mengen. Einer der grössten Walfänger ist Japan. Hier werden unter dem Deckmantel der Forschung tausende Wale jährlich gejagt. Insgesamt sollen so jährlich etwa 25.000 Wale, aber auch Delfine beim Walfang abgeschlachtet werden.

Walfang: Vermeintliche Forschungszwecke bedrohen die Artenvielfalt

So gross und kräftig sie aussehen, Wale sind elegante Schwimmer, die tausende von Kilometern durch die Meere reisen. Immer im Schlepptau: Walfänger. Foto: © CoreyFord / iStock / Thinkstockphotos

Doch die Dunkelziffer der tatsächlichen Fänge ist hoch, wie die Umweltschützer von Sea Sheperd dokumentierten. Denn der Walfang wird oft auch illegal betrieben, zum Beispiel vor den Küsten des Senegals und Koreas. Aber auch im Südpolarmeer, wor die «See-Hirten» Anfang Januar den illegalen Walfang und das anschliessende Ausschlachten von vier Zwergwalen auf einem japanischen Walfänger beobachteten. Die Bilder gingen um die Welt, den Bericht, ein Video und die Fotos gibt es unter sea-sheperd.info.

Warum Wale für die Forschung gefangen werden

Walöl ist vermehrt in der Pharmaindustrie beliebt, aber auch für Nahrungsergänzungsmittel oder Tierfutter, wie die Walschützer vom WDCS berichten. So sollen jene Länder, die weiterhin auf Walfang setzen, die Walfang-Produkte für Arthritis-, Morbus-Crohn-, Diabetes- oder Herzmedikamente nutzen. In Japan wird aus dem Knorpelgewebe ein Arthrosemittel hergestellt. Ausserdem werden Zuckerstoffe für die Nahrungsmittelindustrie sowie Collagen für Schönheitsbehandlungen auf der ganzen Welt gewonnen.

Bedrohte Artenvielfalt durch Walfang

Die Artenvielfalt viele Spezies schrumpft, an Land wie auch in den Weltmeeren. Und gerade dank des Walfangs scheinen viele Arten der Wale kurz vor der Ausrottung. Ein Beispiel des IWC: In Meeren südlich des Äquators sollen vor Beginn des kommerziellen Walfangs, der dort in den 1920er Jahren begann, etwa 200.000 Blauwale gelebt haben. Heute, so die Schätzungen des IWC, sind es nur noch wenige tausend.

Doch leider ist der Walfang lukrativ und, neben dem Einsatz für Forschungszwecke, ist Walfleisch in vielen Ländern weiterhin als Delikatesse beliebt. So lange kein Umdenken stattfindet und Walfang weiter ein gutes Geschäft ist, wird die Artenvielfalt der Wale weiter bedroht sein.

Ein wahrer Mann werden durch Walbier

«Nur so wirst du zum wahren Wikinger». So lautete der Werbekampagne einer isländischen Brauerei, die für die traditionell vier Wochen lang gefeierte Wintersonnenwende ein Bier braute, dem Walfleisch oder –Fett zugegeben wurde. Glücklicherweise wurde ganz aktuell und durch den massiven Einsatz von Umweltschützern das Bier noch vor dem ersten Ausschank gesetzlich verboten. Produziert wurde es trotzdem auch dieses Jahr, in dem Land, das eigentlich nur zu Forschungszwecken noch Walfang betreibt.

 

Quellen: Savethewalesagain.com, WDCS, Wikipedia, Hayden Media, IWC.int, Facebook-Seite der Cove Guardians, Sea-Sheperd.info

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann