Palmöl in Schoggi und Co: Wie unser Konsum den Orang Utan bedroht

Regenwälder brennen und der Orang Utan verliert seinen natürlichen Lebensraum. Die UN geht sogar davon aus, dass unsere nahen Verwandten bald nicht mehr ausserhalb von Schutzgebieten zu finden sind. Der Grund: Wachsende Nachfrage nach billigem Palmöl, dessen Anbaufläche heute alleine auf Borneo mehr als doppelt so gross ist wie die Schweiz.

Regenwald-Rodung für Palmöl bedroht Orang Utan
Bereits 2007 verschwand auf der indonesischen Insel Borneo tagtäglich Regenwald in der Grösse von 4'600 Fussballfeldern. Lebensraum des bedrohten Orang Utans. Foto: richcarey, iStock, Thinkstock
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Palmöl findet sich in einer Fülle von Produkten

Palmöl ist heute in vielen Konsumgütern enthalten, genauer, in jedem zweiten Produkt in den Regalen des Detailhandels. Der Grossteil der Jahresproduktion, 75 Prozent, landet in Lebensmitteln, meist unter den Bezeichnungen «pflanzliche Fette oder pflanzliche Öle». Aufgrund seines hohen Anteils an nicht gerade gesunden gesättigten Fettsäuren ist es hoch erhitzbar, was es zu einem gern verwendeten Brat- und Frittierfett macht.

Einer der Vorteile von Palmöl für die Lebensmittelindustrie ist der günstige Preis. Denn die Tonne Palmöl kostet etwa 150 Schweizer Franken weniger als eine Tonne Rapsöl. Palmöl ist zudem bei einer Temperatur von 23 Grad noch fest und gleichzeitig geschmeidig. Ideal also, um etwa Pflanzenfettaufstriche oder Schokolade beigemischt zu werden. 5 Prozent sind in diesen Produkte laut Schweizer und EU-Lebensmittelverordnung als Ersatz für Kakaobutter erlaubt.

Neben vielen weiteren Verwendungsmöglichkeiten landet Palmöl häufig in Fertigprodukten, von der Tütensuppe bis zur Pizza. Ein kleinerer Teil der Jahresproduktion findet sich schliesslich in vielen Kosmetikprodukten wieder – vom Duschgel bis zum Lippenstift –, in Wasch- und Putzmittel, Kerzen oder Bio-Diesel.

So werden derzeit Jahr für Jahr alleine in Europa vier Millionen Tonnen Palmöl verarbeitet, mehr als 50 Millionen Tonnen sind es weltweit. Tendenz: Steigend. Und dies ist eine massive Bedrohung für den Regenwald Asiens und unseren nahen Verwandten, den Orang Utan.

Palmöl contra Tierschutz

Indonesien produziert zusammen mit Malaysia 90 Prozent des verarbeiteten Palmöls. Seit langem laufen Umwelt- und Tierschutzorganisationen dort Sturm gegen den Anbau und die stetige Vergrösserung der Anbauflächen, die bis 2026 alleine in Indonesien auf 26 Millionen Hektar anwachsen soll. Zum Vergleich: Die Schweiz ist 4,1 Millionen Hektar gross.

Fast schon ein Symbol im Kampf gegen Regenwald-Rodungen für Palmöl-Plantagen ist der Orang Utan. Der Lebensraum der Orang Utans, wie vieler anderer Tierarten, wird durch massive Waldrodungen immer kleiner, wie Umweltschützer bemängeln. Dadurch schrumpfen auch die Bestände der Orang Utans dramatisch. Seit 1900 um etwa 90 Prozent auf heute etwa 60‘600 Tiere.

Sind die Orang Utans nicht bei den sehr üblichen Brandrodungen gestorben, dann leben oft einzelne Populationen wie auf einer Regenwald-Insel, ohne Kontakt zu ihren Artgenossen zu haben. Die Gruppen sind dann meist zu klein, um die Population zu sichern oder sie verarmen genetisch.

Immer wieder gibt es Berichte über Misshandlungen oder den Abschuss von Orang Utans durch Waldrodungsmitarbeiter. Dies geschehe auch, wenn sich Orang Utans auf ihrer Nahrungssuche auf die Plantagen verirren. Verletzte Tiere oder verwaiste Orang Utan-Babys landen dann mit viel Glück in einer der wenigen Auffangstationen. Einige davon betreibt beispielsweise BOS, die Borneo Orang Utan Survival Organisation.

Wird der geplante Ausbau der Palmöl-Plantagen in der bisher rasenden Geschwindigkeit weiter betrieben, schätzt die UN, dass es bis 2020 keine freilebenden Orang Utans mehr geben wird.

Nachhaltig produziertes und Bio-Palmöl

Es gibt seit 2004 einen Roundtable on Sustainable Palm Oil, kurz RSPO, eine Organisation die sich für nachhaltig produziertes Palmöl einsetzt. RSPO, in der auch zahlreiche Produzenten und Detailhändler Mitglied sind, hat Regeln festgelegt, unter denen Palmöl sozial und umweltverträglich produziert werden soll.

Kritiker bemängeln jedoch, dass die Vorgaben nicht weitreichend sind. So darf Moorland weiterhin trockengelegt oder ein Regenwald auch dann abgeholzt werden, wenn er nicht als «besonders erhaltenswerte Fläche» eingestuft wurde. Wie Greenpeace berichtet, wird viel Regenwald auch illegal für Plantagen gerodet, selbst vor als schützenswert eingestuftem Regenwald wird nicht Halt gemacht. Zudem wird bemängelt, dass es viele Tricks gibt, um auch umweltschädliches Palmöl als nachhaltig zu deklarieren.

Wer nun auf Palmöl verzichten möchte hat es schwer, denn es ist in vielen Alltagsprodukten enthalten.

Tipps, um Palmöl zu vermeiden

  • Bei Kosmetika kann der Konsument auf palmölfreie Naturkosmetik zurückgreifen.
  • Es kann auf Fertig- und Halbfertigprodukte verzichtet werden, die nicht zweifelsfrei die beinhalteten Fette klar definieren.
  • Am besten: Mahlzeiten aus frischen Lebensmitteln selbst zubereiten.
  • Schoki gibt es auch ohne «pflanzliche Fette». So zum Beispiel von Lindt & Sprüngli (jene Sorten ohne Füllung).
  • Überprüfen Sie die Inhaltsstoffe Ihrer häufig gekauften Produkte doch einmal. Einfach Produkt eingeben und schon sehen Sie was darin enthalten ist. Hier geht es zur Produktinformation.
  • Ein paar palmölfreie Produkte finden Sie hier.

 

In den USA hat das Rainforest Alliance Network eine Kampagne gestartet, mit der es die 20 grössten Süsswarenhersteller auffordert, auf kritisches Palmöl zu verzichten. Das Kampagnevideo, das derzeit auf YouTube ein Renner ist:

Quellen: bos-deutschland.de, woz.ch, wwf.ch, wwf.de, coopzeitung.ch, NZZ, Tagesanzeiger.ch, Greenpeace, sueddeutsche.de, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann