Invasive Arten: Wie fremde Tiere und Pflanzen unsere Umwelt stören

Invasive Arten sind gebietsfremde Pflanzen oder Tiere, die meist von anderen Kontinenten eingeschleppt wurden und sich hierzulande ausbreiten. 800 invasive Arten zählt man bereits in der Schweiz, 107 davon gelten als gefährlich für unsere einheimischen Tiere und die Umwelt.

Invasive Arten in Flora und Fauna verdrängen heimische Arten wie bald das Eichhörnchen
Invasive Arten bedrohen die heimische Flora und Fauna. Ein Paradebeispiel dafür ist der asiatische Marienkäfer. Foto: © edevansuk / iStock / Thinkstockphotos
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Meere, Gebirge, Wüsten, weite Distanzen und das Klima waren früher natürliche Barrieren, die Tier- und Pflanzenarten dort beliessen, wo sie ursprünglich beheimatet waren. Eine globalisierte Welt, der Handel mit fernen Ländern oder der Ausbau der Wasserwege führten aber gerade in den letzten 100 Jahren dazu, dass sich gebietsfremde Tiere und Pflanzen, so genannte invasive Arten, in der Schweiz und ganz Mitteleuropa ansiedeln. Sowohl die invasiven Arten aus dem Tierreich (Neozoen), als auch jene aus dem Pflanzenreich (Neophyten) schaden teilweise durch ihre Ausbreitung jedoch unserer einheimischen Umwelt.

Invasive Arten aus dem Tierreich

Eine der wohl lästigsten invasiven Arten für die Landwirtschaft wie auch den Hobbygärtner ist wohl die Spanische Wegschnecke. Die rötlich gefärbten Nacktschnecken kamen wohl mit Lebensmitteltransportern in den 1950er Jahren erstmals aus Spanien hierher. Die invasive Schneckenart hat sich seitdem explosionsartig in der Schweiz ausgebreitet. Ursprünglich knabberten nur zwei der insgesamt 250 Schweizer Schneckenarten an unserem Gemüse und an schönen Blumen. Mit der Spanischen Wegschnecken haben unsere Graue und Genetzte Ackerschnecke seitdem einen starken Konkurrenten, der die einheimischen Arten teilweise verdrängt.

Der Signalkrebs macht als invasive Art viele Gewässer unsicher. Da in vergangenen Jahrzehnten die so genannte Krebspest viele Edelkrebspopulationen zerstörte und man dachte, der Signalkrebs sei dagegen immun, wurde diese Krebsart bewusst ausgewildert. Doch leider überträgt er die Krankheit, ohne selbst daran zu erkranken und verdrängt so andere Krebsarten. Ähnlichen Schaden richtet der Amerikanische Flusskrebs an.

Der Goldfisch ist ebenfalls eine invasive Art aus dem Bereich der Neozoen. Er stammt ursprünglich aus Asien und zählt ebenfalls zu den eingeschleppten Tieren. Als gebietsfremde Art ist er besonders in Wildgewässern des Mittellandes und im Tessin zu finden. Dort ernährt sich der Allesfresser beispielsweise von Froscheiern oder -Larven, was zur Dezimierung von Laubfrosch und Kammmolch führt. Weitere eingeschleppte Tiere, die der heimischen Flora und Fauna schaden, sind der Asiatische Marienkäfer, die Wanderratte, der Marderhund oder der Waschbär.

Invasive Arten aus dem Pflanzenreich

Als besonders kritisch unter den invasiven Arten aus dem Pflanzenreich werden Ambrosia und Bärenklau angesehen. Beide wuchern schnell ganze Bereiche zu und sind für den Menschen gesundheitsschädlich. Ambrosia wurde ursprünglich durch Getreidelieferungen aus ihrer Heimat den USA eingeschleppt und ist heute in ganz Mitteleuropa stark verbreitet. Das Lästigste an Ambrosia ist die allergene Wirkung ihrer Pollen. Geringste Konzentrationen wirken weitaus intensiver als Gräserpollen. Reaktionen wie Asthma und Atemnot auf die Pflanze sind keine Seltenheit, auch Hautkontakt kann zu allergischen Reaktionen führen. Die Blütezeit von Ambrosia kann bis in den November reichen, was die Allergiezeiten deutlich verlängert.

Hautkontakt ist auch beim wüchsigen Bärenklau das Problem. Kommt unsere Haut mit den Blättern der invasiven Art in Kontakt, sorgt eine wässrige Absonderung in Kombination mit UV-Licht zu teils erheblichen Verbrennungen.

Die Kanadische Goldrute mit schönen gelben Blütenständen zählt ebenfalls zu den invasiven Arten, die schnell grosse Areale bedecken und damit einheimische Arten verdrängen. Sie ist aber zumindest nicht giftig.

Auch die Robinie ist ein Neophyt, der wegen seines harten Holzes als gebietsfremde Art aus Nordamerika hierzulande in Mitteleuropa eingeführt wurde. Als invasive Art vergrössern sich ihre Bestände schnell und verdrängen so einheimische Baumarten oder Sträucher. Dies liegt unter anderem daran, dass ihre Wurzeln eine giftige Substanz absondern, die vielen anderen Pflanzen nicht bekommt.

Ähnlich gefürchtet ist der Flieder und selbst der Zierstrauch gilt als invasive Art. Er verbreitet sich äussert schnell jenseits unserer Gartenzäune und verdrängt andere Sträucher und Wildblumenarten.

Schädliches Grauhörnchen bald in der Schweiz?

Wie gravierend die Folgen die Einwanderung und Verbreitung invasiver Arten sein kann, zeigt das Amerikanische Grauhörnchen in England. Im 19. Jahrhundert wurde es dort freigelassen. Seitdem gilt es als invasive Art, da das Grauhörnchen kleinere einheimische Nager aus seinen Lebensräumen verdrängt. Es ist ein direkter Nahrungskonkurrent, der durch seine grösseren Körpermasse das Doppelte der einheimischen Eichhörnchen fressen kann.

Zudem überträgt das Amerikanische Grauhörnchen einen Virus, der ihm selbst nicht zu schaden scheint, wohl aber den einheimischen Arten. Schliesslich kann es auch an Bäumen erheblichen Schaden anrichten, da es die Rinde löst, um an deren Baumsaft zu gelangen. Dies kann beispielsweise bei Buchen ein völliges Absterben der Bäume auslösen.

In England ist die Population des invasiven Eichhörnchens in gut 100 Jahren auf etwa 3,5 Millionen angewachsen. Das ursprünglich weitverbreitete Europäische Eichhörnchen soll dagegen mit nur noch geschätzten 160.000 Exemplaren inzwischen vom Aussterben bedroht sein.

In der Schweiz gehört das Grauhörnchen noch nicht zu den eingewanderten invasiven Arten. Experten erwarten allerdings eine  Einwanderung im Tessin in den kommenden Jahren.

Quellen: Waldwissen.net, Beobachter.ch, BAFU, be.ch

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann