Bedroht Wasserkraft unsere einheimische Artenvielfalt?

Die Schweiz ist reich an Wasser und Niveauunterschieden im Gelände. Wasserkraft ist regenerative Energie, die ohne umweltschädliche Abfallstoffe auskommt. Sollte man sie so weit wie möglich ausbauen? Die Ansichten dazu gehen auseinander.

Bedroht Wasserkraft unsere einheimische Artenvielfalt?
Die Errichtung eines Wasserkraftwerkes zieht Folgen für die Umwelt nach sich. Foto: Oleg Mitiukhin, iStock, Thinkstock
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Vorteile von Wasserkraftwerken

Menschen nutzen die Wasserkraft schon lange. Die Erzeugung von elektrischer Energie mittels Wasserkraft besticht durch einen hohen Wirkungsgrad. Wasserkraftwerke liefern gleichmässig Strom und sind daher als Grundlastbetriebe einsetzbar. Pumpspeicherwerke können in Spitzenlastzeiten zusätzliche Energie liefern. Ausserdem sind Wasserkraftwerke sehr langlebig und damit nachhaltig. Eines der ältesten Wasserkraftwerke der Schweiz, das Kraftwerk Bözingen, liefert Strom seit dem Jahr 1892. In jüngster Zeit wurde es erneuert und erweitert. Die positiven Auswirkungen für den Hochwasserschutz und den Tourismus sind erwünschte Nebeneffekte.

Umweltschützer fürchten wegen Bau von Wasserkraftwerken um Artenvielfalt

Die Errichtung eines Wasserkraftwerkes ist naturgemäss ein schwerer Eingriff in das Ökosystem sowie die Artenvielfalt eines Fliessgewässers und seiner Umgebung. Wird ein Fluss aufgestaut, verlangsamt sich die Fliessgeschwindigkeit, auf dem Grund des aufgestauten Gewässers setzen sich Schwebeteilchen ab. Die Wassertemperatur steigt an, der Sauerstoffgehalt sinkt. Der Uferbereich wird überschwemmt, Lebensräume werden unterbrochen und Wanderungsbewegungen zum Beispiel von Fischen unterbunden. Das hat Auswirkungen auf die Artenvielfalt von der Quelle bis zur Mündung. Gerade in Gebirgstälern leben hoch spezialisierte Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen, deren Vernichtung die Artenvielfalt verarmen liesse.

Eine in alpinen Fliessgewässern häufig anzutreffende Fischart ist die Bachforelle. Sie kommt in steilen, hoch gelegenen Bächen vor. Im Speichersee könnte sie durch die konkurrenzstärkeren Barsche und Seeforellen verdrängt werden. Wie den Bachforellen geht es vielen weniger bekannten Köcherfliegen, Strudelwürmern, Kleinkrebsen und Moosarten. Ihre Vernichtung durch den Bau von Wasserkraftwerken bedroht die schützenswerte Artenvielfalt.

Fazit zur Gefährdung der Artenvielfalt durch Wasserkraft

Wasserkraftwerke bringen umweltfreundlichen Strom und damit einen grossen Nutzen. Inzwischen gibt es zudem bereits Wasserkraftwerke, bei denen die Planung den Schutz der Artenvielfalt in ihrer Umgebung mit einbeziehen. Dennoch werden durch den Bau und den Betrieb immer Tiere beeinträchtigt. Die Diskussion um den Ausbau erneuerbarer Energien sollte daher nicht davon ablenken, dass die umweltfreundlichste Energie immer noch diejenige ist, die gar nicht benötigt wird. Eine energiesparende Lebensweise könnte den Bau weiterer Kraftwerke verhindern.