«Wood Wide Web» verbindet Wald: Bäume verfügen über soziales Netzwerk

Was sich Erstaunliches unter der Erde im für uns so friedlich erscheinenden Wald abspielt, zeigt ein Förster in seinem neuen Buch auf. Offenbar ist jeder Baum Teil eines sozialen Netzwerks. Doch worum geht es so im «Wood Wide Web»? 

Bäume kommunizieren als soziale Wesen im «Wood wide web»
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Bäume können zählen oder lernen, haben Erinnerungen und warnen sich gegenseitig, wenn Gefahr droht. Benachbarte Gehölze tauschen sich dabei über das sogenannte «Wood Wide Web» aus, ein Netzwerk von Wurzeln und Pilzgeflechten.

Wie «Das geheime Leben der Bäume» vor sich geht, will der Forstwissenschaftler Peter Wohlleben in seinem gleichnamigen Buch näherbringen. Während es bei bei den Lesern richtig gut ankommt und schon seit Monaten auf Platz eins der Bestsellerlisten steht, sind einige Wissenschaftler wenig begeistert von der Vermenschlichung der Wälder.

Bäumisch-deutsch, deutsch-bäumisch: Den Wald verstehen

Wohlleben, der in der New York Times kürzlich porträtiert wurde, geht es darum, Bäumen eine menschliche Sprache zu verleihen, weil die Beschreibungen der Wissenschaft für uns zu schwer zu verstehen seien und Emotionen ausschliessen. «Wenn ich sage ‹Bäume säugen ihre Kinder›, dann begreift jeder sofort, was gemeint ist», erklärt der Förster seine Absicht.

Doch er stützt seine Beobachtungen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, zum Beispiel die Aussage, dass alte Stümpfe von gefällten Bäumen weiterhin am Leben gehalten werden. So gilt es als erwiesen, dass benachbarte Bäume ihre umgesägten Kameraden noch für Jahrhunderte mit einer Zuckerlösung über deren Wurzeln versorgen. Oder dass ein Pilzgeflecht den Wald und die Bäume untereinander zum «Wood Wide Web» vernetzt, über das etwa Warnungen zu einem Schädlingsbefall an die Artgenossen weitergegeben werden.

Auch wenn durch Wohllebens menschliche Formulierungen der Wald für viele verständlicher wird, gibt es auch Kritiker an der Vermenschlichung der Abläufe im Wald. So bemängeln unter anderem deutsche Biologen, dass die Beschreibung von sprechenden Bäumen missverständlich aufgefasst werden könne.

Quelle: nytimes.com; Text: Christian Gmür