Was ist der Ökotex Standard?

«Textiles Vertrauen» – allzu verheissungsvoll klingt das Versprechen, dass zahlreiche Produkte per Zertifikat ausweisen. Doch was genau ist der Ökotex Standard und wie zuverlässig ist das Gütesiegel?

Ökotex Standards
Das internationale Label «Ökotext Standard» zeichnet Textilien aus, die keine Schadstoffe enthalten. Foto © Lifesize / Emma Innocenti / Thinkstock
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Die Entwicklung setzte mit dem Bewusstsein für Umweltprobleme in den 1980er Jahren ein: Alarmierende Funde von Schadstoffen in Kleidung und anderen Textilien sorgten für Schlagzeilen. Versprechen von Unternehmen machten die Sache nicht besser, zumal sich die Produktionsprozesse bei Importware schwerer nachvollziehen lassen. Ein internationales Label musste her. Es wurde mit dem Ökotex Standard geschaffen.

Ökotex-Standard: Weltweit anerkanntes System

Nach einigen Jahren Entwicklungsarbeit wurde der Ökotex Standard 100 im Jahr 1992 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: Ein weltweit anerkanntes Prüf- und Zertifizierungssystem, das die Verwendung von möglichen Schadstoffen in Textilien im Rahmen von umfangreichen Labortests ausschliesst beziehungsweise streng reglementiert. Textilprodukte dürfen nur dann mit dem Gütesiegel ausgezeichnet werden, wenn all ihre Bestandteile den geforderten Prüfkriterien entsprechen, also auch Zubehör wie Nieten, Knöpfe, Reissverschlüsse und Einlagen.

Herausgeber des Ökotex-Standards ist die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie mit Sitz in Zürich. Ihr gehören 15 unabhängige Prüfinstitute mit Vertretungen in allen weltweit bedeutenden Regionen der Textilproduktion an. Auf der Herstellerseite beteiligen sich derzeit mehr als 9 500 Textil- und Bekleidungsunternehmen in rund 90 Ländern an der Ökotex-Zertifizierung. Insgesamt wurden bis heute mehr als 110 000 Zertifikate für Millionen von Einzelprodukten aller Artikelgruppen ausgestellt.

Mehr als 100 Einzelkriterien

Die Vorgaben von Ökotex umfassen derzeit mehr als 100 Einzelparameter. Dazu zählen gesetzlich verbotene und reglementierte Substanzen, gesundheitsbedenkliche Stoffe sowie Kriterien zur Gesundheitsvorsorge der Konsumentinnen und Konsumenten. Konkret werden die Textilprodukte unter anderem auf krebserregende und allergisierende Farbstoffe, verbotene AZO-Farbmittel und Rückstände von Pestiziden getestet. Strenge Grenzwerte gelten darüber hinaus für Formaldehyd, extrahierbare Schwermetalle, chlorierte Phenole und Toluole sowie zinnorganische Verbindungen. Zudem müssen die Textilien einen hautfreundlichen pH-Wert aufweisen und eine gewisse Farbechtheit einhalten – denn austretende Farben sind gesundheitsbedenklich.

Ökotex Standards

Die Ökotex-Produktklassen geben die Anforderungen an die Textilien an. Je intensiver der Hautkontakt umso höher die Anforderungen. Foto © Lifesize / Rebecca Van Ommen / Thinkstock

Die Ökotex-Schadstoffprüfungen sind für Erzeugnisse aller Verarbeitungsstufen möglich, vom Rohstoff über Garne und Gewebe bis hin zum fertigen Produkt. Sie richten sich stets nach dem jeweiligen Verwendungszweck der Textilien: Je intensiver der Hautkontakt eines Produkts ist, desto höhere Anforderungen muss es dabei erfüllen. Entsprechend gelten für Babyartikel (Ökotex-Produktklasse I) die strengsten Grenzwerte des gesamten Prüfsystems, gefolgt von hautnah getragenen Textilien – in die Produktklasse II fallen zum Beispiel Unterwäsche und Oberbekleidung. Produkte ohne direkten Hautkontakt (z. B. Jacken oder Mäntel) fallen in Klasse III und Ausstattungsmaterialien wie Vorhänge und Tischwäsche sind Klasse IV zugeordnet.

Ökotex-Standard 100

Ergänzend zur Produktzertifizierung nach Ökotex Standard 100 wurde im Jahr 1995 der Ökotex Standard 1000 eingeführt, ein Zertifizierungssystem für umweltfreundliche Betriebsstätten der Textil- und Bekleidungsindustrie – Der Nachweis nachhaltiger Produktionsbedingungen als zusätzliches Qualitätsmerkmal.

Ökotex Standard in der Schweiz

Auch in der Schweiz sind zahlreiche Unternehmen beziehungsweise Teile ihres Produktportfolios nach Ökotex zertifiziert. Darunter zum Beispiel der Garnhersteller Hermann Bühler AG in Winterthur, die auf Sport- und Funktionsbekleidung spezialisierte ODLO International AG, Hünenberg, und die Cilander AG aus Herisau, die innovative Veredlungsleistungen für Textilien anbietet.

Ökotex Standard: Einkaufsführer

Ökotex stellt einen Einkaufsführer mit Gültigkeitsprüfung der Zertifikate zur Verfügung – Nach Eingabe der Zertifikatsnummer erfahren Sie, ob alles seine Richtigkeit hat.

 

Quelle: Ökotex, Hermann Bühler AG, ODLO International AG, Cilander AG,

Text: Christine Lendt